Nähkästchen

Franz Saladin: «Ich habe nie Sackgeld bekommen»

Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende finden sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Franz Saladin: «Geld».

Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende finden sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Franz Saladin: «Geld».

Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB), plaudert aus unserem Nähkästchen. Über das Zeitungsaustragen, Bildung und Beamten-Bashing.

Franz Saladin, über Geld spricht man nicht. Wir tun es trotzdem, Sie haben den Zettel mit diesem Begriff gezogen.

Damit habe ich keine Probleme.

Sind Sie eher ein geiziger oder grosszügiger Mensch?

Privat bin ich eher grosszügig. Aber sparsam, wenn es um fremdes Geld geht. Früher war ich Kassier eines Vereins und hatte den Spitznamen «Otti», in Anlehnung an den sparsamen Alt-Finanzminister Otto Stich.

Was haben Sie sich zuletzt geleistet?

Einen kleinen Pool im Garten – unser Zuhause ist mir wichtig. Ich geniesse es, am Morgen zu schwimmen, und die Kinder finden es sowieso grossartig. Aber Prestigegüter wie ein teurer Sportwagen oder Designerkleider sagen mir nichts. Ich werfe das Geld nicht zum Fenster raus. Das habe ich schon früh gelernt.

Ja, mit dem Sackgeld mussten wir wohl alle gut haushalten...

...ich habe nie Sackgeld bekommen. Meine Eltern waren der Meinung, dass wir Kinder uns kleinere und grössere Freuden selber finanzieren sollen. Deshalb habe ich als Schüler jahrelang Zeitungen in Duggingen ausgetragen, für 40 Franken im Monat.

Oh, das ist hart.

Das sehe ich anders. Es gab mir immer ein gutes Gefühl, wenn ich etwas kaufen konnte oder in die Ferien verreist bin mit der Gewissheit: Das ist mein Geld, das habe ich verdient. Von den 40 Franken habe ich jeweils 20 Franken auf die Seite gelegt. Mit der Zeit kam schön was zusammen.

Was haben Sie sich von Ihrem ersten Lohn gekauft?

Die erste grössere Anschaffung war ein Töffli. Das hat mir auch das Zeitungsaustragen erleichtert (lacht).

Ihre Kinder bekommen jetzt auch kein Sackgeld?

Doch, aber sie haben auch ihre Jöbli. So lernen sie: Von nichts kommt nichts. Sie können schon ganz gut mit Geld umgehen.

Und die beiden Halbkantone?

Wenn es einem gut geht, neigt man dazu, das Geldausgeben zu übertreiben. Das gilt für Menschen, aber auch für Firmen oder Kantone. Da werden dann Abteilungen geschaffen oder aufgeblasen, die es nicht unbedingt braucht. In der Privatwirtschaft wirkt in so einem Fall ein Element korrigierend: die Rendite. Wenn diese nicht stimmt, wird gehandelt. Beim Staat nicht.

Geben Sie uns ein Beispiel.

Lieber nicht. Wir ziehen direkte Gespräche dem medialen Beamten-Bashing vor.

Sie dürfen es sich mit den Kantonen ja auch nicht verscherzen. Die HKBB versteht sich als «Brückenbauer» zwischen Land und Stadt. Haben Sie diesbezüglich etwas erreicht?

Durchaus. Das Agglomerationsprogramm trägt Früchte, aktuell setzen wir uns in der Uni-Diskussion ein. Die Zusammenlegung der Umweltämter ist uns derweil nicht gelungen. Noch nicht.

Die Baselbieter KMU akzeptieren die HKBB aber längst nicht so wie jene in der Stadt. Liegt das an der der Wirtschaftskammer Baselland?

Es ist wahr, wir werden immer noch ein wenig als städtischer Verband wahrgenommen. Aber je länger, je weniger: Unsere Mitgliederzahl auf dem Land wächst stetig. Und mit der Wirtschaftskammer stehen wir nicht in Konkurrenz, unsere Interessen decken sich meistens.

Sie sind ausgebildeter Chemiker. Könnten Sie sich vorstellen, wieder in ihrem alten Beruf zu arbeiten? Und dabei vielleicht auch weniger zu verdienen?

Das könnte ich nicht mehr, da mit den Jahren das Know-How verloren gegangen ist. Aber ich wäre zu einem kleineren Lohn bereit, solange die Arbeit mich erfüllt.

Da gehören Sie zu den Ausnahmen. Die Welt wird immer kapitalistischer.

Ich beobachte das Gegenteil. Die Menschen wollen sich viel mehr als früher in ihrer Tätigkeit verwirklichen können.

Und die Firmen? Hier gehts nur noch um Gewinnmaximierung.

Der Wunsch, weiter zu kommen, ist menschlich. Den Drang zu wachsen haben wir in den Genen. Sonst würden wir heute noch in Höhlen wohnen.

Gehen Sie mal in die Karibik. Da gibt es Menschen, die haben nichts, wohnen in Wellblechhütten. Trotzdem lachen sie den ganzen Tag. Und hier im Tram machen alle einen Lätsch.

Es gibt überall zufriedene und unzufriedene Menschen. Dass gewisse hier einen Lätsch machen, muss nichts mit ihrem Wohlstand zu tun haben.

Ich glaube schon. Je mehr Geld, desto mehr Sorgen. Und man sagt auch: Je grösser der materielle Wohlstand, desto grösser die geistige Verarmung. Stimmen Sie dem zu?

Nur bedingt. Wichtig ist zu wissen, dass Wohlstand nicht gottgegeben ist. Solange sich der Mensch dessen bewusst ist und er dafür sorgt, dass es auch seinen Nachkommen gut geht, läuft er nicht Gefahr, geistig zu verarmen. Egal, auf welchem Wohlstandsniveau er sich befindet.

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