«Leider Gottes ist mir die Hand ausgerutscht.» So beschreibt Katrin Moser* was in der Ackerstrasse vor zwei Jahren passiert ist. Sie war mit ihrer zwölfjährigen Tochter auf dem Trottoir unterwegs, als ihr vier Mädchen entgegenkamen. Wer wen zuerst beim Kreuzen geschupft hat und was folgte, versuchte das Strafgericht Basel-Stadt unter dem Vorsitz von Kathrin Giovannone herauszufinden.

Moser räumte ein, dass sie einen «Chläpper» ausgeteilt habe, weil sie provoziert worden sei. Die nachfolgende Rangelei bestätigte sie ebenfalls, gab aber nur wenig bis keine Details bekannt. Insbesondere bestritt sie, dass sie dem Opfer, ein damals vierzehn Jahre altes Mädchen, gedroht haben soll, sie niederzustechen, beziehungsweise umzubringen. Dieser Punkt war pikant, da Moser bereits 2004 einen Mann mit einem Messer verletzt hatte.

Glaubwürdige Zeugin

Den Hauptvorwurf, dass sie das Opfer packte, hochzog und mit dem Kopf wieder auf den Boden prallen liess, bestritt sie. Staatsanwalt Sasha Stauffer sah darin eine versuchte schwere Körperverletzung, während Verteidigerin Corinne Gadola einen Freispruch forderte. Als Auskunftsperson befragte das Gericht ein noch nicht ganz sechzehnjähriges Mädchen. Es wirkte aus drei Gründen aber sehr glaubwürdig: Es machte sehr detaillierte und schlüssige Angaben zum Vorfall, während sie gleichzeitig die Beschuldigte nicht schlimmer belastete und auch darauf hinwies, dass das Opfer «frech» war. Darauf stellten die Richter ab.

Auch das damalige Opfer wurde befragt. Sie machte ebenfalls detaillierte Angaben, als die Beschuldigte selber machen konnte. Gegen Ende der Befragung behauptete Moser sogar noch, dass das Opfer nicht die richtige Person war. Dies konnte aber mit der korrekten Gerichtsvorladung schnell widerlegt werden.

Generell merkte man Moser ihre psychische Erkrankung an, wegen der sie in Behandlung steht und eine IV-Rente bezieht. Das geschlagene Mädchen forderte durch seinen Vater eine Genugtuungssumme von 10 000 Franken sowie den Ersatz der Rettungskosten der Ambulanz. Der geforderte Betrag wurde von der Anwältin und später auch vom Gericht als absurd zurückgewiesen.

Beschuldigte verliess unerlaubt Saal

Acht Monate unbedingte Freiheitsstrafe lautete das Urteil. Das Gefängnis wird aber zugunsten einer Massnahme aufgeschoben. Die psychische Erkrankung der Beschuldigten und die Tatsache, dass sie seit knapp vier Monaten Mutter eines Jungen geworden ist, führten die Richter zu diesem Entschluss. Die Massnahme wird im Wohn- und Arbeitsexternat erfolgen. Somit kann die Strafvollzugsbehörde schnell eingreifen, sollte die junge Mutter rückfällig werden.

Zudem sprach die Präsidentin der Beschuldigten ins Gewissen, zu kooperieren. Sollte dies nämlich nicht geschehen, so wird ein stationärer Aufenthalt zwingend. Neben den Verfahrenskosten muss Moser auch eine Entschädigung in der Höhe der Rettungskosten sowie eine «symbolische Genugtuung» - so Giovannone - von 500 Franken bezahlen.

Für Staatsanwalt und Verteidigerin war es unmittelbar nach der Urteilsverkündung noch zu früh, um über einen allfälligen Weiterzug des Falles vor das Appellationsgericht zu entscheiden.

Bei der Urteilsbegründung drohte die Beschuldigte zusammenzubrechen. Sie verliess gegen den Willen der Richter den Saal, während die Verteidigerin um Verständnis warb. Im nachfolgenden Wortgefecht drohte die Präsidentin auch der Anwältin mit einer Ordnungsbusse, was diese vorerst verstummen liess. Allerdings schaffte es Gadola, ihre Mandantin wieder in den Saal zu bewegen, damit die Urteilsverkündung zu Ende geführt werden konnte.

*Name von der Redaktion geändert