Knapp ein Jahr ist es her, seit Basel die Frauenquote eingeführt hat. Diese gilt für Verwaltungsräte von staatlichen und staatsnahen Betrieben wie den BVB und den IWB. «Nach der Abstimmung haben wir von einigen Frauen Spontanbewerbungen für ein Verwaltungsratsmandat erhalten», sagt Andrea Wiedemann, Leiterin des zentralen Personaldienstes beim Kanton Basel-Stadt. Zwar wurden seither Verwaltungsratsmandate neu mit Frauen besetzt, zum Beispiel im Oktober bei der Basler Personenschifffahrtsgesellschaft mit Brigitte Fritz. Allerdings bleibt die Drittel-Marke bisher unerreicht.

Diese Tatsache und das grosse Interesse der Frauen haben Wiedemann auf eine Idee gebracht. Sie hat die Informationsveranstaltung «Frauen im Verwaltungsrat – das erwartet Sie» organisiert. Andrea Wiedemann betont: «Es ist kein Rekrutierungs-Grossanlass.» Vielmehr sollen an der einmaligen Veranstaltung Fragen rund um die Tätigkeit eines Verwaltungsrats beantworten: Welche Aufgaben stellen sich? Was sind die Zuständigkeiten? Worauf achten Unternehmen bei der Wahl?

«Solche Anlässe für Frauen, die Verwaltungsrätin werden möchten, gibt es in Zürich und Luzern immer wieder, in Basel gab es das aber noch nie», sagt Wiedemann. Und wie vielmals ist es so, dass sich Frauen erst informieren, ob sie wohl das Rüstzeug mitbringen, während Männer sich direkt bewerben. So oder ähnlich lässt sich das Interesse an der Veranstaltung, die nächsten Donnerstag stattfindet, erklären. Es ist riesig. «Es haben sich über 100 Frauen angemeldet, das sprengt den Rahmen», sagt Wiedemann. Zwar hat sie zusätzliche Workshops organisiert, trotzdem musste sie vielen Frauen absagen.

Nicht nur Baslerinnen kommen

Angemeldet haben sich von der Geschäftsführerin bis zur Professorin mehrheitlich Frauen aus Basel, und einige wenige Anmeldungen verteilen sich über die ganze Schweiz. Erstaunt ist Andrea Wiedemann nicht nur vom riesigen Interesse, sondern auch darüber, dass sich für die Einsteigerveranstaltung auch Frauen mit Verwaltungsratsmandaten angemeldet haben. «Sie wollen den Anlass wahrscheinlich zum Netzwerken nutzen», vermutet Wiedemann.

Wenig erstaunt über den Grossandrang an der Informationsveranstaltung ist hingegen die Basler Ständerätin Anita Fetz, die sich seit Jahren für Frauenquoten und in Frauennetzwerken engagiert: «Das wundert mich nicht. Es hat sicher mit dem neuen Gesetz zu tun. Damit wird es für viele Frauen realistischer, dass es überhaupt Posten gibt», sagt Fetz. Sie betont aber, dass nicht nur Information über die Tätigkeit wichtig sei, um die Zahl der Frauen in Verwaltungsräten zu erhöhen: «Wichtiger ist, dass die frei werdenden Positionen ausgeschrieben und nicht unter der Hand vergeben werden.» Es gebe genügend qualifizierte Frauen, die sich auf eine solche Ausschreibung melden würden, ist Fetz überzeugt. Und mit qualifiziert meint sie Frauen, die eine Bilanz lesen können, die nützliches Spezialwissen für die Branche haben und die ins Profil passen.