Geburten
Frauenklinik im Bruderholz kämpft um die werdenden Mütter

Die neue Geburtsklinik des privaten Bethesda-Spitals zieht stark. Beim Kantonsspital Baselland hingegen kann man die Zahl der Geburten bloss konstant halten. Vor allem der Standort Bruderholz hat Mühe, die Frauenklinik auszulasten.

Michael Nittnaus
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Eine Geburt ist nie angenehm, doch immer öfter wollen werdende Mütter dabei nicht auf einen gewissen Komfort verzichten.

Eine Geburt ist nie angenehm, doch immer öfter wollen werdende Mütter dabei nicht auf einen gewissen Komfort verzichten.

AZ-Archiv

Eine Geburt ist Stress pur. Sie bringt die werdende Mutter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit – und darüber hinaus. Das ist eine Tatsache, die sich nie ändern wird. Anders das Drumherum. Dort hat ein Wandel stattgefunden: «Die stilvolle Einrichtung der Patientenzimmer, die warmen Farben und das behagliche Lichtkonzept erinnern eher an Hotelzimmer», vermeldete das Bethesda-Spital vergangenen Herbst stolz zur Eröffnung seiner neuen Geburtsklinik – und trifft damit den Nerv der Zeit. Allein im ersten Quartal 2014 verzeichnet die Privatklinik mit 328 Geburten 30 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, wie sie auf Anfrage mitteilt. Und das soll erst der Anfang sein. Mittelfristig möchte sie von heute 1166 (2013) auf 1500 Geburten pro Jahr kommen.

«Da können wir mit dem Bethesda zurzeit nicht mithalten», muss David Hänggi, Chefarzt der Frauenklinik des Kantonsspitals Baselland (KSBL), eingestehen. Die Geburtszahlen stagnieren. Über alle drei KSBL-Standorte liegen sie bei jährlich rund 1300, 700 davon entfallen auf das Bruderholzspital. Dafür stehen dort fünf Gebärsäle zur Verfügung. Hänggi: «Das bräuchte es erst für die 2000 Geburten des Basler Unispitals.»

Kantonsspital will zulegen

Hänggi muss mit einer deutlich älteren Infrastruktur vorliebnehmen. Vor allem das Bruderholz kämpft zudem mit Imageproblemen, seit mehrere Chefärzte abgewandert sind. Auch Hänggi selbst hatte bereits gekündigt, ehe er von der neuen KSBL-Führung zum Verbleib überredet werden konnte. Die nächste Hiobsbotschaft liess allerdings nicht lange auf sich warten: Anfang Woche machte die bz publik, dass sich der Baubeginn der neuen Frauenklinik auf dem Bruderholz um ein halbes Jahr auf Anfang 2015 verschiebt. Bezogen wird sie nicht vor Sommer 2016. «Das bedaure ich sehr, da wir mit dem Neubau endlich wieder konkurrenzfähig sein werden», sagt Hänggi.

So lange einfach im Status quo zu verharren, geht allerdings nicht. Dafür ist der Wettbewerb in der Region Basel zu hart. Es gibt mehr Gebärsäle und Betten als Nachfrage besteht. Doch da sich die Geburtshilfe bestens als Aushängeschild eines Spitals eignet, will keiner der Konkurrenten nachgeben. Immerhin: Die neue Frauenklinik des Bruderholzspitals wird nur noch drei Säle bieten. Diese Reduktion heisst aber nicht, dass das KSBL klein beigibt.

«Unser Ziel ist ganz klar, die Geburtszahlen zu steigern», sagt Hänggi. Eigentlich hätte das Wachstum bereits einsetzen sollen. Denn das KSBL hat schon mehrere Massnahmen umgesetzt, dank derer die Frauenklinik mit dem Angebot des Bethesdas besser mithalten kann. Seit Mitte 2012 können Frauen für Geburtshilfe und Gynäkologie auch ihren eigenen Arzt mitbringen. 15 solcher Beleg-Ärzte hat die Frauenklinik mittlerweile unter Vertrag. «Leider scheinen das noch nicht viele Frauen zu wissen. Das müssen wir bekannter machen», sagt Hänggi.

Hebammen kommen vom Unispital

Seit dem 1. Mai bietet zudem das Bruderholzspital endlich auch Beleg-Hebammen an, wie es Liestal schon länger kennt. Ausschliesslich auf externe Ärzte und Hebammen zu setzen, hält Hänggi dagegen für nicht ideal: «Im Gegensatz zu Privatkliniken haben wir rund um die Uhr auch Fachärzte im Haus, etwa Anästhesisten, Geburtshelfer oder Radiologen.» Das will Andreas Grüner, ärztlicher Leiter des Bethesda-Spitals, nicht als Nachteil gelten lassen: «Wir halten alle Vorgaben des Kantons ein – etwa wie schnell ein Anästhesist vor Ort sein muss.» Auch eine Hebammen-Sprechstunde und eine Inserate-Kampagne hat das KSBL gestartet – doch die Zahlen steigen nicht.

Dass am Bruderholz die beiden Hebammen pro Schicht aber unterbeschäftigt sind, bestreitet Hänggi. «Problematisch wäre die Situation erst, wenn die Geburten von 700 auf unter 500 fallen würden.» Er sieht in der geringeren Auslastung sogar einen Vorteil: «Immer wieder bewerben sich Hebammen bei uns, die im Unispital überlastet waren.» Hänggi möchte nun auch stärker Kontakt zu Frauenärzten der Region suchen, damit diese ihre Patientinnen dem KSBL zuweisen. Fest steht: Der Neubau kann nicht schnell genug kommen.