Nationalratswahlen

Frauenmangel im Baselbieter Polit-Milieu: Ausgerechnet FDP wird angeschwärzt

Die Skulptur Helvetia auf Reisen wurde mit Tuechern und Plakaten eingedeckt am Frauenstreik. (zvg / keystone)

Fast jeder zweite Namen auf den Listen für die Nationalratswahlen stammt von einer Frau. Landesweit belegen Basel-Stadt und Baselland die Ränge zwei und drei. Bei der Platzierung der Kandidatinnen habe aber vor allem die FDP Nachholbedarf, moniert «Helvetia ruft».

Bei den Baselbieter Freisinnigen versteht frau die Welt nicht mehr. Da stellt die FDP Baselland für den Nationalrat drei Kandidatinnen auf, dazu noch eine Ständeratskandidatin – trotzdem zählt sie «Helvetia ruft» nicht zu den Vorbildern, was Frauenförderung betrifft.

«Helvetia ruft» ist eine überparteiliche Bewegung für die Frauenförderung. Zusammen mit Politologinnen und Politologen analysierte sie die Frauenanteile auf allen kantonalen Listen für die Eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober. Die «NZZ am Sonntag» publizierte eine Liste mit Vorbild-Parteien. Als solche gelten aus beiden Basel: die Grünen, die GLP und die SP (jeweils BS und BL) sowie die Baselbieter SVP. Die FDP Baselland hingegen wird nicht mal erwähnt.

Frauenanteil Nationalrat: Beide Basel top

Kanton Kandidierende / Frauen Frauenanteil (in %)
Zug 75 / 37 49,3
Basel-Stadt 133 / 61 45,9
Baselland 134 / 59 44
Thurgau 135 / 59 43,7
Genf 176 / 76 43,2
Zürich 966 / 415 43
Luzern 252 / 108 42,9
Bern 651 / 274 42,1
Freiburg 154 / 61 39,6
Neuenburg 46 / 18 39,1
Total CH 4671 / 1879 40,2
* Nur Kantone mit Proporzwahl berücksichtigt. Quelle: BFS/Auswertung CH Media

Frauennamen werden häufiger gestrichen

Saskia Schenker, Präsidentin der FDP Baselland, kann das nicht verstehen. «Wir waren einfach überrascht», sagt Schenker zur bz. «Andere Kantonalparteien haben denselben Frauenanteil, gelten aber als vorbildlich. Das geht für uns nicht auf. Gerade, weil wir eine Bisherige vorweisen können und mit einer Frau für den Ständerat antreten.»

Die Erklärung: «Helvetia ruft» schaute nicht nur auf den Anteil der Frauen, sondern – neben weiteren Kriterien – auch auf deren Platzierung auf den Zetteln. Kandidaturen auf den ersten Rängen sind in der Methodik von «Helvetia ruft» mehr wert als solche weiter hinten.

Frauennamen werden häufiger gestrichen als Männernamen

Die Begründung ist psychologischer Natur. Viele Wählerinnen und Wähler gehen davon aus, zuoberst stünden die aussichtsreichsten Kandidierenden – am Schluss hingegen Listenfüller. Hinzu kommt, dass Frauennamen häufiger gestrichen werden als Männernamen. Das stellte das Bundesamt für Statistik (BFS) fest.

Die Crux bei der Baselbieter FDP: Die Platzierung auf der Liste hat nichts zu bedeuten. Die sieben Kandidierenden sind alphabetisch angeordnet, wie das auch bei etlichen anderen Parteien üblich ist. Das heisst: Zuoberst steht Daniela Schneeberger als Bisherige, hinter ihr folgen Melchior Buchs, Christoph Buser, Nicole Nüssli, Saskia Schenker, Marc Schinzel und Balz Stückelberger. Nicole Nüssli und Saskia Schenker hatten schlicht Pech, dass die Namen von zwei Konkurrenten mit B beginnen.

Längst nicht alle wenden die Alphabet-Regel an. Für Dominik Straumann ist sie «ein alter Zopf», wie der Präsident der SVP Baselland auf Anfrage sagt. Die SVP habe ein neues Verfahren gewählt, das fairer sei. Kriterium für die Platzierung seien die Resultate der letzten Nationalratswahlen. Je mehr Stimmen, desto höher der Platz auf der Siebnerliste.

Bei den Baselbieter Grünen ist alles anders

Dem Systemwechsel sei eine Diskussion vorausgegangen, sagt Straumann: «Jacqueline Wunderer etwa ist wegen ihres Namens immer weit unten auf dem Zettel gelandet. Das wollten wir ändern.» Bei erstmals Kandidierenden wird das Alphabet herangezogen – auf der SVP-Liste bedeutet das: Zuoberst prangen die Bisherigen Thomas de Courten und Sandra Sollberger, gefolgt von Dominik Straumann, Jacqueline Wunderer und Caroline Mall. Die unterste Gruppe bilden die «Neuen» Andreas Spindler und Reto Tschudin.

Eine ganz andere Systematik wählten die Baselbieter Grünen – nämlich gar keine. Weder Anfangsbuchstaben, noch Stimmenzahl hätten eine Rolle gespielt bei der Reihenfolge, sagt Parteipräsident Bálint Csontos. Kurios: Die bisherige Maya Graf muss mit Platz zwei vorlieb nehmen, hinter Florence Brenzikofer. Csontos: «Wir haben die Liste nach diversen Kriterien angefertigt.» Brenzikofer sei Spitzenkandidatin für den Nationalrat, deshalb stehe sie vor Graf, die für den Ständerat antritt. «Wichtig ist aus unserer Sicht sowieso nicht die einzelne Platzierung, sondern das Endprodukt.»

Saskia Schenker sagt, man behalte sich eine Anpassung der Methode vor. «Aber jede hat ihre Vor- und Nachteile.» Ein schwacher Trost für Schenker: Laut «NZZ» ist die Basler FDP eine «Männerbastion».

Meistgesehen

Artboard 1