Pekka Kuusisto hat ein starkes Sendungsbewusstsein. Kein Wunder. Wer wie er vor wenigen Monaten bei den BBC Proms quasi als Alleinunterhalter auftritt und beim Publikum nicht nur für einen Lacher nach dem anderen sorgt, sondern die gesamte Royal Albert Hall zum Mitsingen eines finnischen Volkslieds bringt, der muss Talent zum Showman haben.

In Tuchfühlung mit Musikern

Das war auch wenige Sekunden nach seinem Eingang auf die grosse Bühne des Theater Basel klar. Mit herausforderndem Blick begegnete er seinen Zuhörern, die sehr nahe am Sinfonieorchester sassen. Ja in der ersten Reihe hätte man sich nur ordentlich vorbeugen müssen, um einen Musikerschuh zu berühren. Zur Beobachtung von Kuusistos Mienenspiel lohnte sich die Bühnennähe, und akustisch brachte sie auch keine Nachteile. Die eigens installierte Orchestermuschel sorgte für eine homogene Mischung des Orchesterklangs.

So schaffte es Kuusisto mit Leichtigkeit, das Orchester zu übertönen und mit seiner eigenwilligen Interpretation von Jean Sibelius’ Violinkonzert auch zu dominieren. Für seinen frechen Umgang mit dem klassischen und romantischen Repertoire ist der 40-jährige Finne bekannt. Auch spielt er Heavy Metal und elektronische Musik. Sein Alleinstellungsmerkmal unter den vielen klassischen Geigenvirtuosen hat er in seinem Bezug auf die finnische Volksmusik gefunden, die er erst nach seinem Studium in den USA für sich entdeckt hat.

Mit stampfendem Fuss

Bei Sibelius ging er eben mit diesem Ansatz aufs Ganze und manchmal auch darüber hinaus: Er rhythmisierte tänzerisch, stampfte mit dem Fuss dazu, zog das Tempo stark an, rauschte über das bekannte Thema nebensächlich hinweg, artikulierte scharf und abgehackt, pflegte einen rauen, ruppigen Klang. Stellenweise spielte er so eigensinnig, dass der musikalische Zusammenhang zum Orchester beinahe verloren ging.

Aber seine Interpretation ist aufregend, er fesselt Augen und Ohren der Zuhörer und rüttelt mit seinem unkonventionellen Umgang die stark normierte Klassikszene auf. Er befreit das Stück von seiner schwer romantischen Schwülstigkeit. Aber er nimmt ihm auch das Schwelgerisch-Fliegende, seine berührende Weite. Man spürt deutlich die Nähe zu solchen Musikern wie Patricia Kopatschinskaja, deren Interpretationen ebenfalls von Folklore beeinflusst sind und mit der er auch im Quartett spielt.

Je länger das Sibelius-Konzert dauerte, umso besessener und begrenzter wirkte Kuusisto allerdings in seinem Zugriff. Schliesslich gelangen ihm im dritten Teil auch einige technische Schwierigkeiten nicht mehr einwandfrei. Erst bei der Zugabe, natürlich einem finnischen Volkslied und seiner humorvollen Ansprache ans Publikum, brillierte er wieder ganz in seinem Element.

Das Orchester konnte sich erst im zweiten Konzertteil mit Sergei Prokofjews Suite «Romeo und Julia» (1935) so richtig entfalten. Erik Nielsens strenger Dirigierstil, der stets auf Präzision achtet und die Entwicklung des Stücks mit beinahe militärischem Drill vorwärtstrieb, führte das Orchester zu einer glänzenden Form. Die scharf artikulierte Ballettmusik wirkte kraftvoll, wenn auch zuweilen etwas mechanisch.