Ein-Blick
Freespeed Basel: Der Amateursport mit Profi-Charakter

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Die Redaktoren beleuchten lustige Vereine, angefressene Sammler oder abgedrehte Nerds. Natürlich kann sich melden, wer sich angesprochen fühlt.

Alice Guldimann
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Robin Brüderlin spielt seit 14 Jahren beim Verein Freespeed.

Robin Brüderlin spielt seit 14 Jahren beim Verein Freespeed.

Roland Schmid

Robin Brüderlin wirkt gelassen. Niemand würde ihm anmerken, dass er gleich nach Hause geht, um für die Weltmeisterschaft zu packen. Am Morgen nach dem Interview mit der bz fliegt er nach Cincinnati in den USA, wo er mit seinem Ultimate-Team gegen die besten Mannschaften der Welt antritt.

Ultimate wird mit Frisbees gespielt. Sieben Feldspieler versuchen dabei, die Scheibe in die Endzone des gegnerischen Teams zu bringen. Es gibt keine Schiedsrichter, keine Preisgelder, keine hohen Transfersummen.
Vom Tennisball zum Frisbee

Nervös ist Brüderlin nicht, höchstens etwas angespannt. Der 30-Jährige sitzt auf der Tribüne des Landhof-Stadions, wo früher der FC Basel trainiert hat. Heute ist es unter anderem die Heimat des Vereins Freespeed. Brüderlin ist Teil der Ersten Mannschaft. «Vor eineinhalb Wochen haben wir die Schweizermeisterschaft gewonnen, nun können wir hoffentlich an der WM noch einen draufsetzen.»

Der Basler spielt schon fast sein halbes Leben lang Ultimate. Mit 16 Jahren kam er zum Nischensport, nur wenig später wusste er, dass er dabeibleiben würde. «Vorher spielte ich noch Tennis, das gab ich dann aber auf.» Als Brüderlin dazukam, begann der Verein gerade, sich vom lockeren «Hippie-Verein» zum seriösen Amateur-Club zu wandeln. «Es hat sich seither einiges an Wissen über Training und Ernährung angesammelt», erzählt Brüderlin. Viele Spieler sind wie er Sportlehrer oder studieren Sport.

Heute trainiert die Erste Mannschaft dreimal wöchentlich, am Wochenende kommen oft Matches oder Turniere dazu. Es gibt neben der Schweizermeisterschaft und der Club-WM auch noch eine europäische Champions League und eine WM mit Nationalmannschaften. An solche Grossanlässe reist die Erste Mannschaft mit einem 27-köpfigen Kader, von dem jeder zum Einsatz kommt. «Die Spielzeiten pro Spieler sind zwar kurz, dafür aber sehr intensiv», erklärt Brüderlin. Die vielen Reisen finanzieren sich die Spieler grösstenteils selbst. Hat jemand einen finanziellen Engpass, hilft das Team gerne aus. «Bei denen, die schon voll verdienen, ist dagegen eher die Zeit ein Problem», so Brüderlin.

Trotz Professionalität: Der Vereins-Charakter bleibt bei Freespeed erhalten. «Bei uns ist es wie in den guten alten Zeiten des Sports», erzählt Brüderlin. «Wir sind alle befreundet und viele treffen sich auch abseits des Spielfelds.» Er selbst ist gar mit drei Frisbee-Freunden zusammengezogen, gleich neben das Landhofstadion, um keinen langen Trainingsweg mehr zu haben. Wie lange Freespeed dort noch trainieren kann, hängt davon ab, wie sich die Debatte um den Landhof-Park und ein mögliches Parkhaus weiterentwickelt.

Der Verein wächst und ist auf ein passendes Trainingsgelände angewiesen. «Mit den Junioren haben wir heute ungefähr 120 Mitglieder. Als ich angefangen habe, waren es 50», erzählt Brüderlin. Er schätzt, dass der Sport in der ganzen Deutschschweiz und Romandie ein Wachstum erlebt hat. «Dieses ist aber nicht so stark, dass Ultimate plötzlich von der Rand- zur Trendsportart wird», ergänzt er.

In den USA, dem Ursprungsland von Ultimate, treffen sich dieses Wochenende die weltweit besten Ultimate-Teams. Brüderlin kann nur schwer einschätzen, wie sein Team abschneiden wird. «Klar ist, dass es viele Mannschaften gibt, die eine Liga besser spielen als wir». Mit ein bisschen Glück könnten sie es in die Top Ten von 40 Mannschaften schaffen. «Wenn es nicht gut läuft, kommen wir unter die letzten fünf.» Brüderlin lacht. Die Spieler haben gemeinsam ein Haus gemietet, wo sie die Zeit neben dem Turnier verbringen werden. «Am Abend wird es sein wie Ferien mit Freunden», freut er sich.

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