Gewerbeverband

Freie Fahrt für freie Basler Gewerbler

Der Basler Gewerbeverband lädt ein, Hunderte strömen ins Theater – und der Direktor nutzt die Plattform für seine Verkehrskritik.

Wenn am Ende der ersten Januarwoche Hunderte von dunkel gekleideten Herren (und einige etwas bunter gekleideten Damen) am späten Morgen ins Theater Basel strömen, so erfüllt sich ein alljährliches, fast lieb gewonnenes Ritual: Der Gewerbeverband Basel-Stadt lädt zu seinem Neujahrsempfang. Er lädt Gewerbevertreter, Politiker, Medien und Künstler zu politischen Ansprachen, einer gehörigen Prise Kultur (dieses Mal Ausschnitte aus «Le Nozze di Figaro») und einem Buffet, das sich im Vergleich zu den ähnlich gelagerten Veranstaltungen anderer Wirtschaftsverbände der Region sehen lässt.

Gewerbedirektor Gabriel Barell trug gestern seinen Teil dazu bei, dass das Ritualhafte beinahe übererfüllt wurde. Seine Ansprache stand im Zeichen der städtischen Verkehrspolitik. «Schon wieder», meinte man Teile des Publikums raunen zu hören. Tatsächlich hatte er seine Forderung nach einer Gleichberechtigung sämtlicher Verkehrsteilnehmer bereits an manchen Gelegenheiten, auch beim Neujahrsempfang 2019, verlauten lassen. Dieses Mal stimmte das Timing insofern perfekt, als die baselstädtischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 9. Februar über zwei Verkehrsinitiativen des Gewerbeverbands zu befinden haben.

Kritik an Rot-Grün und positive Leistungsschau

Barell liess es sich erneut nicht nehmen, die Verkehrspolitik von Rot-Grün anzuprangern. Diese wirkt sich aus seiner Sicht massiv zuungunsten des motorisierten Individualverkehrs aus, äussert sich in künstlich herbeigeführten Staus und einem gnadenlos vorangetriebenen Abbau von oberirdischen Parkplätzen.

Die Botschaft wurde vernommen und mit höflichem Applaus verdankt. Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer – er absolvierte seinen zehnten Auftritt in dieser Funktion und diesem Rahmen gewohnt souverän – übernimmt jeweils die Rolle des «Good Cop»: Verwaltung, Politik und Gewerbe sieht er nicht in unversöhnlichem Gegensatz stehen, die Leistung seines Gewerbeverbands beschreibt er als weit über die Verkehrspolitik hinausgehend: Zum Beispiel über das Förderprogramm «Unternehmer Campus» oder auch die Kür des «Lehrlings des Jahres». Der Applaus für Schweizer: warm und lang anhaltend.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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