Freie Strasse
Schmuckhändler Gübelin verlässt Basel – Eigentümer des altehrwürdigen Gebäudes wollen keinen «Schnellschuss» bei der Mieterfindung

Die «Zum Steblin Immobilien AG» bedauert den Wegzug nach fast 50 Jahren, wie sie der bz sagt. Man wünsche sich wieder einen langjährigen Mieter für die Ladenlokalität, sei kurzfristig aber offen für eine Zwischennutzung. Das hat nicht nur mit der aktuellen Baustellensituation zu tun, sondern auch mit klaren Vorstellungen.

Rahel Empl
Drucken
Teilen
Die Ladenlokalität im Erdgeschoss und ersten Stock es uralten Hauses zum Steblin an der Freien Strasse 27 wird per Ende Jahr frei.

Die Ladenlokalität im Erdgeschoss und ersten Stock es uralten Hauses zum Steblin an der Freien Strasse 27 wird per Ende Jahr frei.

Kenneth Nars

Wenn dieses Haus erzählten könnte, was es schon alles gesehen und erlebt hat! Diese Geschichten würden bestimmt für beste - und abendfüllende - Unterhaltung sorgen: Das Haus zum Steblin, an der Einmündung des Schlüsselbergs in die Freie Strasse gelegen, gehört zu den ältesten Bauwerken Basels und gilt gar als das älteste in der Basler Einkaufsmeile, auch als das einzige noch erhaltene spätbarocke Bauwerk vor Ort. Erste schriftliche Zeugnisse seiner Existenz reichen ins Jahr 1308 zurück. Immer im Besitz von angesehenen Bürgerfamilien, boten die Räume an der Hausnummer 27 in ihrer jüngsten Geschichte etwa Platz für die Redaktion der Gratiszeitung Baslerstab - 80 Jahre lang, inklusive Kundenschalter am Schlüsselberg 4 - ehe es zum Auszug im Jahr 2011 und damit zum Abschluss eines langen Kapitels in der Geschichte des «zum Steblin» kam.

Und nun folgt ein weiterer Abgang: Gübelin verlässt Ende Jahr die Lokalität mit den schönen Arkaden nach fast 50 Jahren, wie die Handelszeitung berichtete. Als einer der Gründe für den Entscheid wird das Ende der Baselworld angegeben, die dem traditionsreichen Uhren- und Schmuckhändler jeweils gute Umsätze bescherte.

Bloss kein Schuhgeschäft!

Doris Dietschy, die die «Zum Steblin Immobilien AG» präsidiert, bedauert den Wegzug des langjährigen Partners Gübelin sehr, wie sie auf Anfrage der bz sagt. Überrascht sei man über diesen Entscheid indes nicht: «Wir haben darauf gehofft, dass Gübelin bleibt. Neben dem Wegfall der Baselworld sah sich unser Mieter aber mit einer immer grösseren Anzahl Problemen konfrontiert, unter anderem mit dem Umbau der Freien Strasse, der wegen unvorhergesehenen Grabungen der Bodenforschung länger und intensiver ausfällt als gedacht.»

Das Haus zum Steblin im Jahr 1930 nach dem Einzug des «Baslerstabs».

Das Haus zum Steblin im Jahr 1930 nach dem Einzug des «Baslerstabs».

Staatsarchiv Basel-Stadt

Ein neuer Mieter muss also her für die Lokalität, die erst vor zehn Jahren umfangreich saniert und vom Schmuckhändler wieder eröffnet wurde. Eine Hauruckübung respektive ein Schnellschuss solle diese Suche aber keinesfalls werden, betont Dietschy im Namen des Verwaltungsrats der «Zum Steblin Immobilien AG»:

«Wir Hauseigentümer sind darauf bedacht, wieder einen langjährigen Partner zu finden und nehmen uns bei der Suche entsprechend Zeit - auch in Anbetracht der aktuellen Baustellensituation an der Freien Strasse.»

Ziel sei, bis zum Ende der Bauarbeiten in circa zwei Jahren einen neuen Mietvertrag unterzeichnet zu haben. Und dies nicht mit irgendwem. «Die Eigentümer wünschen einen würdigen Nachfolger für Gübelin. Ein modisches Geschäft wie etwa ein Schuhladen kommt da wohl nicht infrage. Nichts, das die edle Ausstattung des Ladens abwerten könnte, das wäre ein Jammer. Wir sind auch sehr offen für lokale Anbieter.»

Bis die Eigentümer einen neuen Partner für das Geschäft im Haus zum Steblin gefunden haben, muss es nicht unbedingt leer stehen, wie Dietschy weiter ausführt. Unter Umständen seien sie offen für eine Zwischennutzung, allenfalls auch nur für die Belegung der Schaufenster, und strecke nun langsam die Fühler aus.

Beim Verein Pro Innerstadt Basel hört man das gerne. Geschäftsführer Mathias F. Böhm sagt auf Anfrage: «Ich gehe davon aus, dass für diese attraktive Lokalität rasch eine Nachfolge gefunden werden kann. Solche Immobilien finden sich selten. Allerdings gestaltet sich der Pool an möglichen Kandidaten kleiner als bei anderen Geschäftsräumen. Zudem handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, das grössere Umbauten fast unmöglich macht.»

Die Räumlichkeiten an der Freien Strasse 27 seien klar auf einen Anbieter aus dem Hochpreis- oder Luxussegment ausgelegt, deshalb ginge es wohl in die Richtung, dass sich wieder eine Art Boutique aus dem Uhren- und Schmuckbereich oder ein Monobrand-Store ansiedeln könnte. Auch ein Dienstleister im Bereich Beauty und Wellness sei möglich, ebenso ein Edeloptiker, vermutet Böhm. «Für eine Retail-Kette mit einem Basisangebot eignet sich die Lokalität ganz bestimmt nicht.»

Die Aussichten für ein neues, glanzvolles Kapitel im altehrwürdigen Haus zum Steblin stehen also gar nicht so schlecht.

Aktuelle Nachrichten