Fehlplanung
Freie Veloparkplätze – am falschen Bahnhof

Das unterirdische Veloparking beim Bahnhof St. Johann steht seit zwei Jahren mehr oder weniger leer. Die Basler Behörden machen dafür die SBB verantwortlich.

Stephan Dietrich
Merken
Drucken
Teilen

bz Basellandschaftliche Zeitung

«Die 300 Plätze werden subito ausgelastet sein, und dann gibt es das gleiche Gequetsche wie am Bahnhof SBB», hatte Stefanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, vor dem Bau des unterirdischen Veloparkings beim Bahnhof St. Johann prophezeit. Nun, von einem Speichensalat ist bisher nichts zu sehen. Im Gegenteil. Abgesehen von einigen einsam herumstehenden Velos steht das Parking bisher mehr oder weniger leer.

Verzögerte Erschliessung

Gratis ist das nicht: Gekostet hat das Parking 1,5 Millionen Franken und die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf 35000 Franken oder 100 Franken pro Tag. Den Grund für die schlechte Auslastung sieht das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) in der schlechten Bedienung und im fehlenden direkten Zugang. Konkret: Es fahren zu wenige Züge und es gibt keinen unterirdischen Zugang. Differenzen mit den SBB hätten für eine Verzögerung bei der Erschliessung geführt, erklärt der beim BVD für Öffentlichkeitsarbeit zuständige André Frauchiger. Bei den SBB stellt man sich hingegen auf den Standpunkt, das Veloparking sei primär Sache des Kantons genauso wie das Bestellen der Züge auf dieser Strecke (siehe Kasten rechts).

Pendler nehmen ihr Velo in den Zug

Die SBB besitzen übrigens ebenfalls zwei gedeckte Veloabstellplätze. Sie befinden links und rechts des Perronaufgangs auf der die Gleise überquerenden Brücke. Beide stehen seit Jahren ebenfalls meist leer oder dienen als «Velofriedhof». Sie hätten den Basler Planern eigentlich als Warnung dienen sollen. Weil der Fahrradtransport in französischen Regionalzügen gratis ist, nehmen die wenigen Velopendler ihr Zweirad einfach im Zug mit.

Versprayte Edeltreppe

Ebenfalls kaum genutzt wird die gestylte 350000 Franken teure Wendeltreppe, welche von der Brücke auf den Vogesenplatz führt. In einer Quartierzeitung hat sie deshalb den Namen «Geisterbrücke» erhalten. André Frauchiger begründet den Bau des geschwungenen Abgangs mit dem Ersatz einer früheren Treppe. Allerdings stehen neben dem Perronaufgang, nur wenige Meter entfernt, ein Lift und eine schlichte Betontreppe. Im Gegensatz zur Wendeltreppe werden sie ab und zu genutzt.

Wenigstens die Sprayer haben Freude an der schwarzen Edeltreppe. Sie die dient ihnen als Untergrund für Parolen, mit denen sie gegen die aus ihrer Sicht falschen Quartierentwicklung protestieren.