Die Zahl der Obdachlosen in Basel nimmt stetig zu. 2010 waren an der Adresse des Vereins für Gassenarbeit «Schwarzer Peter» 100 Menschen gemeldet, dieses Jahr mehr als 400. Sie lassen sich ihre Post an die Elsässerstrasse 22 schicken, weil sie keinen festen Wohnsitz haben. Die meisten von ihnen schlafen aber nicht auf der Strasse, sondern kommen bei Bekannten oder Verwandten unter, wie Michael Steiner, Gassenarbeiter beim «Schwarzen Peter», gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagte. Etwa 20 Prozent würden draussen oder in der Notschlafstelle übernachten.

Ein Grund für die steigenden Zahlen ist die Wohnungsnot in Basel. Es gibt praktisch keine freien Wohnungen, und diejenigen, die frei sind, können sich Menschen mit kleinem Budget oft nicht leisten. Einer Einzelperson, die von der Sozialhilfe lebt, stehen pro Monat maximal 700 Franken für die Miete zur Verfügung. Mit diesem Geld eine Wohnung zu finden, ist in Basel praktisch unmöglich.

Das spürt auch die IG Wohnen. Sie unterstützt unter anderem im Auftrag der Sozialhilfe des Kantons Basel-Stadt Menschen bei der Wohnungssuche. Im Jahr 2015 verzeichnete sie 295 Anmeldungen von Wohnungssuchenden. 112 von ihnen konnte eine Wohnung vermittelt werden. 97 haben selber eine Wohnung gefunden oder sich nicht mehr bei der IG Wohnen gemeldet. 115 Anmeldungen waren am 31. Dezember 2015 noch pendent, dazu kommen vier Anmeldungen aus dem Jahr 2014.

Einzimmer-Wohnungen fehlen

Dieses Jahr sieht es besser aus: «Wir konnten etwa 150 Wohnungen vermitteln», sagt Anne Plattner von der Geschäftsstelle IG Wohnen. Allerdings mit massiv mehr Aufwand: «Im Vergleich zu vor acht Jahren benötigt die IG Wohnen heute doppelt so viel Zeit, um eine Wohnung zu vermitteln», sagt Plattner. Dass dieses Jahr 150 Wohnungen vermittelt werden konnten, sei erfreulich. Allerdings gab es auch mehr Anmeldungen im Vergleich zum letzten Jahr. Insbesondere die Anmeldungen über die Sozialhilfe der Stadt hätten zugenommen. Im Moment mangle es vor allem an zahlbaren Einzimmer-Wohnungen.

Mehr Leute sind verschuldet

Die grösste Hürde bei der Wohnungsvermittlung ist der Betreibungsregisterauszug. «Die Verschuldungssituation hat sich verschlimmert», sagt Plattner. Aber die IG Wohnen unterstützt heute auch mehr dunkelhäutige Menschen bei der Wohnungssuche: «Sie haben es auf dem Wohnungsmarkt schwieriger», sagt Plattner. Obwohl sie normal arbeiten und seit Jahren in der Schweiz sind, gebe es Verwaltungen, die keine dunkelhäutigen Mieter möchten. «Diese Entwicklung erschwert die Vermittlungsarbeit», sagt Plattner.