Grossrat Claudio Miozzari (SP) hat dem Präsidialdepartement die Aufgabe gestellt, das in die Jahre gekommene Museumsgesetz zu überarbeiten. Und er hat in einer Motion auch gleich konkret benannt, welche vier Punkte umzusetzen seien: Es sollen (erstens) die Verantwortlichkeiten geklärt werden; es soll den Museen (zweitens) erlaubt werden, Rückstellungen für grosse Ausstellungen zu tätigen; es sollen (drittens) Gratiseintritte möglich sein und die Museen sollen (viertens) zu Kooperationen angehalten werden.

Regierungspräsidenten Elisabeth Ackermann (Grüne) hat sich strikt an die inhaltliche Vorgabe gehalten. Dies geht aus dem Entwurf für die Gesetzesrevision hervor, den die Regierung gestern in die Vernehmlassung gegeben hat. Nur zeitlich konnte Ackermann nicht mithalten. Zwar enthält die Ende 2017 publizierte Museumsstrategie weitgehend die vom Grossen Rat überwiesenen Anweisungen, doch bis zur beschlussfähigen gesetzlichen Grundlage hat sich die Regierung noch bis Februar kommenden Jahres ausbedungen.

Elisabeth Ackermann

Elisabeth Ackermann

Internationaler Trend

Für das Publikum entscheidend: Mit der Revision fällt für die Museen die im Gesetz verankerte Pflicht, für den Eintritt eine Gebühr zu verlangen. Lediglich bei Sonderausstellungen soll diese als gesetzliche Auflage bestehen bleiben.

Mit Verweis auf den internationalen Tourismus- und Museumstrend hatte der frühere Kulturchef Philipp Bischof den Gratiseintritt bereits vor vier Jahren vorgeschlagen. Was grundsätzlich auf breite Zustimmung gestossen ist, hat im Konkreten aber vor allem Bedenken ausgelöst.

«Toll», sagte etwa Ackermann in einem Interview, um ein dreifaches «aber» nachzuschieben: Zum einen bleibe die Frage der Gegenfinanzierung, die alleine beim Kunstmuseum rund zwei Millionen Franken jährlich ausmache. Zum Zweiten würde das sensible Gleichgewicht mit den privaten Museen, allen voran mit dem Beyeler Museum, ins Wanken gebracht. Zum Dritten hätte ein Gratiseintritt unklare Auswirkungen auf den Museumspass, dem aktuellen Quotenbringer für Museumssammlungen.

Mit der vorgeschlagenen Revision schiebt Ackermann die Verantwortung den Museen zu. Als Stärkung ihrer «Eigenverantwortlichkeit und finanziellen Selbstständigkeit» erhalten sie die Kompetenz, ihre Tore weit zu öffnen. Dies allerdings unter dem Vorbehalt, dass «allfällige Mindereinnahmen im Rahmen des Globalkredits getragen werden können».

Flickenteppich bleibt

Jedes der fünf staatlichen Museen hat auf der neuen Grundlage eine eigene Preis-Strategie zu entwickeln. Damit bleibt wohl der Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen liegen, der heute schon verwirrt. So sind die Museen nicht nur am jeweils ersten Sonntag im Monat gratis zu besuchen, sondern in der Regel auch während der letzten Stunde vor der Museumsschliessung.

Immerhin soll mit der Revision gesetzeskonform werden, was bisher Praxis ist, wie eine Recherche zeigte: Nur ein Viertel der Museumsbesucher zahlt heute den ordentlichen Tarif, mehr als ein Drittel spaziert gratis durch die Museen.