Das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat ist einer der Stars der US-Animationsfilmreihe Ice Age und ein absoluter Kinderliebling. Die Basler Freikirche International Christian Fellowship (ICF) will sich das putzige Tierchen mit den grossen Glubschaugen offenbar zu Nutzen machen und wirbt damit auf Facebook für das Kinder-Schneesportlager 2016.

«Dieses Camp wird dein Leben verändern und dich noch ein Stück näher zu Jesus bringen», beschreibt ICF den Anlass, der vom 6. bis 12. Februar in Zuoz stattfinden wird. «Mit einem kunterbunt gemixten Freizeitprogramm und Abendsessions in Gottes Gegenwart gehen wir in ein absolut lebensveränderndes Snowcamp», heisst es in der Werbung weiter.

ICF-Prediger Manuel Schmid sagt, dass mit dem Snowcamp keine missionarischen Absichten verfolgt werden. «Seit jeher sind uns die Rechte von Minderjährigen und deren Schutz sehr wichtig.

Wir bemühen uns um maximale Transparenz, sensibilisieren und schulen unsere Mitarbeiter regelmässig und sind seit 2012 auch Mitglied im Präventionsverein ‹mira›», sagt Schmid.

Das Bild stamme von einer Homepage mit kostenlosen Bildschirm-Hintergrundbildern, auf der keine rechtlichen Hinweise oder Copyrights angegeben seien.

Was nicht stimmt, denn auf besagter Website heisst es deutlich, dass die Bilder «nur für private, nicht kommerzielle Zwecke genutzt werden dürfen». Das Weiterverbreiten der Bilder wird deutlich als «strengstens verboten» bezeichnet.

Dass das Bild aus einem Kinderfilm stamme, sei ebenfalls unproblematisch, sagt Schmid. Dennoch habe man das Bild mittlerweile «zensuriert».
Tatsächlich erscheint die Snowcamp-Werbung seit 25. Dezember mit einem unkenntlich gemachten Scrat-Bild auf Facebook, mit dem Vermerk, dass das Bild «aus lizenzrechtlichen Gründen zensuriert worden sei.»

Doch auch das Original-Bild ist weiterhin auf der Facebook-Seite der Freikirche zu finden, ebenso erscheint das ebenfalls geschützte Ice-Age-Logo in einem Snowcamp-Werbefilm auf Youtube.

ICF muss mit Busse rechnen

Die illegale Verwendung des Comic-Helden dürfte für ICF ein rechtliches Nachspiel haben, wie Twentieth Century Fox Film Corporation Schweiz auf Anfrage mitteilt.

«Der Fall wird derzeit untersucht, aber ich kann bereits jetzt mit grosser Sicherheit sagen, dass die Verwendung illegal ist, weil wir unsere Kinder-Charaktere für religiöse Zwecke grundsätzlich nicht zur Verfügung stellen», sagt Managing Director Leo Baumgartner.

Twentieth Century Fox sei zur Verteidigung der Filmrechte verpflichtet, auch um jene Partner zu schützen, die für die Lizenzierung der Filme und Filmcharaktere viel Geld ausgeben.

Die Freikirche werde mit einer Busse rechnen müssen, über deren Höhe man noch nichts sagen könne. «Bei einer anderen Copyright-Verletzung mit Harry Potter haben wir aber auch schon eine Rechnung über mehr als 10 000 Franken gestellt», so Baumgartner.

Für die Fachstelle für Sektenfragen infoSekta verfolgt ICF mit ihren Angeboten einen deutlich missionarischen Ansatz. «ICF vertritt eine klassisch evangelikale Theologie, bei der der Mensch ohne Erlösung durch Gott als verloren gilt. Entsprechend wichtig ist es, die Frohe Botschaft weiterzugeben, das heisst zu missionieren», sagt Regina Spiess.

InfoSekta erreichten immer wieder Anfragen von Eltern, die selbst nicht in evangelikalem Sinn gläubig sind und deren Kinder nach einem evangelikalen Lager grosse Konflikte erleben. «Die Kinder befürchten, ihre Eltern seien ‹verloren›, wenn sie nicht auch diese Art von Glauben annehmen.»

Oft folgten aus evangelikalem Glauben auch Konflikte im Bereich der Sexualität, weil Sex vor der Ehe oder Homosexualität als sündig gelten. «Manche Jugendliche sind auch verunsichert, wenn Versprechungen wie jene in der Lagerausschreibung nicht zu einer grundlegenden Veränderungen ihres Lebens führen und sie weiterhin an Alltagsproblemen scheitern», so Spiess.