An den Ostertagen haben die Wagenleute ein Areal im Basler Rheinhafen besetzt: Sie sind mit ihren Zirkuswagen aufgefahren und haben mit den Wagen wie im Wilden Westen einen Halbkreis gebildet. Natürlich handelt es sich dabei um eine illegale Besetzung - allerdings ist die Besetzung nicht konfliktträchtig: Die Basler Rheinhäfen sind mit den Wagenleuten im Gespräch und möchten die Situation rasch ordnen.

Man kann diese Besetzung, wie andere illegale Handlungen auch, verurteilen und damit abhaken. Man kann sich aber auch fragen, warum es in der Stadt immer wieder zu Inanspruchnahme von Brachen kommt. Die Wagenleute wollen ihren Wohnraum selber gestalten, ihn kollektiv nutzen und nicht kommerzieller Kultur zur Verfügung stellen. Kurz: Sie suchen Freiraum in der Stadt.

Ein Freiraum ist ein Raum, in dem Freiheit möglich ist. Die Freiheit kann in einer Gemeinschaft jedoch immer nur so weit gehen, wie die Freiheit eines anderen nicht tangiert wird. In einer Stadt, wo die Menschen auf relativ kleinem Raum miteinander leben, kann die Freiheit nie sehr gross sein, weil das Ausleben der Freiheit sehr rasch einen anderen Menschen tangiert. In der Stadt ist deshalb die Regeldichte relativ hoch. Freiraum in der Stadt ist ein Widerspruch in sich selbst.

In einem Punkt jedoch muss man den Besetzern recht geben: In der Stadt gibt es zu wenig Raum für nicht kommerzielle Kultur. Zum Beispiel gibt es kaum Räume für Konzerte mit 50 bis 150 Besuchern und null bis zehn Franken Eintritt. Meist ist das Bespielen von Räumlichkeiten teuer, was zu höheren Eintrittspreisen und einem Kommerzialisierungsdruck führt. Kultur, vor allem Jugendkultur, benötigt nichtkommerziellen Raum - Freiraum, wenn man so will.

Die Besetzung des Areals im Hafen durch die Wagenleute macht also auf einen Mangel aufmerksam. Allerdings auf eine Art und Weise, welche eine sinnvolle Diskussion über diesen Mangel erschwert. Trotzdem sollte die Stadt darüber nachdenken, wo und wie sie gezielt Freiräume (oder wenigstens kommerzfreie Räume) schaffen kann. Die Chancen dafür sind vorhanden. Es stehen eine ganze Reihe von Arealen zur Umnutzung an, der Hafen ist nur eines davon.