s Mätzli

Fremd im Pfeiferharst

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Ruedi (richtiger Name ist dem Kolumnisten bekannt) ist gnadenlos. Ruedi ist Pfeiferchef der Clique, die ich vor gefühlten hundert Jahren einst mitgegründet hatte, bevor mich ein Anfall von Midlife-Ehrgeiz in die schlegelfechtenden Arme einer Tambourengruppe getrieben hatte.

Am Fasnachts-Dienstag kehre ich jeweils zurück in die Gefilde der Märsche mit Pfeifermelodien. Damit gehe ich den umgekehrten Weg vieler Stammcliquen-Tambouren, die sich an diesem freiesten der drei Tage auf die Pfyffer pfeifen.

Nun also freue ich mich darauf, mich von den schönen alten Melodien der Alten Schweizermärsche, des Ryslaifer oder Saggodo vor mich hintreiben zu lassen – Trommeltexte, die man nie verlernt, auch wenn man das Jahr hindurch nur Trommelmärsche übt. Aber eben: Ruedi ist gnadenlos. So wie es auch das angewachsene Repertoire meiner alten Clique geworden ist. Da sagt er nun also Märsche an wie Monty, Hot Shot oder Gugger, die ich nur vom Namen her kenne. Mit der Folge, dass ich meine Schlegel manchmal halbe Umgänge lang ruhen lassen muss. Aber umso mehr freue ich mich dann, wenn ich zum Beispiel beim Ohremyggeli wieder einsteigen kann.

Fasnachts-Dienstag ist auch Tag der Guggen. Und hier sei einmal mehr auf eine Unsitte hingewiesen, von der sich die Pauker und Trompeter einfach nicht abhalten lassen wollen. Gemeint ist die Tatsache, dass die Guggen bei ihren Platzkonzerten spätestens beim zweiten Vortrag ihre Larven ablegen. Es gehe halt an die Substanz, mit der Larve die volle Blaskraft entwickeln zu können. (Puh! Was soll ich da als Tambour entgegnen?)

Hätte ich eine böse Zunge, würde ich jetzt sagen beziehungsweise schreiben, dass die Entlarvung ja auch ihre Vorteile hat, verunstalten sich doch immer mehr Guggen mit überdimensionierten und grauslich hässlichen Fratzen. Der neuste Schrei sind grell blau oder grün leuchtende Augen. So kann man doch eigentlich froh sein, wenn man zumindest bei Platzkonzerten nicht in diese Augen blicken muss.

Aber bleiben wir tolerant. Sollen die Guggenmusiker ihr wahres Gesicht zeigen, sollen die Pfeifer ihre neuen Märsche spielen, konzentrieren wir uns auf unser gemeinsames Ziel, nämlich unter anderem den Winter zu vertreiben. Und das gelang an diesem Dienstag doch schon ganz gut.

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