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Fremde Fötzel, andere Wurzeln

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Die Jungen der Opti-Mischte haben freundschaftliche Bande in Prag geknüpft.

Die Jungen der Opti-Mischte haben freundschaftliche Bande in Prag geknüpft.

GEORGIOS KEFALAS

Haben Sie an unseren Cortèges schon einmal etwas anderes gesehen als Baslerinnen und Basler? Natürlich sieht man nicht, wer hinter den Larven und Kostümen steckt. Doch mehr als zur Hälfte sind das Baselbieter oder noch exotischere Eidgenossen, wenn nicht gar badische oder elsässische Nachbarn.

Aber heute gab es einen besonderen Ausnahmezustand. Jedenfalls bei den Glaine Opti-Mischte. Hinter der guten Tarnung prächtiger Charivari-Kostüme genossen 30 Prager Mädchen und Buben unseren Fasnachts-Montag. Wie kommt das? Im östlichen und südöstlichen Europa kennt man unzählige traditionelle und eigenartige Fasnachtsbräuche.

So auch in der tschechischen Hauptstadt. Allerdings werden hier zwei Fasnachten gefeiert. Neben dem üblichen, unbeschwerten Karneval zur «fünften Jahreszeit» im Januar/Februar ist in den letzten Jahren eine Fasnacht im November entstanden. Am 17. November, dem Gedenktag der «samtenen Revolution» von 1989 wird eine höchst satirische, politische Fasnacht zelebriert. Promotorin ist Olga Věra Cieslarová, die sich mit ihrer Doktorarbeit über die Basler Fasnacht an der Akademie der Darstellenden Künste in Prag hat inspirieren lassen.

Und so haben sich auch die gegenseitigen Kontakte mit den Opti-Mischte und den Basler Bebbi ergeben. Die Junge Garde der Opti-Mischte knüpfte vor vier Monaten freundschaftliche Bande in Prag; und so hat sich der Gegenbesuch an unseren «drey scheenschte Dääg» ergeben.

Jetzt können gerne die «Ur-Fasnächtler» daherkommen und fremde Einflüsse in unser einmaliges Brauchtum beklagen. Womit sie natürlich grundsätzlich recht haben. Würden an unserer Fasnacht andere Brauchtümer am Cortège mitmarschieren, so würde dies einfach nicht passen zur Art, wie wir Fasnacht machen. Genau so wenig wie eine Basler Clique mit Trommeln und Piccolos zu den Samba-Schulen in Rio, zu den Masken in Venedig oder in die Bütt zu Mainz.

Wenn jedoch Gäste eingeladen werden, unsere Fasnacht einmal mit uns und nach unserer Façon zu erleben, mit einem Kostüm, einer Larve, und eingebettet in einer Clique, dann ist das ganz einfach eine Geste, die das Verständnis an unserer Fasnacht wecken und verständlich machen kann.

Insider wissen übrigens, dass solche Infiltrationen «fremder Fötzel» schon reihenweise stattgefunden haben, mit Gästen von Deutschland bis Kolumbien. Partnerschaften dieser Art kann man nur begrüssen und unterstützen, denn es sind, wie man heute sagt, «Win-Win»-Erlebnisse.

Uns Bebbi wird mit Besuchen und Teilnahmen an anderen Fastnachten, Carnivals, Faschings oder wie immer sie heissen, bewusst, dass es auch andere grossartige Brauchtümer dieser Kategorie gibt. Und unseren Gäste wird die lebendige Tradition und der Sinn unserer Fasnacht näher gebracht. Oder, wie im Fall von Prag, kann sogar ein nachhaltiger Anstoss gegeben werden zu neuen Impulsen, zu einem Brauchtum, das weit über das Schenkelklopfen hinausgeht – zu Persiflage, Satire, politischer und sozialer Kritik, was ja nach unserem Verständnis die wichtigste Aufgabe der Fasnacht ist.

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