Viele städtische Kulturinstitutionen atmeten am Donnerstag auf. «Heute ist ein guter Tag für die Kultur in der Region Basel», liess ein Komitee verlauten. Tatsächlich fallen die ersten Reaktionen auf den neuen Kulturvertrag durchs Band positiv aus: Wurde noch vor Monaten befürchtet, der Kanton Baselland würde die Stadt fallen lassen und seine bisherigen Beiträge halbieren, so gabs am Donnerstag Entwarnung: Nicht fünf, nein, weiterhin an die zehn Millionen Franken wird Baselland ab 2022 an die kulturellen Zentrumsleistungen abgelten.

Die zuständigen Regierungsrätinnen Monica Gschwind und Elisabeth Ackermann haben sich auf einen neuen Kulturvertrag geeinigt, dessen Mittel fixiert und zweckgebunden sind. Weder die Theater noch die Orchester müssen mit Abstrichen rechnen. Die Beiträge aus Liestal sind in Zukunft fast deckungsgleich mit dem Status quo.

War die Kulturvertragspauschale bis anhin vom Baselbieter Steuerprozent abhängig und dadurch Schwankungen unterworfen, so legt man sich nun aber fest: 9,59 Millionen Franken überweist Baselland künftig jährlich an den Kanton Basel-Stadt. Dieser verteilt das Geld an 14 Institutionen, vom Marionettentheater bis zum Theater Basel, vom Gare du Nord bis zum Bird’s Eye Jazz Club.

Stärkung der Kultur

Die Entflechtung sorgt für eine transparentere Verteilung. Und die Klärung der Zuständigkeiten hat auch aufseiten der Landschaft eine neue Verantwortung zur Folge: Das Haus der elektronischen Künste (HeK), das auf dem Dreispitz, auf Münchensteiner Boden liegt, wird neu direkt aus dem Baselbieter Budget unterstützt. Und das mit einem namhaften Betrag: Das HeK erhält künftig 320'000 Franken vom Kanton Baselland, das sind beinahe 100'000 Franken mehr als bisher.

Für Direktorin Sabine Himmelsbach war der gestrige Tag daher ganz besonders erfreulich. «Der in Aussicht gestellte Betrag kompensiert den Wegfall der Bundessubvention vollumfänglich», sagt Himmelsbach. Bei aller Freude aber weiss sie, dass der Vertrag noch nicht alle Hürden genommen hat: Die Vorlage muss zuerst noch angenommen werden.
Offen ist derzeit auch die Vertragsdauer. Die Regierungen sind sich einig, dass die Kündigungsfrist von einem Jahr zu knapp bemessen ist, dass dies die Idee der Planungssicherheit torpedieren könnte. Es ist anzunehmen, dass sich die Kantone auf vier Jahre festlegen möchten.

Ein klares Signal schickt der Kanton Baselland aber nicht nur in die Stadt, sondern auch in seine Bezirke: Denn en passant erwähnte Monica Gschwind, dass die Produktionsförderung im eigenen Kanton gestärkt und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Kulturbereich deutlich verbessert werden soll.

Damit nicht genug: Auch der Beitrag an die bikantonalen Fachausschüsse, also die Gelder für die professionell agierende freie Szene – wird seitens Baselland um 400'000 Franken erhöht. «Das lässt Hoffnung aufkeimen», sagt Irene Maag vom Verband Kultur Baselland. «So zum Beispiel für den seit dem Jahr 2016 arg gebeutelten Bereich Bildende Kunst, der nun unbedingt analog der Fachausschuss-Bereiche wieder aufgestockt werden soll.»