Gastronomie
Friedensschluss in der Rheingasse: Die Ausgangsmeile darf definitiv länger brummen

Die Anwohner geben grünes Licht. Die Boulevardöffnungszeiten werden um eine Stunde ausgeweitet. Neu von Sonntag bis und mit Donnerstag bis 23 Uhr, am Wochenende bis Mitternacht.

Rahel Koerfgen
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Freie Fahrt für längere Boulevardöffnungszeiten: Anwohner und Beizer der Rheingasse haben sich geeinigt.

Freie Fahrt für längere Boulevardöffnungszeiten: Anwohner und Beizer der Rheingasse haben sich geeinigt.

Hin und wieder knallen sie, die Korken. Nicht weiter überraschend in einer Strasse, in der sich die Menschen in und vor Bars, Vinotheken und Clubs gerne zuprosten. Vergangene Woche dürften es in der Rheingasse allerdings ein paar Korken mehr gewesen sein: Am Dienstagabend einigten sich Vertreter von Gastronomen, Hoteliers, Anwohner und Hauseigentümer der Rheingasse unter Ausschluss der Öffentlichkeit darauf, die Boulevardöffnungszeiten um eine Stunde auszuweiten. Neu von Sonntag bis und mit Donnerstag bis 23 Uhr, am Wochenende bis Mitternacht.

Am sogenannten Dialogforum der Vertretergruppe um Germaine Eze und Urs Zschokke (Anwohner) sowie Franz-Xaver Leonhardt (Krafft) und Robert Schröder (8bar, Schmaler Wurf) wurde eine entsprechende zivilgesellschaftliche Vereinbarung ausgearbeitet, wie Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel der bz bestätigt. Und Zschokke sagt, gemäss dieser Vereinbarung würden die Anwohner tolerieren, dass sich die Gastronomie nicht an die gesetzlich gültigen Öffnungszeiten hält – nämlich Sonntag bis Donnerstag bis 22 Uhr, an den Wochenenden bis 23 Uhr.

Harte Auflagen

Dieser Vereinbarung ging ein Versuch voraus. Ein sehr informeller, wie immer wieder betont wurde. Den ganzen Sommer hindurch, vom 1. Juli bis 30. September, durften die Beizer eine Stunde länger draussen wirten.

Es handelte sich allerdings um einen Testlauf mit harten Auflagen: Die Gastronomen mussten sich etwa verpflichten, 30 Minuten vor Schlusszeit die letzte Runde zu servieren und dafür sorgen, dass Servicepersonal und Securityleute die lauten Gäste zu ruhigem Verhalten auffordern. Das hat allem Anschein nach gut funktioniert, «es wurde von allen Seiten positiv beurteilt», sagt Eze auf Anfrage. Mehr aber auch nicht. Die Frage, was zum Einlenken der Anwohner geführt hat, lässt sie unbeantwortet.

Wutausbrüche und Blockaden

So friedlich war es in der Rheingasse schon lange nicht mehr. Vielmehr lagen sich Beizer und Anwohner in den Haaren. Noch zu Beginn des Jahres liess sich Flosskapitän und Kulturzampano Tino Krattiger gar zur öffentlichen Kapitulation hinreissen: «Die Begegnungszone Rheingasse ist gescheitert», verkündete er in diversen Medien.

Dass die Nerven bei Beizern und Kulturschaffenden blank lagen, erstaunte allerdings niemanden. Das Korsett für die Beizer war eng. Gewirtet durfte unter der Woche nur bis 22 Uhr draussen, am Wochenende bis 23 Uhr. Versuche etwa von Karim Frick (Fischerstube), ab Sommer 2016 auch den hinteren Teil der Rheingasse auf der Strasse zu bespielen mit einer mobilen Bar von Kulturunternehmer Miguel Engewald, scheiterten an Einsprachen. Politiker wie Kerstin Wenk (SP) forderten eine Ausweitung um zwei Stunden, Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) ergriff öffentlich Partei für die Gastronomen und enttäuschte damit die Anwohner. Diese wiederum lehnten daraufhin auch den Kompromissvorschlag um eine Stunde ab. Es solle alles so bleiben, wie es ist, lautete der Tenor im Sommer 2016.
Eine Verlängerung der Boulevardöffnungszeiten in der Rheingasse rückte in weite Ferne.

Was nun zum doch überraschenden Umdenken geführt hat, dürfte bald nachzulesen sein: In wenigen Tagen sollte das Protokoll des Forums auf kleinbasel.org aufgeschaltet werden.