Ultimate

Frisbee-Spieler wollen an der WM in England für Furore sorgen

Deutschland und die Schweiz: Zwei der besten europäischen Teams treffen auch an der Frisbee-WM aufeinander. ZVG

Deutschland und die Schweiz: Zwei der besten europäischen Teams treffen auch an der Frisbee-WM aufeinander. ZVG

Mit drei Teams sind die Schweizer Frisbee-Spieler bei der WM in London am Start. Auch dank viel Basler Power. So sind bei der Männermannschaft 11 der 23 Nationalspieler von der Basler Equipe Freespeed.

Es ist ein skurriles Bild, das die Schweizer Ultimate-Frisbee-Nationalmannschaft der Herren an ihrem letzten Trainingswochenende vor der bevorstehenden WM in London bietet. Im hintersten Zipfel des St.-Jakob-Areals, auf Feld 21, haben sich die 23 Spieler versammelt, um sich auf das Grossereignis vorzubereiten.

Doch die Szenerie während der Mittagspause gleicht eher einem Camping- als einem Sportplatz. Die Nationalspieler machen es sich auf eigens mitgebrachten Campingstühlen und Picknickdecken auf der Wiese in der Sonne gemütlich. Mitgebrachte Regenschirme spenden ein wenig Schatten. Die Stimmung gleicht einer Grillparty am Birsköpfli. Nur einige herumliegende Frisbees und die durchtrainierten Athletenkörper deuten darauf hin, dass hier hart trainiert wird.

Auch für Nationalspieler ein Hobby

Die Basler Equipe Freespeed, die als amtierender Schweizer Meister 11 der 23 Nationalspieler stellt, trainiert unter der Woche dreimal. Dazu kommen in einer Saison etwa 40 nationale und internationale Spiele. Da bleibt neben dem Arbeitsalltag kaum Zeit für andere Dinge, denn verdienen kann man mit Ultimate in der Schweiz auch als Nationalspieler nichts. Der Sport bleibt ein aufwendiges Hobby.

Statt zu kassieren, bezahlt man pro Nase für Material und Reisen jedes Jahr noch einige tausend Franken aus eigener Kasse. Da fallen die Mitgliederbeiträge in den Vereinen kaum noch ins Gewicht. Umso froher ist der Schweizer Verband, dass es der Nationalmannschaft im Vorfeld der WM erstmals gelungen ist, einen namhaften Sponsor an Land zu ziehen, der unter anderem die Materialkosten und einen Physiotherapeuten bezahlt. Der Coup basiert allerdings auf reichlich Vitamin B. Die Verbandspräsidentin Isabelle Güttinger arbeitet hauptberuflich für den Sponsor.

Vetternwirtschaft ist Trumpf, auch die steigenden Mitgliederzahlen beim Basler Ultimate-Club Freespeed gründen nicht nur auf aktiver Werbung, sondern auf Mund zu Mund-Propaganda. Ultimate-Spieler bringen Kollegen mit ins Training und weil sich viele vom speziellen Geist anstecken lassen, wächst die Ultimate-Familie stetig. Bringt man zudem gewisse Voraussetzungen wie Schnelligkeit und Einsatzwille mit, ist mit harter Arbeit auch der Sprung ins Nationalteam in nur wenigen Jahren realisierbar.

Ein ganz spezieller Geist

Es ist der einzigartige «Spirit of the Game», der Ultimate ausmacht, denn anders als bei anderen Sportarten gibt es im Frisbee-Sport keine Schiedsrichter. Die Spieler selbst sind für die Einhaltung der Regeln verantwortlich. «Auch wenn es mal eng wird, niemand will absichtlich die Regeln verletzen. Das macht unseren Sport so speziell», erklärt der Basler Robin Brüderlin, der seit acht Jahren in der Nationalmannschaft spielt.

Fairness ist Trumpf. Sind sich zwei Spieler beispielsweise über eine Behinderung beim Fangen in der Endzone uneins, müssen sie sich auf eine Lösung einigen. Meist wird in solchen Fällen dann die Scheibe zurückgegeben und der letzte Angriff wiederholt. Neutrale Beobachter, die bei kniffligen Entscheiden eingreifen, sind in den USA mittlerweile Standard, in Europa aber nicht vorgesehen.

Dennoch ist auch hier die Professionalisierung der Randsportart Ultimate spürbar. Um bei Swiss Olympic höher eingestuft zu werden, ist der Verband daran, ein Leistungskonzept zu verfassen. Zum ersten Mal schickt die Herren-Nati mit Pedro Schmid einen Coach mit nach London, der nicht selbst im Team spielt. Vorher standen Spielertrainer an der Tagesordnung, die den Aufwand wie die anderen Spieler auch selber zu tragen hatten.

Ziel: Unter die Top 10 kommen 

Die Schweiz ist mit drei Teams am Start. Neben den Herren und einer Mixed-Mannschaft messen sich auch die Damen mit den Besten der Welt. Die Schweizerinnen sind Vize-Europameister, weshalb auch in London mit ihnen zu rechnen ist. Spielertrainerin Angela Ullmann will mit der erfahrenen Truppe, die sich seit vergangenem Jahr kaum verändert hat «das beste Team Europas» werden.

Ihre Konkurrentinnen sind die starken Deutschen und Europameister Finnland. In ihrer Vorrundengruppe treffen die Schweizerinnen auf Kanada, England, Deutschland, Dänemark und Österreich. Die ersten drei der Gruppe haben am Ende gute Chancen auf eine Top-Platzierung.

Wie auch die Männer reisen die Frauen individuell zur WM. Man trifft sich am 17. Juli direkt in London, bevor es einen Tag später losgeht. In nur sieben Tagen haben die Mannschaften bis zu zehn Spiele, denn jeder Platz wird ausgespielt. Viel Arbeit für die Nationalspieler, die bereit sind, in London alles zu geben.

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