Hinter der weissen Tür mit den vier Schlössern, dem goldenen Bolzen, der Klappe und dem Schiebefenster ist ein Fernseher zu hören. Acht weitere gleiche Türen befinden sich auf der linken Seite des Ganges. Sie führen zu sechs Einer- und drei Doppelzellen. Die Besucherinnen und Besucher fröstelt es - nicht nur, weil es kühl ist. Sie befinden sich im sechsten Stock des Untersuchungsgefängnisses Basel-Stadt im Waaghof.

Zum 15-Jahr-Jubiläum dürfen sie einen Blick hinter die Gefängnismauern werfen. Sie werden von Leiter Jörg Degen durch das Labyrinth geführt. Ab und zu lösen sie einen Alarm aus, weil sie nicht eng genug zusammenbleiben.

23 Stunden am Tag eingesperrt

120 der 146 Plätze seien momentan besetzt, berichtet Degen. Bei den Männern habe es nichts mehr frei. Dort sind in manchen Doppelzellen sogar drei Leute 23 Stunden am Tag eingesperrt. Pro Zelle gibt es einen Fernseher und ein Radio. Wer möchte, erhält eine Tageszeitung. Während einer Stunde pro Tag dürfen die Inhaftierten an die frische Luft auf einen der Spazierhöfe.
Das einzig Grüne in Hof Nummer 3 ist die Farbe rund um die Zahl 3. Der Himmel erscheint so grau wie der Boden, weil er nur durch Stacheldraht und ein Stahlnetz hindurch sichtbar ist. Mit drei Kameras wird der Hof überwacht. Zigarettenstummel weisen darauf hin, was hier hauptsächlich getan wird. «Ob sie rauchen wollen oder nicht, ist das Einzige, das die Inhaftierten selber entscheiden können», sagt Degen. Viele tun es, die Zelltrakte riechen danach.

Es sei denn, das Essen wird serviert. Gestern gab es mittags Hackbraten, Griess und Rotkraut. «Es gibt jeweils nur ein Menü», erklärt Degen. In den Gängen der einzelnen Zelltrakte hängen die Menüs der Woche aus, neben der Zellordnung, dem Fernsehprogramm und der Einschreibeliste für den Coiffeur. Solch ein «Blackboard» gibt es auch auf der Gruppenhaftstation. Die hier Inhaftierten können sich während mehrerer Stunden am Tag im Gruppenraum frei bewegen. Die Möblierung ist karg: zwei lange Tische mit Bänken, zwei kleine runde Tische mit Stühlen, zwei Pflanzen, ein Lavabo und ein Wasserkocher. Immerhin sind die Wände etwas farbig.

Es sei nicht mehr alles so grau wie zu den Anfangszeiten, sagt der Gefängnisleiter. Unter anderem dank einem inhaftierten Maler, der im Strafvollzug das Gebäude auffrischte. Degen zeigt auf die Gangdecke im 5. Stock, die gelbe und blaue Kleckse zieren: «Das haben wir dem Kunstkredit zu verdanken.» Er möchte noch viel mehr Farbe. Schliesslich müssten hier auch Menschen arbeiten.

«Es dient mehr zu Abschreckung»

Ganz düster ists im so genannten Bunker. Dort befinden sich die Disziplinar- und Sicherheitszellen. Sie enthalten jeweils einen Liegeplatz und eine Stehtoilette. Zwei Zellen sind besetzt. Derweil stehen die Besucherinnen und Besucher an einem Bett, auf dem Insassen mit Bauch-, Hand- und Fussgurten festgezurrt werden können. «Es dient mehr zur Abschreckung», meint Degen, «gebraucht haben wir es erst dreimal.»

Das Ganze erinnert an Film und Fernsehen. Genau wie die Besucherräume: Stuhl, Tisch, Scheibe. Ein Fenster steht offen - es handelt sich um eine Wandmalerei.