Interview
Frischer Wind dank Fehlmann? Uni-Historiker stützt umstrittenen Chef des Historischen Museums

Historiker Lucas Burkart stärkt dem umstrittenen Direktor des Historischen Museums den Rücken.

Patrick Marcolli
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Lucas Burkart fand die Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum ausgezeichnet. (zvg)

Lucas Burkart fand die Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum ausgezeichnet. (zvg)

Zur Verfügung gestellt

In die Kontroverse zwischen Präsidialdepartement und Historischem Museum schaltet sich ein wichtiger, aber bislang im Hintergrund gebliebener Akteur ein: Das Departement Geschichte der Universität Basel. Der Mediävist Lucas Burkart erklärt, weshalb er die Zusammenarbeit mit dem unter Beschuss geratenen Direktor Marc Fehlmann schätzt.

Sie haben eben ein Projekt mit dem Historischen Museum beendet: Auf einer Website (www.muensterschatz.ch) können Teile des Münsterschatzes in höchster Auflösung bis ins kleinste Detail betrachtet werden. Wie ging die Zusammenarbeit vonstatten?

Sie funktionierte ausgezeichnet, unbürokratisch und zielorientiert.

Warum ist Ihnen diese Aussage im Zusammenhang mit der Museums-Kontroverse wichtig?

Weil ich aus meiner Perspektive auf einen inhaltlichen Umstand aufmerksam machen möchte: Unter Museumsdirektor Marc Fehlmann hat sich die Qualität der Zusammenarbeit in einem für uns sehr positiven Sinn verändert: Sie ist forschungsorientierter geworden. Das Museum versteht sich zunehmend als Ort, an dem Forschungsfragen unseres Departements bearbeitet werden.

Sie stärken so dem Direktor, der im Präsidialdepartement und unter einem Teil der Belegschaft des Museums umstritten ist, also explizit den Rücken.

Es geht mir primär um eine Versachlichung der Debatte. Die Kooperation zwischen Museum und Universität ist im Museumsgesetz verankert. Aktuell erlebe ich sie als interessant und konstruktiv. Zu politischen oder innerbetrieblichen Sachverhalten kann ich keine Stellung beziehen. Ich bin darin nicht involviert.

Das «Dybli-Gate»: Was bisher geschah

Nachdem das Historische Museum Basel (HMB) im September gemeinsam mit dem Präsidialdepartement (PD) eine Betriebsanalyse veröffentlichte, eskalierte der Konflikt. Um die mangelhafte Inventarisierung zu illustrieren, sagte Museumsdirektor Fehlmann, er wisse nicht einmal, wo sich das Baslerdybli im Bestand befinde. Die Äusserung führte zu einem Einspruch der Museumsmitarbeitenden in der «Basler Zeitung», die Fehlmanns «groteske Aussagen» kritisierten. Fehlmann selbst wurde vom PD anschliessend ein Redeverbot auferlegt für alle Belange, die über Ausstellungen oder Anlässe hinausgehen.

Aber wie nehmen Sie das Museum seit Fehlmanns Antritt vor zwei Jahren wahr?

Ich formuliere es zunächst allgemein. Die Aufgabe eines historischen Museums ist es, dem Publikum Geschichte gegenwartsrelevant und in zeitgemässer Form zu präsentieren. Marc Fehlmann hat hier zweifellos frischen Wind in das Haus gebracht. Er greift Themen auf, die durchaus kontrovers sind, beispielsweise mit der Nietzsche-Ausstellung oder mit der geplanten Schau zu «Basel zwischen 1933 und 1945». Solche Themen provozieren möglicherweise, doch zugleich regen sie zu Debatten an und darin sehe ich eine zentrale Aufgabe des Museums.

Das Historische Museum steht im gesellschaftlichen Spannungsfeld zwischen einer traditionellen Sicht auf die Vergangenheit und einer progressiven. Ist das für einen Direktor überhaupt machbar?

Ich denke, dass Marc Fehlmann und sein Team den Spagat schaffen, das Haus wie gerade beschrieben, inhaltlich neu auszurichten und es gleichzeitig auch den Kreisen, die es aus Traditionsbewusstsein stützen, nicht zu entfremden.

Und weshalb ist das denn in seinem eigenen Haus so umstritten?

Das kann ich nicht beurteilen. Es kann immer sein, dass ein solcher «Change Process» zu internen Widerständen führt. Kommunikation spielt dabei stets eine zentrale Rolle.

Wie stehen Sie zu einem Neuanfang, also zu einem möglichen neuen Historischen Museum an anderem Ort, nicht mehr in der ausstellungstechnisch schwierigen Barfüsserkirche?

Das klingt sehr attraktiv, setzt aber zwei Dinge voraus: Eine Strategie für alle fünf staatlicen Museen und eine öffentliche Debatte darüber. Für die Strategie ist es mittlerweile, nach dem beschlossenen Neubau für das Naturhistorische Museum, etwas spät, aber hoffentlich nicht zu spät. Und von einer Debatte, die ja vom Präsidialdepartement anzustossen wäre, habe ich noch nichts gehört. Ich halte sie aber für sehr wünschenswert, ja unverzichtbar.