Stadtentwicklung

Früher Rückzug: Novartis sucht bereits nach Investoren fürs Klybeck-Areal

Diese Vision des künftigen Klybeck-Quartiers ist derzeit im Architekturmuseum zu sehen.

Die Novartis plant den Verkauf des Geländes an einen Investor. Die Basler Regierung gibt sich gelassen: Die 2016 unterzeichnete Planungsvereinbarung gelte auch für einen neuen Eigentümer. Nicht ausgeschlossen wird, dass der Kanton selbst Land im Klybeck erwerben wird.

Es klang alles so schön harmonisch: Im Mai 2016 einigten sich Novartis, BASF und der Kanton Basel-Stadt mit einer Planungsvereinbarung auf eine enge Kooperation auf dem Klybeck-Areal. Von einem Schulterschluss war gar die Rede. Der Schweizer Pharmakonzern und der deutsche Chemiegigant haben unter dem Namen «klybeckplus» beabsichtigt, das Areal zwischen Rhein und Wiese, das die Stadtteile Klybeck und Kleinhüningen wie ein Riegel trennt, in ein neues Stadtquartier umzuwandeln – in ein «urbanes Stadtquartier mit einem breiten Nutzungsmix», wie es im Vertrag heisst.

Anfänglich beschrieben alle Beteiligten den Prozess als vorbildlich. In einem Testplanungsverfahren wurden vier international renommierte Architektur- und Raumplanungsbüros eingeladen, ihre Visionen zum rund 300 000 Quadratmeter grossen Areal aufzuzeigen. Es entstanden zum Teil verwegene (Rem Kolhaas), zum Teil eher traditionelle Konzeptionen (Diener & Diener) eines neuen Stadtquartiers, das Basel prägen sollte. Die ganze Palette also. Zudem konnte die Quartierbevölkerung in Workshops ihre Meinung kundtun. In diesen Tagen nehmen einige kulturelle Zwischennutzer bereits Gebäude an der Klybeckstrasse in Beschlag.

Trügerische Stille

Seit einiger Zeit aber ist es still geworden um den Entwicklungsprozess. Diese Ruhe ist trügerisch und hat wohl einen tieferen Grund. Nach Informationen, die der bz vorliegen, sind Novartis wie BASF daran, Käufer für ihre Areale zu suchen. Dieser Schritt erfolgt zu einem frühen, unerwartet frühen Zeitpunkt des Projekts «klybeckplus»: Die erwähnte Planungsvereinbarung vom Mai 2016 umfasst bis zur konkreten Umsetzung der Areal-Umnutzung nämlich insgesamt sechs Phasen. Noch befindet sich der Prozess erst in Phase 1 und ist selbst von einer Planauflage (Phase 2) ein gutes Stück entfernt.

Novartis-Sprecher Daniel Zehnder bestätigt gegenüber der bz, dass der Konzern «im Rahmen einer Prüfung der Marktfähigkeit Gespräche und den Austausch mit Fachexperten und potenziellen Investoren» gesucht habe. Diese seien zwar noch unverbindlich. Jedoch: «In einem nächsten Schritt werden die Rückmeldungen nun weiter betrachtet.» Diese Wortwahl deutet darauf hin, dass die Verkaufsverhandlungen nicht mehr in allzu weiter Ferne liegen. Über mögliche Interessenten mag Novartis keine konkreten Angaben machen. Von BASF-Sprecher Franz Kuntz ist zu erfahren, dass man seit Beginn des Projekts «klybeckplus» von Investoren angesprochen werde. Er sagt: «Über Einzelheiten zum Verkauf haben wir aber noch nicht entschieden.»

Vordergründige Gelassenheit

Der Kanton Basel-Stadt nimmt die Verkaufsabsichten von Novartis mit vordergründiger Gelassenheit zur Kenntnis. Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) betont, ein künftiger Eigentümer müsse die Rechte und Pflichten aus der Planungsvereinbarung übernehmen, also weiter im Schulterschluss mit dem Kanton die Planung vorantreiben. Im Vertrag steht allerdings, dass dieser mit einer Frist von zwölf Monaten gekündigt werden kann.

Ein Handwechsel könnte für die Planer aber auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil werden, wenn sie damit einem professionellen Immobilienentwickler gegenübersitzen würden und nicht einem Pharmakonzern, der sich in Stadtentwicklung übt. Doch es gibt die Kehrseite: Die Unsicherheit darüber, wer dieses Gegenüber ist, welche «Kultur» er pflegt und von welchem Erdteil er kommt.

Oder besteht gar die Möglichkeit, dass Basel-Stadt das Heft selbst in die Hand nimmt und das Areal – wie bereits das Rosentalareal – kurzerhand erwirbt? Ganz ausschliessen will die Regierung dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Finanzdirektorin Eva Herzog (SP), die in einem solchen Fall federführend wäre, gibt dazu keinen Kommentar ab.

Ihr Kollege Wessels meint: «Das wird die Zukunft weisen.» Immerhin hat sich der Kanton nebst der Fläche für die Verkehrswege bereits eine «noch festzulegende» Fläche von rund 50 000 Quadratmetern in der Planungsvereinbarung gesichert. Zumindest, solange die Vereinbarung vom Mai 2016 nicht gekündet ist.

Mitarbeit: Christian Mensch

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