Matthias Nabholz (44) ist seit dem 1. Juni 2014 neuer Leiter des Basler Amtes für Umwelt- und Energie (AUE). Er trat die Nachfolge von Jürg Hofer an, der diese Tätigkeit 15 Jahre lang ausgeübt hatte. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Herr Nabholz, was war bisher am schwierigsten in Ihrem neuen Job als Leiter des AUE?

Matthias Nabholz: Schwierig ist im Moment vor allem die sinnvolle Umsetzung der Pflicht für Mehrweggeschirr an Veranstaltungen. Wir haben relativ komplexe Veranstaltungen in Basel, die über die ganze Stadt verteilt sind. Es wird sicher ein, zwei Jahre dauern, bis wir gute Lösungen gefunden haben. Beim Stadion St. Jakob müssen wir zum Beispiel alle Anbieter ausserhalb des Stadions mit einbeziehen. Die Nutzung der Innenstadt mit dem neuen Verkehrskonzept wird sicher auch eine anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere für Lärmschutzfragen.

Die Mehrweggeschirr-Regelung wird aber doch manche Veranstalter überfordern.

Wir werden das Gesetz mit Augenmass einführen, sodass nicht immer gleich alles umgestellt werden muss. Wenn es nach den Veranstaltungen sauberer ist, wird das sicher auch in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.

Dennoch: Ist das nicht viel Aufwand für wenig Ertrag?

Ich glaube nicht. Vor 15 bis 20 Jahren hat man an jedem Fest sein Bier im Glas bekommen und das Essen auf einem Teller. In den letzten paar Jahren ist das Einweg-Plastikgeschirr aufgekommen. Es ist verrückt, wie viel Abfall das generiert.

Warum hat es damals geklappt und heute nicht mehr?

Das Plastikgeschirr ist günstiger und mit den heutigen Löhnen ist es wahrscheinlich teurer, etwas abzuwaschen. Ausserdem liegt es im Zeitgeist, die Sachen wegzuschmeissen und sich nicht darum zu kümmern – es wird ja sowieso verbrannt. Wir sind aber heute an einem Punkt angekommen, wo Ressourceneffizienz weltweit ein Thema ist. Da müssen wir uns überlegen, ob wir jeden Bierbecher wegwerfen wollen oder ihn nicht gescheiter wiederbenutzen.

Wie steht es derzeit generell um die Sauberkeit in Basel?

Ich denke, unsere Stadt ist sauber. Wir gehen in die Schulen und bilden auf Primarstufe aus, den Abfall zu trennen und nichts liegen zu lassen. Ausserdem arbeiten wir eng mit dem Gewerbe zusammen, zum Beispiel in Kampagnen wie letztes Jahr der Drecksack. Diesen Sommer haben wir etwas Ähnliches vor.

Haben Sie den Eindruck, dass die Leute noch gleichgültiger werden, was das Littering betrifft – Stichwort Rheinbord?

Ich glaube nicht, dass sich die Mentalität verändert hat. Littering ist ein Phänomen, das wir nicht wirklich verstehen. Wir haben Abfallkontrolleure und stellen fest, dass es an den Hotspots wie Barfi, Claraplatz oder dem Rheinbord, wo sie regelmässig kontrollieren, generell etwas zurückgegangen ist. Aber das ist eine rein subjektive Wahrnehmung. Die Leute haben mittags weniger Zeit und verpflegen sich unterwegs per Take Away. So wird immer mehr Verpackungsmaterial beziehungsweise –abfall produziert.

Es ist aber nicht überall gleich dreckig.

Das ist auch ein Teil des Phänomens. Wenn ein Ort sauber ist, wird dort weniger gelittert. Sobald irgendwo eine Verpackung liegt, kommt innerhalb von kurzer Zeit ein ganzer Haufen dazu.

Ihre vier Abfalldetektive kosten immerhin 300'000 Franken im Jahr. Ist das nicht teuer bezahlt für die wenigen Abfallsünder, die sie erwischen?

Wir nehmen sicher nicht das ein, was wir ausgeben. Das ist aber auch nicht das Ziel. Zwei der vier Kontrolleure sind vor allem für die Bebbisäcke, die zur falschen Zeit rausgestellt werden, oder wild abgelagertes Sperrgut zuständig. Die beiden anderen kümmern sich jeweils um Littering. Vier Kontrolleure für die ganze Stadt ist nicht zu viel. Im Gegenteil: Sie werden kaum wahrgenommen, da sie nicht überall zur gleichen Zeit sein können. Dennoch wirkt ihre Arbeit abschreckend: Wenn man erwischt wird, kostet Littering in Basel 80 Franken.

Werden nicht insbesondere die grossen Container für die Gratisentsorgung von Hausmüll zweckentfremdet?

Zum Teil schon, aber der grösste Teil ist mit Sicherheit kein Hausmüll. Wir kontrollieren die Container und die Busse ist mit 100 Franken relativ hoch. Das dürfte in etwa die Abfallgebühr sein, die ein Haushalt für ein ganzes Jahr ausgibt. Das Problem ist uns bewusst, aber an den Hotspots, wo viel Abfall entsteht, müssen wir Container aufstellen.

Wie hat sich die Situation am Rheinbord entwickelt?

Sie hat sich verbessert. Das liegt unter anderem auch an den Buvetten am Kleinbasler Rheinbord. Seitdem es sie gibt, sind dort mehr Leute, es gibt mehr soziale Kontrolle und deshalb auch weniger Littering.

Wie stehen Sie zum Projekt Unterflurcontainer?

Das ist ein klarer Fortschritt für Basel. Heute steht der Abfall immer noch auf der Strasse und die Müllabfuhr kommt in der Regel zweimal die Woche. Das ist nicht mehr zeitgerecht. Mit den Unterflurcontainern können die Leute ihren Abfall selber dorthin bringen und das zu jeder Tageszeit. Wenn man in die Ferien geht, muss man nicht mehr schauen, dass irgendjemand an dem Tag, an dem Abfuhr ist, den Abfallsack raus stellt.

Aber jetzt fängt man mit den Unterflurcontainern ja erst mal nur mit der halben Stadt an...

Das ist die Idee des Parlaments gewesen und es wird ja auch noch eine Volksabstimmung geben.

Sie sind ja auch für das Thema Lärm zuständig. Die Anforderungen der Amtsstellen an einen Baizer, der ein neues Lokal eröffnen will, sind hoch. Könnte man ihnen das Leben nicht einfacher machen?

Wir sind Vollzugsbehörde und nicht Gesetzgeber. Ich denke, es ist keine schlechte Verordnung. Zudem haben wir in Basel sehr gute Instrumente entwickelt, um alle gleich zu behandeln. Immer mehr Leute ziehen in die Stadt und es ist selbstverständlich, dass auch die Wohnbevölkerung geschützt werden muss. Wir können nicht regelmässig in der Stadt Riesenfeste machen. Das geht einmal, aber sicher nicht jeden Abend oder jedes Wochenende. Natürlich möchten die Baizer mit dem neuen Verkehrskonzept zum Beispiel in der Rheingasse rausstuhlen. Aber dort wohnen eben auch Leute und die müssen auch schlafen können. Da muss man gescheite Lösungen finden.

Wie können die denn aussehen?

Das wird sich zeigen. Da müssen intensive Gespräche zwischen den verschiedenen Interessensgruppen geführt werden und mit einem politischen Willen können auch die Beurteilungsinstrumente entsprechend angepasst werden.

Die Sanierung der Kläranlage ARA in Kleinhüningen dauert und dauert. Warum geht das denn so fürchterlich lange?

Wir sind an der Planung und sollten im Jahr 2017 anfangen können zu bauen. Das ist alles relativ kompliziert, zumal der Bund auch noch zusätzliche Reinigungsstufen für bestimmte Mikroverunreinigungen wünscht. Das ist ein Riesenprojekt.

Wie steht es um die Wasserqualität im Rhein?

Sie ist ein gutes Beispiel dafür, was der Umweltschutz in den letzten 30, 40 Jahren erreicht hat – nach Schweizerhalle 1986. Früher war der Rhein eine Kloake, heute haben wir praktisch wieder Trinkwasserqualität . Die gute Wasserqualität zeigt auch, dass die Natur sich sehr schnell regenerieren kann, wenn sie nicht gestört wird. Wir haben heute mit der Rheinüberwachungsstation ein hervorragendes Überwachungssystem, wo wir halbstündlich rund 300 Substanzen messen. Da geht uns kaum mehr eine Fehleinleitung durch die Maschen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Ich bin zuversichtlich. Es steht ein neues kantonales Wasser- und auch Energiegesetz sowie eine neue Abfallverordnung an. Ich hoffe, dass wir das auch in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft so positiv gestalten können, dass Basel im Umweltbereich fortschrittlich bleibt. Das Thema Altlasten ist auch mit unseren deutschen und französischen Nachbarn immer wieder Thema.