Gerichtsverhandlung

Frust über schlechten Sex: 36-Jähriger zündet Basler Bordell an

Weil ein Mann mit dem Sex unzufrieden war, soll er ein Basler Bordell angezündet haben (Symbolbild).

Weil ein Mann mit dem Sex unzufrieden war, soll er ein Basler Bordell angezündet haben (Symbolbild).

Ein Italiener wurde wegen Brandstiftung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Einen Landesverweis erhielt er ebenfalls.

«Live and let die» hiess der James Bond-Film aus dem Jahr 1973, der am Freitag für die Beweisführung von Staatsanwalt Tomislav Hazler herhalten musste: Roger Moore alias 007 tötet dort eine Schlange, indem er den Sprühnebel seines Aftershaves anzündet.

Alle haben diesen Film gesehen und wissen deshalb, dass Kosmetika entflammbar seien, so Hazler.
Der Vorwurf ging an einen heute 36-jährigen Mann, der im Juni 2019 aus Frustration über schlechten Sex in einem Bordell an der Basler Webergasse Nagellackentferner und Parfums über eine Matratze geschüttet und dann angezündet haben soll. Anlass war die Ermahnung der Bordellchefin, dass die vereinbarten 20 Minuten abgelaufen seien. Es kam zu einem wüsten Streit, die Prostituierten flüchteten.

Verteidigerin Elisabeth Vogel hingegen schüttete sich am Freitag im Gerichtsaal demonstrativ Parfum auf den Unterarm, um zu zeigen, dass die Fläschchen ihren Inhalt nur tröpfchenweise hergaben. Auch habe ihr Mandant gar nicht den Intellekt, um eine derart geplante Tat zu begehen. Er schwieg im Gerichtssaal zu den Vorwürfen. Sie forderte mangels klaren Beweisen einen Freispruch.

Der Mann blieb in jener Juninacht vorerst im Raum. Auf Videoaufnahmen sieht man ihn 83 Sekunden nach den Prostituierten beim Verlassen des Zimmers. Danach füllte sich das Treppenhaus mit Rauch. Die Feuerwehr rückte schliesslich an, alle Bewohner konnten sich noch rechtzeitig selber in Sicherheit bringen.

Hazler betonte, die Rauchgase seien gefährlich. Er forderte einen Schuldspruch wegen qualifizierter Brandstiftung sowie eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten. Die drei Richter des Basler Strafgerichtes gingen am Freitag etwas weniger weit und verhängten eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Tat gilt mangels Verletzungen nur als Versuch

Die juristische Wertung ist komplex: Das Gericht ging von einer sogenannten qualifizierten Brandstiftung aus, mangels nachgewiesener Verletzungen bei den Liegenschaftsbewohnern wertete es die Tat aber bloss als Versuch. Auch profitierte der Mann von einer Geringfügigkeitsklausel, da der Sachschaden von 22'500 Franken im Vergleich zum Liegenschaftswert von 2,7 Millionen Franken eher gering war. Allerdings verdonnerte das Gericht den Mann zur Zahlung von Schadenersatz von 22500 Franken an die Basler Gebäudeversicherung.

Der Mann könnte den Schuldspruch noch weiterziehen, er sitzt indes seit Juli 2019 in Haft und hat den unbedingten Teil von zehn Monaten damit Mitte Mai 2020 vollständig abgesessen. Der in Lörrach wohnhafte italienische Staatsbürger erhielt zusätzlich einen Landesverweis von sieben Jahren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1