Basler Kulturkreise sind sich einig: Das Baudepartement von Hans-Peter Wessels (SP) habe das Präsidialdepartement von Guy Morin (Grüne) vor vollendete Tatsachen gestellt mit dem Beschluss, das Kunstmuseum für eine bauliche Sanierung während dreizehn Monate zu schliessen. Stellvertretend sagt Oswald Inglin (CVP), Präsident der Bildungs- und Kulturkommission (BKK) des Grossen Rates: «Morin musste die Suppe auslöffeln.»

Inglin schöpft seine Erkenntnis aus erster Hand: Nach dem Schliessungsentscheid hatte die BKK den Regierungspräsidenten und seinen Kulturbeauftragten Philipp Bischof vorgeladen, um sich die Programmänderung begründen zu lassen. Morin wird dort erklärt haben, was er zuvor schon gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagte: Der grosse Sanierungsbedarf beim Altbau sei auch für ihn überraschend aufgetaucht. Doch er verstehe nichts vom Baulichen, dafür sei das Baudepartement zuständig.

Unterschätzung der Komplexität

Ganz so einfach lässt sich die Verantwortung allerdings nicht delegieren: Gemäss gültiger Rollenverteilung zwischen den Departementen liegt die Projektverantwortung für den Erweiterungsbau wie für die Sanierung des Altbaus beim Präsidialdepartement. Es ist amtsdeutsch: der Besteller. Dem Baudepartement ist die Rolle des Dienstleisters zugedacht, der auf Auftrag arbeitet. Dritter im Bunde ist das Finanzdepartement, das für die Budgetierung und Finanzierung verantwortlich zeichnet.

«Das Rollenmodell funktioniert nicht», sagt nun Inglin. Das Präsidialdepartement sei in die Abläufe des Baudepartements nicht integriert. Er sagt, die Kultur-Fachleute hätten vielleicht aus einer gewissen «Naivität» und «Vorfreude» auf den Neubau die Komplexität des Projekts unterschätzt. Den Bau-Fachleuten fehle es jedoch an der «Sensibilität» für die Erfordernisse des Bestellers.

Kommunikation bereitet Schwierigkeitn

Eine anders akzentuierte Meinung herrscht verwaltungsintern vor. Ein Abteilungsleiter sagt, die Kollegen der verschiedenen Departemente würden eigentlich gut zusammenarbeiten – allerdings ohne politische Führung. Die Regierungsräte würden sich verabschieden, sobald ein Thema komplex werde. Sie reisten lieber an eine Ausstellungseröffnung nach Hongkong oder wohnten einer feierlichen Verschweissung eines Schienenabschnitts bei.

Die Kommunikation zur Kunstmuseums-Sanierung ist für den Abteilungsleiter ein gutes Beispiel: Die Regierungsräte tauchten ab, dafür mussten sechs Kadermitarbeiter dreier Departemente sowie Architekt Emanuel Christ vor die Medien treten, um sie zu rechtfertigen.

Kunstmuseum ist nicht das einzige Projekt

Sorgen macht sich BKK-Präsident Inglin, weil das Kunstmuseum nicht das einzige Bauprojekt ist, das die Kulturabteilung zu bewältigen hat: In der parlamentarischen Beratung steht der Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs, in der Pipeline steckt eine Minimalsanierung des Stadtcasinos und als Drohkulisse steht eine Grosssanierung des Stadt-Theaters an.

Die Abläufe, die zur Museumsüberraschung führten, sollen von der Geschäftsprüfungskommission (GPK) rekonstruiert werden, regt Inglin an. Die gleiche Forderung, eine andere Kommission solle tätig werden, erhob vor Wochenfrist in der «Schweiz am Sonntag» bereits Patrick Hafner (SVP), der Präsident der Finanzkommission. Hafner erneuert auf Anfrage sein Anliegen. Seine eigene Kommission sehe allerdings «im Moment keinen Handlungsbedarf».

GPK-Präsident Tobit Schäfer (SP) nimmt den Ball auf. Es gebe durchaus Fragen, die seine Kommission klären könne. Eine rasche Untersuchung wird es jedoch nicht geben. Bis zu den Sommerferien ist die Kommission gemäss Schäfer mit ihrer Stellungnahme zum Verwaltungsbericht der Regierung ausgelastet. Ob sie sich dann noch mit dem heute aktuellen Thema Kunstmuseum beschäftigen mag, steht offen.