Auf seinen Witz seien viele Journalisten hereingefallen, wundert sich Fümoar-Sekretär Thierry Julliard. Er werde bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen, kündete er an der Generalversammlung von letzter Woche an. «Das war doch nicht ernst gemeint.» An seiner anderen Ankündigung hält er aber «wahrscheinlich» fest: Das Urteil des Verwaltungsgerichts, wonach sein Vereinsmodell illegal sei, werde er vor Bundesgericht anfechten.

Der Raucherclub spielt auf Zeit. Als Vereinsanwalt, Sekretär und Kassier sichere sich Julliard mit dem hoffnungslosen Prozess einen lukrativen Auftrag, sagen Kritiker. Für den Rechtsstreit hat der Verein 100 000 Franken zur Seite gelegt. Ob die Wirte dieses Geld nicht anderweitig ausgeben möchten, wurden sie nicht gefragt. Doch unter Raucherwirten herrscht offenbar Einigkeit, wie eine kleine Umfrage der bz in Fümoar-Betrieben andeutet. Sie halten zusammen wie die unbeugsamen Gallier.

Urteil bewirkt noch nichts

Adrian Bühler etwa, der Wirt des Restaurants Manger et Boire beim Barfüsserplatz, steht 100 Prozent hinter dem sturen Kurs des Fümoar-Vorstands. Damit erfülle dieser nur den Vereinszweck. Bei einer konsequenten Umsetzung des jetzigen Rauchverbots warnt Bühler neben ökonomischen auch vor sozialen Folgen: «Die Alleinstehenden, die bei uns eine Zigarette rauchen und etwas trinken, bleiben dann zu Hause und vereinsamen noch mehr.»

Der Wirt schüttelt den Kopf, nippt an seinem Weisswein und zündet sich eine neue Zigarette an. Es wird noch eine Weile dauern, bis das deutliche Urteil gegen das Vereinsmodell seine Wirkung zeigt. Diesen Moment möglichst lange herauszögern möchte auch Hasan Kunduru, Wirt des Schwarzen Bären und der Brauerzunft. «Ohne Fümoar muss ich meine beiden Beizen schliessen», befürchtet er. Je länger das Verfahren dauere desto besser. Ein Teil seiner Gäste würde zu Hause bleiben, dürften sie bei ihm nicht mehr rauchen. Und vor der Türe würden sie die Anwohner stören. Die beiden Lokale sind bis vier Uhr morgens geöffnet.

Ähnlich äussern sich die anderen befragten Fümoar-Wirte. «Wir sind bis hierher gegangen, also gehen wir auch weiter», meint etwa Tamara Sbardellotto vom «Roten Ochsen». Oder Cihan Temiz vom Restaurant Adler: «Wir Fümoar-Mitglieder halten zusammen.» Wie viele seiner Kollegen setzt er sich mit dem Gerichtsurteil nicht im Detail auseinander. Ob ein Weiterzug chancenreich oder hoffnungslos ist, kann er nicht abschätzen. «Die beiden wissen schon, was sie tun», sagt er über Julliard und Präsident Mario Nanni.

Der Rundgang zeigt zudem: Nach dem Fümoar-Ausweis wird kaum gefragt. In den 130 Raucherlokalen hat das Rauchverbot wenig bewirkt: Es prangt nur ein neues Schild an der Tür. Daran ändert auch das erste Gerichtsurteil vorderhand nichts.