Es ist eine ungewohnte Rolle. Für einmal standen diese Woche Basler Beizer prominent vor der Kamera, anstatt als Gastgeber eher dezent das Wohl der Gäste in den Mittelpunkt zu stellen. «Das ist sehr aufregend», kommentiert Thierry Dunkel, Betriebsleiter von «Parterre One».

Fünf Basler Restaurants hat der deutsche Kabelsender «Kabel eins» für seine Serie «Mein Lokal Dein Lokal» ausgewählt. «Wir bemühen uns sehr darum, dass sie unterschiedliche Konzepte haben und wollen Gastronomen, die mit Herz und Seele dabei sind», erzählt Aufnahmeleiterin Joëlle Habermann. Neben dem erwähnten «Parterre One» waren das die «Fischerstube», die «Safran Zunft», das «Nomad Eatery» und das «Caspar's».

Im Unterschied zur Schweizer Serie «Mini Beiz, dini Beiz» bewerten nicht Stammgäste die verschiedenen Beizen, sondern die Gastronomen selbst ihre jeweiligen Kollegen. Jeweils maximal zehn Punkte gibt es für Preis-Leistungs-Verhältnis, Ambiente, Sauberkeit und Service. «In der Regel bemüht sich jeder, fair zu sein. Taktieren kommt bei den Zuschauern nicht gut an», sagt Habermann. Die Punkte werden jeden Abend nach den Dreharbeiten vergeben. «Das erfordert viel Konzentration, aber zum Glück hat man ja den ganzen Tag Zeit», berichtet Dunkel.

«Ich sehe uns nicht als Konkurrenten, sondern als Kollegen», betont Silvia Murri, Mitinhaberin der «Fischerstube». Frédéric Lostuzzo, Servicechef im «Caspar's», ergänzt: «Wir machen alle den gleichen Job: Wir sind Gastgeber.» Lostuzzo schätzt die konstruktive Kritik der Kollegen. «Ich bin seit 35 Jahren im Beruf. Da wird man manchmal betriebsblind.»

Preisgeld von 3000 Euro

Wer gewinnt, erhält ein Preisgeld von 3000 Euro. «Der Gewinn ist das Sahnehäubchen. Es geht den Gastronomen vor allem darum, ihr Team und ihr Lokal vorzustellen», verdeutlicht die Aufnahmeleiterin. Die Bedingungen sind anspruchsvoll, denn die Dreharbeiten laufen, während das Lokal offen ist, also auch andere Gäste als die Beizer-Kollegen kommen. Ausserdem bestellen sie à la carte, vorbereiten kann sich das Restaurant kaum auf die Dreharbeiten.

Im «Parterre One», das beim Besuch der bz an der Reihe war, war vor allem der Koch nervös. Anders war das für Betriebsleiter Thierry Dunkel. «In meiner Rolle als Gastgeber fühle ich mich wohler», sagt er. Der Zeitaufwand für die teilnehmenden Beizer ist erheblich. «Man fällt eine ganze Woche aus. Das muss man sich schon gut überlegen», so Murri. Die Dreharbeiten beginnen morgens um 9 Uhr und gehen in der Regel bis Mitternacht. «Das ist anstrengend. Jeden Morgen sind unsere Augen etwas kleiner», erzählt Silvia Murri am vierten Drehtag.

800 000 Zuschauer pro Folge

Die Dokusoap läuft jeweils von Montag bis Freitag um 17.55 Uhr im Vorabendprogramm und wird durchschnittlich von 800 000 Zuschauern gesehen, auch in der Schweiz. Produziert wird sie von der Kölner Produktionsfirma «Good Times». Der Aufwand ist erheblich. An den Dreharbeiten in Basel waren 15 Personen beteiligt. Die Serie wird zwei bis drei Monate nach den Dreharbeiten ausgestrahlt.

In der Schweiz ist «Mein Lokal Dein Lokal», die vor der «Mini Beiz, dini Beiz» begonnen hat, das erste Mal. Gedreht wurde ausserhalb Deutschlands auch schon einmal in Österreich und einmal auf Mallorca. «Basel hat gastronomisch Einiges zu bieten und liegt zudem in der Nähe der Grenze», erklärt Habermann, warum die Wahl auf Basel fiel.

Um bei den TV-Zuschauern die Spannung aufrechtzuerhalten, wird der Name des Gewinners geheim gehalten. «Ich bin gespannt auf das Resultat, glaube aber, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben wird», sagte Murri beim Besuch der bz.