Zugverhalten

Fünf GPS-Störche schreiben bald Kurzmeldungen aus dem Süden

Ikarus ist verkabelt: Der GPS-Sender auf seinem Rücken verrät ab sofort, wo sich der Storch aus dem Basler Zolli herumtreibt. Das Handynetz übermittelt seine Koordinaten in regelmässigen Abständen.

Ikarus ist verkabelt: Der GPS-Sender auf seinem Rücken verrät ab sofort, wo sich der Storch aus dem Basler Zolli herumtreibt. Das Handynetz übermittelt seine Koordinaten in regelmässigen Abständen.

Im Zoo Basel und im Tierpark Lange Erlen haben Biologen fünf Jungstörche mit GPS-Sender ausgestattet. Mit den Daten über ihre Reise in den Süden erhofft man sich neue Erkenntnisse über das veränderte Zugverhalten zu gewinnen.

Ikarus stellt sich tot. Mit einer Kappe über dem Kopf, die ihm die Sicht nimmt und ihn beruhigt, harrt der junge Weissstorch der Dinge, die da kommen. Geboren im Zoo Basel, hat Tierpfleger Bruno Gardelli ihn soeben mithilfe einer Drehleiter der Basler Berufsfeuerwehr aus seinem luftigen Nest geholt. Die Biologen Holger Schulz und Javier de la Puente verpassen dem Vogel im Rahmen des Projekts «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» einen Sender, nachdem ihm Blut-, Speichel- und Federproben entnommen wurden.

«Wir untersuchen unter anderem, ob es genetische Unterschiede zwischen europäischen und nordafrikanischen Störchen gibt», sagt Peter Enggist, Geschäftsführer von Storch Schweiz, der Gesellschaft zum Schutz der Weissstörche. Der Sender dient der jeweiligen Standortbestimmung des Vogels. Der Datenlogger, der dem Jungtier wie ein Rucksack umgeschnallt wird, übermittelt regelmässig Koordinaten über das Handynetz. «Der Storch schickt uns gewissermassen SMS, wo er sich aufhält», erklärt Bruno Gardelli.

Er ist nicht nur im Zolli für die Störche verantwortlich. Als Regionsleiter Nordwestschweiz versieht er sämtliche Jungstörche in den beiden Basel und im Fricktal mit Ringen. Die Störche sind kurz davor, flügge zu sein. Wenn sie ihren Horst verlassen und ab Spätsommer in Richtung Süden ziehen, werden ihre Daten – so hofft die Gesellschaft Storch Schweiz – Aufschluss über ihr Zugverhalten geben. Dieses hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verändert. Weniger als die Hälfte der Schweizer Störche zieht noch bis nach Afrika; der Rest überwintert auf offenen Mülldeponien in Spanien. Mit dem ins Leben gerufene Projekt «Storchenzug im Wandel» wollen die Experten mehr über dieses Phänomen erfahren – umso die Tiere schützen zu können.

Kein Winterlager mehr im Müll

Denn in Spanien sollen sämtliche offene Müllhalden bis in zwei Jahren geschlossen werden. Wie sich das Wegfallen dieses stinkenden Schlaraffenlands für die Schweizer Störche auswirkt, kann Enggist noch nicht sagen: «Vielleicht ziehen sie dann wieder nach Afrika. Oder sie verhungern.»

Dieses Jahr werden in der Schweiz rund 15 Störche besendert. Neben Ikarus erhielten noch zwei weitere, bisher namenlose Zolli-Jungstörche einen Sender. Im Tierpark Lange Erlen folgten Jenny und Erly. Der Park beteiligt sich zum ersten Mal am Projekt. Sponsoren finanzieren die Sender, die in drei bis fünf Jahren von selbst abfallen – falls die unerfahrenen Jungtiere die Reisen überleben. Die Wege der verkabelten Störche lassen sich auf der Homepage www.projekt-storchenzug.com verfolgen. Auch Ikarus, Jenny oder Erly werden ab nächster Woche dort zu finden sein, wenn sie regelmässig «SMS schicken».

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