Euro-Airport

Für 90 Prozent der Passagiere wirds am Euro-Airport teurer

Easyjet befördert derzeit die Hälfte der Passagiere auf dem Euro-Airport und ist deshalb von den neuen Abgaben stark betroffen.

Easyjet befördert derzeit die Hälfte der Passagiere auf dem Euro-Airport und ist deshalb von den neuen Abgaben stark betroffen.

Ab 1. Juli wird das Fliegen vom Euro-Airport (EAP) für 90 Prozent der Passagiere bis zu 20 Prozent teurer. Grund dafür: Die französische Luftfahrtbehörde führt dann ihre neuen Steuern auch im Schweizer Sektor des binationalen Airports ein.

Von den 25 Fluggesellschaften, die auf dem EAP Linienflüge anbieten, fliegen 50 bis 60 Prozent unter Schweizer Flugrecht. Dazu gehört auch Easyjet, das die Hälfte aller Fluggäste auf dem Flughafen befördert.

Letztlich sind so 90 Prozent aller Passagiere auf dem EAP von den neuen Steuern betroffen. Sie kommen zu den Abgaben hinzu, die die Fluggesellschaften schon auf der Schweizer Seite des EAP zahlen.

Für Easyjet mit seinem Billigfliegermodell haben die neuen, von der französischen Luftfahrtbehörde Direction générale de l'aviation civile (DGAC) erhobenen, Taxen erhebliche Auswirkungen. Die Steuer beträgt pro Person 4,31 Euro, die Solidaritätsabgabe 1 Euro.

Bei einem Durchschnittspreis von 30 Euro für einen Kurzstreckenflug würden die beiden Abgaben den Preis eines Easyjet-Tickets um 20 Prozent verteuern, kritisiert die Fluggesellschaft in einer Stellungnahme.

Die Fliegerei ist ein hartes Geschäft. So hat Easyjet pro Sitz durchschnittlich eine Gewinnmarge von umgerechnet 7 Franken, wie Schweizchef Jean-Marc Thévenaz kürzlich bei einem Vortrag vor der IG Luftverkehr berichtete.

Konkurrenzfähigkeit leidet

«In der Stellungnahme heisst es weiter: «Die Steuer benachteiligt den Euro-Airport, der dadurch weniger konkurrenzfähig wird.» Easyjet sieht zudem die Gefahr, dass der Flughafen Hunderttausende von Passagieren verliert. «Easyjet Switzerland wehrt sich mit Nachdruck gegen die Durchsetzung der Besteuerung, die dem geltenden Recht auf dem Flughafen widerspricht.»

Ausserdem bemängelt die Fluggesellschaft die kurzfristige Umsetzung der Massnahme, da ihr Geschäftsmodell darauf beruhe, ihre Sitzplätze eine Saison im Voraus zu verkaufen. «Die Kompanie hat bereits einen Grossteil ihrer Sitzplatzkapazitäten ab dem 1. Juli verkauft.

Negative Auswirkungen der neuen Steuern befürchten laut der Nachrichtenagentur SDA auch die vier Gewerkschaften, die am Flughafen das Personal vertreten. Sie sind der Auffassung, dass durch die Abgaben zahlreiche Arbeitsplätze auf dem EAP verloren gehen könnten und bezeichneten die neuen Passagiertaxen als «realitätsfremde Massnahmen».

Die DGAC wird durch die Steuer jährlich gegen 12 Millionen Euro einnehmen. Die andere Steuer, die Solidaritätsabgabe für den Luftverkehr, existiert seit 2006 und dient der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose in armen Ländern. Die Gelder erhält eine Hilfsorganisation; diese fliessen also nicht in den Taschen des französischen Staates. Für Business- oder 1.-Klasse-Tickets beträgt die Abgabe 10 Euro.

Geschäftsgrundlage steht infrage

Die unilaterale Einführung der Abgabe durch Frankreich stösst auch beim Kanton Basel-Stadt und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) auf Kritik. Die Flughafen-Direktion argumentiert: «Die zusätzlichen Steuern stellen die Geschäftsgrundlage des Euro-Airports, das binationale System, infrage, das seit über 60 Jahren gut funktioniert hat.»
Flughafen-Mediensprecherin Vivienne Gaskell verweist aber auch darauf, dass die Steuerthematik nicht im Kompetenzbereich des Flughafens liege. «Es handelt sich um eine Staatsangelegenheit, und es braucht eine Vereinbarung zwischen dem Bazl und der DGAC, zwischen Bern und Paris.»

Kritik auch aus dem Elsass

Kritische Stimmen zu den Massnahmen der DGAC gibt es auch im Elsass. So äusserte sich Charles Buttner, Präsident des Generalrats Oberelsass, gestern in der Zeitung «l'Alsace» durchwegs ablehnend: «Eine derart brutale Entscheidung, die ohne Absprache getroffen wurde, stellt die Funktionsweise des Flughafens infrage und stellt eine Gefahr für die Arbeitsplätze im Elsass dar.»

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