Der Behindertendachverband Inclusion Handicap hat Einsprache gegen die Umbaupläne beim Basler Bahnhofsplatz erhoben. Was sind die Gründe dafür?

Caroline Hess-Klein: Der Umbau berücksichtigt die Anliegen von Menschen mit einer Behinderung zu wenig. Bestehende Probleme werden nicht gelöst und es entstehen neue Benachteiligungen. Für die Betroffenen sind die Mängel gravierend, vor allem für Personen, die stark sehbehindert sind oder eine Gehbehinderung haben. Für eine blinde Person ist die Situation am Centralbahnplatz schon jetzt gefährlich und es bessert sich gar nichts.

Was konkret stimmt aus Sicht der Behindertenverbände nicht?

Wir kritisieren drei Punkte: So entspricht das Leitsystem für blinde Menschen, also die Markierungen am Boden, nicht den heutigen Standards, es hat Lücken. Der Übergang vom Perron zur Strasse ist mit einem Blindenstock nicht ertastbar. Dies ist sehr gefährlich. Dieses Problem gibt es bereits jetzt, gemäss den Plänen würde es auch nicht behoben. Weiter hat der geplante Umbau der Perrons zur Folge, dass beim langen Flexitytram bei der ersten und der letzten Türe der Abstand zum Perron deutlich zu gross und zu hoch ist.

Kann man sich da nicht auf den Standpunkt stellen, dass es genügend andere Türen gibt, die behindertengerecht sind?

Die eine Tür ist genau dort, wo blinde Personen warten. Das Aufmerksamkeitsfeld, mit denen sie sich mit dem Blindenstock orientieren, führt sie direkt zur Tür mit dem breiten Spalt. Kommt hinzu, dass man von den klaren Vorgaben des Behindertenrechts ohnehin nur abweichen darf, wenn überwiegende Gründe dafür sprechen. Etwa wenn es technisch nicht machbar ist. Es ist uns bewusst, dass die Situation mit den Tramkurven am Centralbahnplatz diese Abstände erschwert. Aber es ist überhaupt nicht klar, ob die Verantwortlichen überhaupt nach Lösungen gesucht haben. Wir sind der Ansicht, dass hier noch Spielraum vorhanden ist, um die Situation zu verbessern.

Wie gravierend sind diese Kritikpunkte? Muss man nun in Basel nochmals ganz von vorne anfangen oder lässt sich das ohne grössere Umstände anpassen?

Die Massnahmen, die wir in unserer Einsprache fordern, sind mit verhältnismässig einfachem Aufwand zu realiseren. Die Verbesserungen für Blinde sind alles Punkte, die man problemlos anpassen kann, ohne dass das Projekt verzögert wird. Die Einsprache ist vielmehr die Konsequenz, dass man sich bisher zu wenig mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat. Aber ich bin zuversichtlich, dass man nun eine pragmatische und gute Lösung findet.

In Basel hofft man offenbar darauf, dass man noch rechtzeitig eine Einigung findet und Inclusion Handicap die Einsprache zurückzieht. Wie sehen Sie das?

Wenn Lösungen in verbindlicher Form auf dem Tisch liegen, gibt es für uns keinen Grund mehr, die Einsprache aufrechtzuerhalten. Im Moment ist das noch nicht passiert. Aber der Wille bei den BVB ist offenbar da.

Die Verantwortlichen in Basel, namentlich das Bau- und Verkehrsdepartement und die BVB, betonen regelmässig, dass sie im Austausch mit den Behindertenverbänden stehen. Warum wurden diese Fragen nicht früher geklärt?

Wenn ich mir das vorliegende Projekt anschaue, ist klar, dass keine Fachleute aus dem Behindertenwesen ernsthaft miteinbezogen worden sind. Sonst hätte man nun sicher das Desaster mit den fehlenden Markierungen für sehbehinderte Personen nicht.

Hätte man eine Lösung finden können, wenn man früher auf Sie zugekommen wäre?

Ganz klar. Hätte man uns zu einem frühen Zeitpunkt kontaktiert, hätten viele Punkte problemlos berücksichtig werden können, wegen denen wir nun Einsprache erheben mussten.