Am nächsten Mittwoch wird es für den Europa-League-Final zwischen dem FC Liverpool und dem FC Sevilla in Basel zwei Public Viewings geben. 

Die Situation hat das Angebot eines Public Viewings notwendig gemacht. Mit dem FC Liverpool steht ein Team im Final, das auf eine unglaublich zahlreiche Anhängerschaft zählen kann, die auch ohne Tickets gerne an einen Spielort reist. Hinzu kommt, dass die Fans aus Liverpool mit den 11 000 Tickets, die der Club bekommen hat, unzufrieden sind.

Das Joggeli ist in den Augen der Scousers viel zu klein für ein Endspiel. Eine Fan-Gruppierung schrieb in einem Protestbrief an die Uefa: «Es ist ja wohl sonnenklar, dass dieses Ticketkontingent die Nachfrage im St. Jakob Park nicht im Entferntesten befriedigen kann.» Ausserdem forderten sie eine Verlegung des Spiels in ein anderes, grösseres Stadion.

20'000 Engländer

Doch weder die Verlegung noch eine grössere Anzahl an Tickets werden die Scousers bekommen. Ohnehin haben sie schon davon profitiert, dass der FC Sevilla auf einen Teil seines Kontingents freiwillig verzichtet hat und «nur» 7 000 Tickets benötigt. Dass die Engländer mit der Situation aber nicht zufrieden sind, hat auch Peter Howald, Leiter der Abteilung Sport und des Sportamtes des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt, vernommen: «Die 11 000 Tickets sind natürlich wenig für sie. Die könnten locker drei Mal so viele Tickets brauchen. Daher rechnen wir im Moment mit ungefähr doppelt so vielen Fans aus Liverpool, die anreisen werden, also insgesamt mit etwa 20 000 Engländern.» Und genau aus diesem Grund werde nun eben ein Public Viewing angeboten.

Die beiden Public Viewings werden auf dem Barfüsserplatz und dem Marktplatz eingerichtet. Der Barfi als Standort hat sich angeboten, da die Engländer ihren von der Uefa angeordneten Fan-Treffpunkt ohnehin dort haben werden. Die Sevillanos treffen sich auf dem Claraplatz. Die Fans mit Ticket werden gegen 16 uhr auf getrennten Routen Richtung Stadion marschieren. Die restlichen geschätzten 10'000 englischen Fans, die ohne Ticket anreisen werden, können das Spiel gleich auf dem Barfi oder eben nebenan auf dem Marktplatz anschauen.

Howald verweist darauf, dass «das Public Viewing für den Europa-League-Final mit jenem vom Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Bayern (Champions-League-Achtelfinal 2010, Anm. d. Red.) zu vergleichen sein wird».

Keine zusätzlichen Spanier

Auf dem Claraplatz, dem Fan-Treffpunkt der Sevilla-Fans, sei kein Public Viewing notwendig. «Denn bei den Spaniern, die auf dem Claraplatz sein werden, wissen wir, dass sie alle ins Stadion gehen werden», sagt Howald. Dies habe sich auch beim letztjährigen Final in Warschau gezeigt, an dem ebenfalls der FC Sevilla teilnahm und nur spanische Fans angereist waren, die ein Ticket hatten.

Bei Liverpool sei dies komplizierter. «Die Uefa verlangt normalerweise von allen Vereinen, dass sie genaue Angaben zur Anzahl der anreisenden Fans bekommt.» Und bei den Engländern habe dies im Gegensatz zum FC Sevilla nicht geklappt. «Von Liverpool wissen wir nur, dass etwa 3000 Liverpool-Fans organisiert anreisen werden, vom ganzen Rest wissen wir aber nicht, wie und wann sie nach Basel fahren», sagt Howald.

Dass es sich bei diesem «Rest» sogar um mehr als die von Howald erwähnten 17 000 Engländer handeln könnte, darauf lassen die zahlreichen Chartermaschinen schliessen, die nächsten Mittwoch in Basel landen sollen – und der Fakt, dass Liverpool erstmals seit 2007 in einem Final steht.

Laut den Verantwortlichen der Host City Basel sind die Vorbereitungsarbeiten für den internationalen Fussball-Event weitgehend abgeschlossen. Durch Gäste, Spieler und Offizielle werden in Basel rund 5500 Hotelübernachtungen generiert. Sämtliche Basler Hotels sind denn auch ausgebucht in der Nacht auf Donnerstag.