Mit den nächsten Sonnenstrahlen beginnen zartgrüne Blätter an den Bäumen zu spriessen. Für die Allee entlang der Engelgasse wird dieser Frühling der letzte sein. Nächstes Jahr werden alle 76 Ahornbäume gefällt. Über den Kahlschlag hat das Tiefbauamt die Anwohner kürzlich informiert. Ein grosser Teil der Bäume sei in einem «mittleren bis sehr schlechten Gesundheitszustand», heisst es im Brief.

Die Baumfällaktion ist Teil einer umfassenden Strassensanierung: Die Werkleitungen werden ersetzt und teilweise ausgebaut. Und vom Denkmal über die Sevogelstrasse bis zur Kappellenstrasse wird eine Fernwärmeleitung verlegt. Das entsprechende Gesuch wird laut Tiefbauamt im März oder April inklusive einer Baumfällliste aufgelegt. «Es ist leider so, dass wir auch gesunde Bäume entfernen wollen», erklärt Thomas Gerspach, stellvertretender Leiter der Grünplanung bei der Basler Stadtgärtnerei. Wie viele der Bäume gesund sind, will er nicht im Detail sagen. Ersetzt werden die 76 mit 50 neuen Bäumen.

Pilzbefall und Salzschäden

Verständnis für den radikalen Schnitt hat Beata Wackernagel, Präsidentin des Neutralen Quartierverein St. Alban Gellert, wie sie in einer persönlichen Stellungnahme schreibt: «Generell ist es um jeden Baum, der in der Stadt wegfällt, schade. Im Fall der Engelgasse kann ich den Entscheid der Stadtgärtnerei jedoch nachvollziehen.» Sie lobt die frühe Information durch das Tiefbauamt und hofft nach dem Ersatz auf eine einheitliche Baumreihe mit grossen Bäumen. Nicht so wie heute: Die meisten Bäume seien noch klein und wirkten mickrig, die älteren Bäume sähen nicht mehr gesund aus.

Gut geht es den Bäumen tatsächlich nicht. «Der Ahorn in der Engelgasse ist ein Problembaum», sagt Gerspach. Das liegt unter anderem daran, wie die Allee angelegt ist. Gepflanzt wurden die ersten Bäume der Allee vor rund 70 Jahren. «Damals wollte man so viele Bäume wie möglich pflanzen», erklärt Gerspach. Gut für die Bäume war das nicht: Sie haben zu wenig Platz für ihre Wurzeln und an der Oberfläche bleiben neben Asphalt, Veloständern, Randsteinen und Ausfahrten teilweise nur gerade vier Quadratmeter unversiegelte Oberfläche. Ideal wären laut Fachmann zehn Quadratmeter, was aber an vielen Standorten im Stadtgebiet nicht möglich sei. «Der Ahorn ist ein guter Stadtbaum, aber wenn es ihm nicht gefällt, dann wächst er nicht.» Genau das ist an der Engelgasse passiert: Die Stadtgärtnerei musste immer wieder Bäume fällen und nachpflanzen. Darum sind viele der heutigen Bäume erst 20 bis 30 Jahre alt. Probleme bereiten zum Beispiel Pilzbefall und Salzschäden.

Hoffen auf grössere Kronen

Statt weiterhin Bäume zu pflanzen, um sie nach kurzer Zeit wieder umzusägen, weil sie nicht richtig wachsen, hat sich die Stadtgärtnerei darum für den radikalen Schritt entschieden: «Durch die Reduktion auf 50 Bäume schaffen wir aus unserer Sicht bessere Voraussetzungen für gesunde Bäume mit einer höheren Lebenserwartung», sagt Gerspach. Gepflanzt werden wieder Ahorn-Bäume, aber eine bessere Sorte – mit der Hoffnung, dass die besser wächst. Und weil 26 Bäume weniger in der Engelgasse wachsen werden, wird die Stadtgärtnerei im Rahmen von anderen Strassenprojekten im Quartier zusätzliche Bäume setzen – wie es das Baumschutzgesetz vorschreibt.

Eingepflanzt werden im Gellert übrigens rund 10 Jahre alte Bäume. Deren Kronen sind zwar noch eher klein, haben aber immerhin ein paar Äste, an denen Blätter wachsen können.