Am Montag beginnt ein neues Schuljahr, doch im Basler Bildungswesen bleiben die Probleme. Ein grosser Teil der Schüler drängt nach der Primarschule in die P-Stufe, die nach drei Jahren zum Übertritt ans Gymnasium berechtigt. Gleich 44 Prozent besuchen in diesem Jahr die stärkste der drei Sekundarschulleistungszüge. Im vergangenen Jahr waren es gar 47 Prozent, die ins Niveau P eingestuft wurden. Weit weniger populär sind die unteren Leistungszüge E und A.

Damit ist das Erziehungsdepartement (ED) weit vom Ziel entfernt, das es sich vor zwei Jahren im Zug der Bildungsharmonisierung Harmos und der Umstellung auf das Sekundarschulmodell gesetzt hatte. Die Volksschulleitung liess im November 2015 in einem Bericht verlauten, dass die «Schülerinnen und Schüler in der neuen durchlässigen Sekundarschule im kantonalen Durchschnitt möglichst gleichmässig auf die drei Leistungszüge zu verteilen sind». Konkret bedeute dies, dass mehr Schüler den neuen A-Zug als die Weiterbildungsschule (WBS) besuchen sollten.

Heute lässt sich sagen: Der erhoffte Trendwechsel ist nicht eingetroffen. In Basel gilt offenbar die gymnasiale Schullaufbahn immer noch als der Königsweg. Die Konsequenz: Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Gaby Hintermann, Präsidentin der Kantonalen Schulkonferenz, sagt: «Wie viele Kinder in den verschiedenen Leistungszügen sind, ist eine wichtige Diskussion. Auch wir Lehrer müssen uns bei der Einteilung Fragen stellen: Sind wir vielleicht zu lieb?»

Höhere Anforderungen gefordert

Dem Erziehungsdepartement ist das Problem bewusst. Es hat bereits gehandelt. «Wir haben regelmässige Austauschgefässe zwischen Lehrpersonen der 6. Primarschule und der 1. Sekundarschule zur Frage, ob die Schülerinnen und Schüler im richtigen Leistungszug sind», sagt ED-Sprecher Simon Thiriet. Zudem werde das Thema regelmässig in der Volksschulleitung diskutiert.
Viele Bildungspolitiker verlieren aber allmählich den Glauben daran, dass der sanfte Druck nützt. Oswald Inglin (CVP), Präsident der grossrätlichen Bildungskommission, sagt: «Man muss sich überlegen, etwas an den Anforderungen zu verändern.» Will heissen: höhere erforderliche Notenschnitte für die Einstufung in den P-Zug oder die Aufnahme ins Gymnasium nach der Sekundarschule. Heute reicht nach der Primarschule ein Schnitt von 5,25, um in den leistungsstärksten Zug zu kommen. Eine Durchschnittsnote von 4,5 reicht für den nächsthöheren E-Zug. Sämtliche Schüler des Leistungszugs P, die nach drei Jahren einen genügenden Notenschnitt haben, dürfen ans Gymnasium.

Sensibilisierung statt Strenge

Grossratspräsident und Bildungskommissionsmitglied Joël Thüring (SVP) ist zwar der Meinung, dass eine verstärkte «Steuerung» der Schülerzahlen in den verschiedenen Leistungszügen «unattraktiv», aber möglicherweise unumgänglich sei. Als Nicht-Akademiker beobachtet Thüring, dass immer noch die Annahme vorherrsche, die Berufslehre führe in eine Sackgasse. «Das ist natürlich eine gesellschaftliche Haltung, die nicht so schnell geändert werden kann», sagt Thüring. Deswegen würde auch er eine «generelle Erhöhung der Anforderungen» und sogar Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium begrüssen. Währenddem eine strengere Selektion bis ins linke Lager Anhänger finden dürfte, sind solche Aufnahmeprüfungen «kaum mehrheitsfähig», wie Inglin sagt. Viele Kinder von Migranten lernten in den Gymnasialjahren richtig Deutsch. Diese Möglichkeit würde ihnen entzogen, weil sie bereits an der Eintrittsprüfung scheitern würden, gibt der Christdemokrat zu bedenken.

Auch das ED setzt auf Sensibilisierung der Lehrer statt auf strengere Selektion. Eine «dezidierte Forderung» zur Veränderung der Notengebung gäbe es nicht und wäre «in unseren Augen auch nicht legitim», sagt Thiriet. Dies wäre gleichbedeutend mit einem Eingriff in die Beurteilungshoheit der Lehrer. Auch eine Quotenregelung sowie eine Aufnahmeprüfung seien «keine Option». Die Schulen seien jedoch angehalten, das Thema der Beurteilungen «intensiv» zu diskutieren.