Erlentor

Für die Bewohner eher weniger eine «Oase zum Wohlfühlen»

Moderne Wohnungen – geplagte Menschen

Moderne Wohnungen – geplagte Menschen

Die Bewohner des Erlentors wollen nicht mehr weiter vertröstet werden: Unterschriften sollen die Basler Behörden unter Druck setzen, damit es endlich Lärmschutzmassnahmen gibt. Seit dem Einzug 2008 warten die Bewohner darauf.

«Wohnen in grüner Umgebung und trotzdem mitten im Leben.» Mit diesem Slogan wirbt die Pensionskasse des Bundes Publica auf einer Homepage für die Wohnungen im Erlentor. Der Titel: «Oase zum Wohlfühlen». Wohl fühlen sich die Bewohner auf der Erlenmatt aber nur bedingt. Einer von ihnen ist Heinz Seiler. Seit er und seine Frau 2009 ins Erlentor eingezogen sind, hat sich das Gebiet massiv verändert: Ein Teil des schönen Parks sei fertig, auf unzähligen Baufeldern entstehen Wohnungen, eine Schule und ein öffentlicher Platz sollen noch entstehen. Konstant blieb eines: der Autobahnlärm. «Das ist wie ein konstant fahrender Zug», sagte Seiler an einer Quartierinformation. Thema war der Stand der Planungen auf der Erlenmatt. Und diese interessiert: Rund 100 Personen sassen am Montagabend in der tropisch-heissen Aula der International School, um den Referenten des Kantons und von Losinger Marazzi zuzuhören.

Schattenseite urbanen Wohnens

«Es wäre schade, wenn die Wohnsituation in Verruf käme wegen des Lärms», sagte Seiler weiter und stiess mit seinem Votum auf grosse Zustimmung. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen, startete Seiler gemeinsam mit dem Neutralen Quartierverein und dem Stadtteilsekretariat eine Unterschriftensammlung. «Wir möchten zeigen, dass es nicht nur Einzelne sind, die unter dem Lärm leiden.»

Als Seiler sich für die Wohnung im Erlentor entschied, war noch die Rede vom Einkaufszentrum Erlenmattgalerie. «Wir gingen davon aus, dass es rasch geht.» Das Projekt ist aber längst gestorben. Seit April entwickeln Losinger Marazzi im Auftrag der Galerie Erlenmatt AG ein Projekt mit Hotel, Verkaufs- und Büroflächen sowie Miet- und Eigentumswohnungen. Derzeit läuft eine Projektstudie, Baubeginn ist frühstens 2016. Und das geht den Bewohnern zu lange: «Wenn es noch vier Jahre dauert, bis dort ein Gebäude steht, erwarten die Bewohner jetzt schon wirksame Lärmschutzmassnahmen», sagte Seiler weiter. «Denn dort sollte seit 2012 ein Riegel stehen.»

Gross ist das Unverständnis der Erlentor-Bewohner auch darum, weil auf der anderen Seite, entlang der Gebäude, die ab 2015 bewohnt sein werden, Lärmschutzwände auf der Rampenbrücke der Nordtangente und bei der Horburgtunnel-Ausfahrt gebaut werden müssen. Dort passieren täglich 60'000 bis 70'000 Autos die Autobahn.

Nur auf dem Papier in Ordnung

Der Grund, dass auf den räumlich nahen Baufeldern verschiedene Regeln gelten, liegt in der eidgenössischen Lärmschutzverordnung. Während die Lärmbelastung auf der Nordseite die Grenzwerte überschreite, sei dies auf der Ostseite nicht der Fall, schreibt Peter Mohler, Leiter der Abteilung Lärmschutz beim Amt für Umwelt und Energie, auf Anfrage: «Die Erlenmatt-Ost ist zwar vom Lärm der Autobahn betroffen. Die Belastung liegt allerdings unter dem Planungswert, sodass keine Lärmschutzmassnahmen notwendig waren.» Und: Obwohl der Verkehr laufend zunimmt, kamen laut Mohler Messungen an der Signalstrasse 2012 zum Schluss, dass die Grenzwerte noch immer eingehalten werden. Weil keine Lärmschutzmassnahmen getroffen werden müssen, sei auch niemand verpflichtet, diese zu ergreifen oder zu finanzieren.

Dass aus rein rechtlicher Sicht alles in Ordnung ist, wird den lärmgeplagten Bewohnern nicht genug Trost sein. Das ist auch Mohler klar: «Es ist unbestritten, dass das relativ dumpfe Dauerrauschen einer Autobahn auch schon im Planungswertbereich subjektiv als sehr störend wahrgenommen werden kann.»

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