Die Bündner kennen das Problem, die Walliser auch: Berge. Will man eine Strasse bauen, dann muss sich diese den Berg- und Talverläufen entlangschlängeln. Auch Häuser und Plätze können nur dort gebaut werden, wo es der Berg zulässt.

Basel-Stadt hat sich mit dem Postbetriebsgebäude in den 70er-Jahren selbst einen solchen Berg geschafft. Er wurde derart massiv mit Beton und Stahl verstärkt, dass er heute als nicht zurückbaubar gilt. Den Verantwortlichen bleibt also nichts anderes übrig, als nach Vorbild der Bergler damit zu leben und das Beste daraus zu machen.

Wie genau diese Lösung dereinst aussehen wird, das ist noch unklar. Am Montag präsentierte die Post als Grundstückseigentümerin gemeinsam mit dem Kanton und den SBB lediglich Grundideen, wie man dem unverrückbaren Teil des Gebäudes möglichst viele attraktive Wohnungen, Bürogebäude und öffentliche Plätze abringen kann.

Das Projekt basiert auf einer Testplanung der Basler Architekten Morger Partner, die von einer «nicht zurückbaubaren» Gleisüberbauung ausgegangen sind. Ebenfalls an der Testplanung 2012 mitgemacht haben Herzog & de Meuron – allerdings mit einer Variante, die einen Rückbau der massiven Gleisquerung vorsah und unterlegen ist. «Wir stehen hinter dem Gewinnerprojekt und hoffen, dass es bald realisiert wird. Es wertet den Bahnhof als urbanen Hotspot auf», kommentiert Jacques Herzog.

Drei Wohntürme sind vorgesehen, dazu ein mehrstöckiges Gebäude mit öffentlichem Durchgang und begrünten Innenhöfen über den Gleisen. Alle Detailfragen werden in einem Architekturwettbewerb geklärt, doch es ist jetzt schon klar, dass der Kanton ein gewichtiges Wörtchen mitreden wird.

Kantonsbaumeister Beat Aeberhard sagt: «Das Nauentor verbindet das Gundeli auf eine optimale Weise mit der Innenstadt, zudem entsteht Wohnraum für rund 600 Personen an einem Ort, an dem es bisher Leerstand gab.» Dies werde auch im Bebauungsplan entsprechend festgehalten (siehe Interview).

400 Wohnungen an bester Lage

Für die Post selbst, die das Gebäude in dieser Form nicht mehr braucht, ist die Überbauung primär ein Renditeobjekt: Ähnlich wie die ebenfalls beteiligten SBB strebt die Post an, mit Mieteinnahmen der bestens erschlossenen, rund 400 Wohnungen, Geschäfts- und Büroräumlichkeiten den Service public querzufinanzieren.

Michael Heim, Leiter Portfoliomanagement bei der Post, skizzierte den Wandel der Bedürfnisse anhand historischer Bilder. Das 1908 erbaute schmucke Postgebäude war dem steigenden Bedürfnis an Postdienstleistungen nicht mehr gewachsen und musste in den 70er-Jahren durch das aktuelle Gebäude ersetzt werden. «Seither haben sich die Bedürfnisse erneut stark verändert, aktuell haben wir 40 Prozent Leerstand an bester Lage, Tendenz steigend. Gleichzeitig braucht Basel-Stadt mehr Wohnraum, und wir können einen Beitrag leisten, das Gundeli besser an die Innenstadt anzubinden», sagt Heim.

Letzteres sieht auch Quartierpolitikerin und CVP-Grossrätin Beatrice Isler so. «Das Nauentor ist eine Chance für das Gundeli. Die Pläne gefallen mir», sagt sie. Sie hoffe einzig, dass die Quartierbevölkerung noch in die Detailplanung einbezogen werde.

«Soup & Chill» muss weg

Nebst der Post, die mit 350 Millionen Franken den Löwenanteil am 450-Millionen-Projekt trägt, sind auch die SBB am Bauvorhaben beteiligt. Diese errichten auf einem angrenzenden Grundstück im Gundeli einen der drei 87-Meter-Türme.

Dort, wo dieser zu stehen kommen soll, betreibt der Verein «Soup & Chill» derzeit seine Obdachlosen-Anlaufstelle. Die ehemalige Brache wurde von Randständigen liebevoll in einen blühenden Garten zur Selbstversorgung umgewandelt und muss spätestens 2024 weichen.

Claudia Adrario, Vorstandsmitglied des Vereins, ist aber zuversichtlich, dass sie einen Ersatz zur Verfügung gestellt bekommen werden. «Wir haben mit den SBB ein sehr gutes Verhältnis, und die Verantwortlichen kennen die Wichtigkeit unserer Anlaufstelle», sagt sie.

Gleichzeitig mit den Bauplänen informierte die Post auch über die Verlegung des Logistikzentrums. Dieses soll Mitte 2020 ins Briefsortierzentrum Härkingen ziehen, 15 Arbeitsplätze werden in Basel abgebaut.

Stimmt der Grosse Rat und die Basler Regierung dem Projekt sowie der dafür nötigen Umzonung zu, rechnet die Post mit einem Baubeginn 2022 und einer Fertigstellung des gesamten Gebäudekomplexes 2028. Der Bebauungsplan wird vom 4. Juni bis 3. Juli im Baudepartement öffentlich aufgelegt.