Wiedereröffnung

Für die schicke Bio-Mode am Spalenberg «braucht es Konzepte mit klarem Profil»

Im neu gestalteten Laden am Spalenberg: Caesar von Däniken (links) und Manuel Rieder treffen mit dem Label Tarzan den Zeitgeist.

Im neu gestalteten Laden am Spalenberg: Caesar von Däniken (links) und Manuel Rieder treffen mit dem Label Tarzan den Zeitgeist.

Manuel Rieder und Caesar von Däniken vom Basler Modelabel Tarzan über ihre Wiedereröffnung, Glücksfälle und den Spalenberg.

Herr Rieder und Herr von Däniken, Sie feiern heute mit «Tarzan» nach mehrmonatigem Umbau Wiedereröffnung. Was hat sich im Laden am Spalenberg 39 verändert?

Caesar von Däniken (CD): Wir haben eine Renovation am Haus zum Anlass genommen, selber etwas zu verändern. Die Fläche des Tarzan Stores ist jetzt dank verschiedener Umstellungen ein Viertel grösser.

Manuel Rieder (MR): Nun sieht man auch das schöne Glasdach, was den Laden heller macht, moderner auch.

CD: Das Geschäft nach dem Konzept des Büros Bravo Ricky hat jetzt mehr diesen Clean Chic. Das passt zum angepassten Sortiment, das hochwertiger geworden ist, mit einigen neuen Brands.

Also auch teurer?

MR: Ein wenig, aber sie sind ausschliesslich aus Bio-Materialien. Die Kunden sind bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Wie läuft Euer Geschäft eigentlich?

MR: Wir halten uns entgegen dem allgemeinen Trend sehr gut, haben im Sommer in unserem Pop Up an der Schneidergasse mehr Umsatz gemacht, auch dank Touristen. Ein echter Glücksfall.

CD: Es hat sich gelohnt, dass wir während des Umbaus am Spalenberg auf das Pop Up gesetzt haben, so haben uns noch mehr Leute kennen gelernt, weil die Lage besser frequentiert ist als hier oben am Spalenberg. Es sind einige Stammkunden dazu gekommen.

MR: Deshalb haben wir entschieden, das Pop Up bis etwa Mai 2020 weiter zu führen, mit Outlet, Accessoires und Christmas-Specials.

Der Erfolg kann aber nicht nur an der Lage liegen. Die Leute kaufen dem Klima zuliebe zunehmend nachhaltig produzierte und ökologische Kleidung. Sie beide haben seit der Gründung von «Tarzan» im 2001 darauf gesetzt.

MR: Ja, wir profitieren sehr von diesem Umdenken und sind froh, dass dieses stattfindet. Auch in der Textilindustrie selber.

Diese gilt als zweitdreckigste Industrie überhaupt. Wo setzen Sie nebst dem ökologischen Standard sonst noch an?

CD: Wir haben den Vorteil, dass wir als kleiner Fisch agil sind und kleine Stückzahlen produzieren. So ergab sich für uns bei einem Lieferanten in Portugal die Möglichkeit, Stoffresten von grossen Designerlabels aufzukaufen, die sonst verbrannt worden wären. Tolle Baumwolle, die auf dem Abfall landet! Daraus ist eine kleine limitierte Tarzan-Kollektion entstanden, die ab heute erhältlich ist. Das möchten wir auch in Zukunft weiterführen.

Am Samstag ist die Eröffnung des Tarzans am Spalenberg.

Tarzan Basel

Am Samstag ist die Eröffnung des Tarzans am Spalenberg.

Sie pflegen enge Beziehungen zu Lieferanten und Produzenten. Beziehen Sie auch noch aus der Türkei?

MR: Nein, seit den Aufständen vor fünf Jahren aus politischen Gründen nicht mehr. Wir wollten damit ein Zeichen setzen. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt da gewesen, abzuspringen. Viele andere Händler tun diesen Schritt nun auch. Die portugiesischen Lieferanten und Produzenten profitieren davon.

Tarzan ist ein ökologisch-nachhaltiges Label. Wie aber kann man auch als Kleiderkonsument möglichst nachhaltig agieren?

MR: Wir raten allen: Tragen Sie die Kleidung so lange als möglich. Deshalb bieten wir zeitlose Mode an, die nicht irgendeinem Trend unterliegt. Ein Kleidungsstück hält lange, wenn man es entsprechend pflegt.

Das wäre aber zu Ihrem Nachteil. Dann kaufen die Leute ja weniger.

MR: Es spricht nichts dagegen, sich jede Saison wenige schöne Stücke zu leisten. Es müssen ja nicht gleich Massen an neuen Kleidern sein.

Vor bald 20 Jahren haben Sie beide aus Spass damit begonnen, T-Shirts zu bedrucken. So ist «Tarzan» entstanden. Wie viel Spass ist noch übrig?

CD: Klar ist unsere Arbeit heute eine andere, wenngleich wir oft noch selber Hand anlegen, etwa beim Bilder aufhängen oder Garderobenstangen montieren. Aber mittlerweile sind zwei Filialen in Zürich und St. Gallen dazu gekommen, wir sind auch Manager. Spass haben wir immer noch.

Welche Eurer drei Filialen läuft am besten?

CD: Schon die in Basel, das ist unser Heimmarkt. Aber auch mit St. Gallen und Zürich sind wir sehr zufrieden.

MR: Vom Sortiment her ist der Umsatz bei der Damenmode am höchsten. Die Herren dürften noch zulegen. Das ist eher schwierig.

Inwiefern?

MR: Männer kaufen vor allem Basics. Wenn etwas ein bisschen modisch ist, vielleicht auch mal in einer verrückten Farbe daher kommt, bleiben wir darauf sitzen.

CD: Also, das ist vor allem in Basel so. In St. Gallen sind sie mutiger, zur Eröffnung kamen alle piekfein gestylet. Das hat mich überrascht. Basler Männer sind etwas modefaul.

Könnte das auch an der Lage am Spalenberg liegen? «Tarzan» würde doch viel besser ins Kleinbasel passen.

MR: Ich denke nicht, dass es daran liegt. Wir sind sehr wohl hier, sonst hätten wir nicht in den Laden investiert. Klar, es hat viele alteingesessene Läden, die nicht mehr «up to date» sind. Wir wünschten uns noch mehr Geschäfte wie «Feinfracht».

CD: Es hat in den vergangenen Monaten ein paar tolle Wechsel gegeben. Zum Beispiel die Hutwerkstatt Risa, die jetzt bei «Schwarz Modes» eingezogen ist. Solche modernen Konzepte tun dem Spalenberg sehr gut. Konzepte mit einem klaren Profil.

MR: Das braucht es heute, um als Einzelhändler gut zu wirtschaften. Es ist auf jeden Fall noch möglich, trotz aller Widrigkeiten. Es sei denn, die Miete ist zu hoch. Damit kämpfen viele. Wir zum Glück nicht, unser Vermieter zeigt sich sehr kulant.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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