«Bajour»-Podium

Für einige zu lasch, für viele zu streng – hat das Basler Schulsystem Aufholbedarf?

Am ersten Podiumsgespräch des neuen Medienprojekts «Bajour» in der Markthalle brach FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler sein Schweigen.

Am ersten Podiumsgespräch des neuen Medienprojekts «Bajour» in der Markthalle brach FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler sein Schweigen.

Hat das Basler Schulsystem Aufholbedarf? Ja, fand die Politikerfamilie Mumenthaler am ersten «Bajour»-Podium.

Nun hat er es vor versammelter Runde schliesslich doch noch getan. Am ersten Podiumsgespräch des neuen Medienprojekts «Bajour» brach FDP-Grossrat und Fraktionspräsident Stephan Mumenthaler sein Schweigen. Mehr als zwei Monate ist es nun her, seit die bz offenlegte, dass der profilierte Basler Bildungspolitiker seine eigenen Kinder in Lörrach unterrichten liess.

Der Politiker wollte zum Thema nicht Stellung nehmen - zumindest bis zum Dienstagabend. Am Podiumsgespräch in der Markthalle sass Vater Mumenthaler nämlich im Publikum, sein Sohn David war als Gesprächsgast eingeladen. Der Titel der Veranstaltung - «Dumme Kinder, schlechte Schulen?» – passte zur Haltung des Politikers, der seit 2016 ganze fünf bildungspolitische Vorstösse eingereicht hat, die zeigen, dass er dem Basler Schulsystem äusserst kritisch gegenübersteht.

Mitmachnoten sollen Abhilfe schaffen

Der Grossrat blieb am Dienstagabend denn auch nicht simpler Beobachter, sondern tat seine Meinung offen kund. Basler Schüler hinkten jenen aus anderen Regionen nach, was sich bis ins Berufsleben weiterziehe: «Basler ETH-Absolventen schneiden schlechter ab als die anderen und haben dann Mühe, etwa bei der Novartis eine Stelle zu erhalten», so Mumenthaler, der beim Pharmakonzern als Leiter für Wirtschaftsfragen tätig war.

Eltern vertrauten ihre Kinder dem Staat an, damit diese etwas lernen – nicht nur fürs Leben, sondern auch für die Arbeitswelt. Gerade deswegen brauche es Leistungschecks: «Ich möchte kein Schulsystem, das auf den Vergleich verzichtet. Die Realität holt die Schüler früher oder später ein.»

Mit seiner Meinung eckte Mumenthaler an. Ein Grossteil des Publikums und der Debattierenden – so auch Jean-Michel Héritier von der Freiwilligen Schulsynode – war der Meinung, die Basler Schule übe zu viel Druck auf ihre Schüler aus, Noten würde zu viel Bedeutung beigemessen.
Dieter Baur, Leiter der Basler Volksschulen, geriet in die Defensive – und hatte die schwierige Aufgabe zu relativieren. Kritik gab es schliesslich nicht nur von jenen, welche die Schule als zu streng empfinden, sondern auch von jenen, welchen die Resultate zu schlecht sind.

Zu Letzteren gehört auch Mumenthalers Sohn David, der in einem Jahr die Matura am Münster-Gymnasium ablegt. «Basler Schüler fallen im Vergleich zur Restschweiz einfach extrem ab.» Er vermisse bei ihnen das Engagement. Einen Lösungsansatz präsentierte er auch gleich: «Was ich mir wünschte, wäre die Einführung einer mündlichen Note, die fünfzig Prozent zählt.» So könnte benotet werden, wie pünktlich die Schüler sind, wie sie den Unterricht mitgestalten und wie teamfähig sie sind.

Damit wurde auch klar, was die Familie am Lörracher Schulsystem schätzt: «In Lörrach gab es dieses System. Ich empfand diese Mitmachnote als einen guten Anreiz, Gas zu geben», so der Sohn. Die zusätzliche Bewertung sei für alle ein Ansporn gewesen. «Gerade auch für die Schüler, die schriftlich nicht so gut waren.»

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