«Waggis, Waggis, gimmer öppis!» Erwartungsvoll strecken die Binggisse in der ersten Reihe ihre Hände aus. Sie wollen ein Bhaltis vom Waggis, der auf seinem Wagen thront und seine kleinen Fans mit Plüschtieren oder Süssigkeiten zu sich lockt. Was ihnen der Waggis schliesslich in die Hände drückt oder zuwirft, ist nicht so wichtig. Hauptsache, die mitgebrachte Plastikgugge füllt sich.

Passende Bhaltis zum Sujet

Am beliebtesten, vor allem beim jungen Publikum, sind die Süssigkeiten: Dääfeli, Kaugummis, Schoggistängeli oder Sugus. Während die Kleinen mit dem Sammeln der süssen Bhaltis beschäftigt sind, konzentrieren sich die Erwachsenen auf das Fangen der Orangen und Äpfel. Und die Frauen freuen sich über die Mimösli, Rosen und Tulpen. Ungerührt nehmen sie dafür auch eine Handvoll Räppli in Kauf.

Orangen, Blumen sowie Dääfeli sind ein fester Bestandteil der Basler Fasnacht. Obwohl es keine originellen Bhaltis sind, freuen sich die Beschenkten trotzdem jedes Jahr wieder darüber. Passend zum aktuellen Sujet lassen sich die Wagencliquen aber auch Neues einfallen. So druckten gleich mehrere Cliquen spezielle Banknoten: Anstelle von Räppli flogen dann ein paar Dutzend «One Hundred Blatters»-Scheine und «Schmiirgäld»-Noten durch die Luft. Auch diese wurde von den Binggissen dankbar aufgelesen und sorgfältig in den Jackentaschen verstaut.

Am gestrigen Cortège kamen auch Gesundheitsbewusste zum Zug: Fenchel, Rüebli, Kartoffeln, Sellerie, Knoblauch und Zwiebeln wurden von den Waggissen grosszügig verteilt, ja regelrecht rausgeschmissen. Die Kleinen rümpfen beim Anblick des vielen Gemüses die Nase: «Mami, ich will das nicht. Ich will Süssigkeiten», schreit ein etwa fünfjähriger Junge. Seine Mutter hingegen freute sich bereits darauf, abends aus der fasnächtlichen Ausbeute eine Gemüsesuppe zu kochen. Zur Nachspeise lassen sich bestimmt noch einige Äpfel und Bananen sammeln. Zusammen mit einem Glas frischgepresstem Orangensaft ergebe das ein perfektes Abendessen.

Schnaps für die Durstigen

Während der Binggis auf Papis Schultern ein kleines, kitschiges Plüschtier zugesteckt bekommt, drücken die Waggisse dem durstigen Papa ein kleines Fläschchen Schnaps, einen Becher Weisswein oder eine Büchse Bier in die Hand.

Eine Gruppe Teenager in der ersten Reihe auf der Wettsteinbrücke, die bereits mehrere kleine Schnapsfläschchen geleert hat, wird vom nächsten Waggiswagen mit ganz anderen Bhaltis überschüttet: Rund ein Dutzend Kondome regnen auf die jungen Frauen und Männer nieder. Lachend bückt sich der scheinbare Anführer der Gruppe und sammelt die Gummis ein. «Me weiss jo nie.»