Die Argumentation von Michel Rusterholtz, dem ehemaligen SVP- und jetzigen BDP-Grossrat ist simpel: Als Bankrat, Unternehmer und Wirtschaftsliberaler wäre er ein guter bürgerlicher Regierungsrat für Basel. Mit dieser Idee steht er nicht alleine da. Christophe Haller (FDP) ist derzeit der einzige bürgerliche Grossrat, der sich offen hinter Rusterholtz stellt. Vor allem, wenn es in einen zweiten Wahlgang gehen sollte.

Aber aus bürgerlichen Kreisen und auch von lokalen Wirtschaftsgrössen ist immer wieder zu hören, Rusterholtz wäre der bessere Kandidat als Lorenz Nägelin, der SVPler auf dem bürgerlichen Viererticket. Innerhalb dieses Tickets soll es rumoren. Conradin Cramer (LDP), Baschi Dürr (FDP) und Lukas Engelberger (CVP) und Nägelin sollen nicht immer gut harmonieren. Ein Vorwurf, den Nägelin allerdings vehement bestreitet.

Verbände bleiben treu

Beim Gewerbeverband hiess es bereits in einer ersten Reaktion, man denke nicht daran, vom Sukkurs für das offizielle Ticket abzuweichen. Und Sprecher David Weber betont erneut: «Wenn einige Mitglieder des Gewerbeverbandes anderer Meinung sind, heisst das nicht, dass der Verband diese teilt.» Es sei auf alle Fälle so, dass «weder im Vorstand, noch in der Direktion oder sonst einer Fachstelle des Gewerbeverbandes» eine Kandidatur von Michel Rusterholtz zu unterstützen je ein Thema gewesen wäre.

Eine ähnliche Position nimmt auch Frank Linhart, der Medienbeauftragte des Arbeitgeberverbandes beider Basel: «Der Arbeitgeberverband Basel hat sich von Anfang an klar für das Viererticket Cramer-Dürr-Engelberger-Nägelin ausgesprochen und hält ohne Wenn und Aber an diesem Beschluss fest.» Dieser Beschluss sei gemeinsam mit dem Gewerbeverband und der Handelskammer beider Basel ergangen.

So überrascht auch die Stellungnahme der dortigen Sprecherin Jasmin Fürstenberger wenig: «Wir haben uns für das Viererticket Cramer, Engelberger, Dürr und Nägelin entschieden. Und dabei bleiben wir auch.»

Der Zweck heiligt die Mittel

Linhart führt weiter aus: «Der Zeitpunkt für einen Wechsel weg von einer links-grün hin zu einer bürgerlich dominierten Regierung ist jetzt günstig, deshalb braucht es eine geschlossene Unterstützung des offiziellen bürgerlichen Kandidaten-Quartetts.»

Damit spricht Linhart den Punkt an, den auch viele bürgerliche Politiker ins Feld führen, die von einem gemeinsamen Vorgehen mit der SVP eigentlich nicht begeistert sind: Eine Rückeroberung der Macht im Stadtkanton geht nur über ein Bündnis mit der SVP. «Und Nägelin war das kleinste mögliche Übel,» wie es ein ehemaliger CVP-Grossrat umschreibt. Genau deshalb wird die Kritik nur leise geäussert. Genau wie die Unterstützung für Rusterholtz.