An einem Fenster im ersten Stock hängt eine Schweizer Fahne. Das ist ein Zeichen, dass in der Geschichte der Liegenschaft der Ecke Feldberg-/Klybeckstrasse ein neues Kapitel aufgeschlagen worden ist. Dort, wo bis 2016 Flüchtlinge wohnten, sind nach der Sanierung nun Menschen untergebracht, «die nach einer Phase der Unterstützung durch die Sozialhilfe wieder Fuss gefasst haben, aber bei der Wohnungssuche noch benachteiligt sind», wie Immobilien Basel-Stadt und die kantonale Sozialhilfe 2016 in einer Medienmitteilung geschrieben haben.

Die kantonseigene Liegenschaft machte aber einst nicht als Wohnhaus von sich reden: Als das Restaurant Feldberg, das unter dem Zusatznamen «Lady Bar» lange als Rotlichtschuppen und Schnitzelbeiz genutzt worden war, 2012 zur Zwischennutzung freigegeben wurde, strömte das junge Ausgehpublikum aus ganz Basel in das Lokal – um im Restaurant die Kreationen von begabten Jungköchen zu geniessen oder vor allem im angeschlossenen Club abzutanzen.

Interessent ist abgesprungen

Doch im März 2016 war Schluss mit der Zwischennutzung. Der Kanton wollte die Liegenschaft sanieren und auf dem Areal des ehemaligen Restaurantgartens einen Neubau errichten. Seit gut einem halben Jahr sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Doch die 220 Quadratmeter grossen Räumlichkeiten im Erdgeschoss stehen noch immer leer.

Auf der Website von Immobilien Basel sind sie als «attraktive Gewerbefläche an belebter und hochfrequentierter Lage» ausgeschrieben. Für einen Bruttomietpreis von 4051 Franken pro Monat. Und mit dem Hinweis, dass ein Restaurationsbetrieb nicht möglich sei.

Barbara Neidhart, Sprecherin von Immobilien Basel-Stadt, räumt ein, dass der Kanton mit der Suche nach einem Mieter Mühe bekundet. «Wir hatten die Räumlichkeiten im vergangenen Jahr bereits schon einmal ausgeschrieben, es haben sich aber nur wenige Bewerber mit quartierdienlicher Nutzung gemeldet», sagt sie. Ein konkreter Interessent mit der Projektidee eines Kunstraums mit angeschlossenem Café-Betrieb sprang im Dezember wieder ab.

War in der ersten Ausschreibung noch von der «quartierdienlichen Nutzung» die Rede, ist die aktuelle Ausschreibung weit offener formuliert. Aber warum ist die Nutzung als Restaurant, die der Geschichte des Hauses entsprechen würde, explizit ausgeschlossen? In ihrer Antwort auf die Frage verweist Neidhart auf den Anhörungsprozess mit der Quartierbevölkerung von 2013.

Damals sei der Wunsch nach Räumlichkeiten formuliert worden, die das soziale Angebot im Quartier ergänzen. «Restaurants und Bars gibt es in der unmittelbaren Umgebung ja bereits zur Genüge», sagt sie. «Deshalb haben wir auch auf den Einbau einer Restaurantküche verzichtet.»

Mietpreis für viele zu hoch

Das Problem ist nun aber, dass sich eine «quartierdienliche Nutzung» – bei der Anhörung der Bevölkerung war unter anderem von einem Austobraum für Kinder die Rede gewesen – zu einem Mietpreis von über 4000 Franken nur schwer verwirklichen lässt. «Für Wunschprojekte, wie etwa ein Buchgeschäft mit Café-Ecke, ist das viel zu teuer», sagt Theres Wernli, Co-Leiterin des Stadtteilsekretariats Kleinbasel, die das damalige Anhörungsverfahren organisiert hatte.

Beim Mietpreis sind Immobilien Basel-Stadt aber die Hände gebunden. «Wir dürfen Nutzer rechtlich nicht über den Mietpreis subventionieren», sagt Neidhart. Also bleibt dem Vermieter wohl nichts anderes übrig, als beim Begriff «quartierdienlich» ein Auge zuzudrücken. Auch Wernli zeigt sich inzwischen recht flexibel: «Ich wäre zufrieden, wenn sich überhaupt einen Mieter finden würde», sagt sie.