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«Für uns eine Katastrophe»: Tarifstreit lässt das Kinderspital beider Basel bluten

Ob stationäre oder ambulante Eingriffe: Im Kinderspital ist vieles komplexer und dauert länger. Doch in den Tarifen wird das kaum berücksichtigt.

Ob stationäre oder ambulante Eingriffe: Im Kinderspital ist vieles komplexer und dauert länger. Doch in den Tarifen wird das kaum berücksichtigt.

2017 war schlecht, doch passen Politik oder Versicherer Tarife nicht an, sieht das Spital keine Zukunft mehr.

«Es ist eine Katastrophe», «Die IV liess uns bluten», «Das wäre der Todesstoss für die Kindermedizin»: Worte können Waffen sein, das weiss Marco Fischer genau. Der CEO des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) wählte martialisches Vokabular, um auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, mit denen sich nicht nur das UKBB, sondern auch die beiden anderen eigenständigen Kinderspitäler der Schweiz in Zürich und St. Gallen konfrontiert sehen. Die Präsentation des Geschäftsberichts 2017 mit seinen roten Zahlen (siehe Kasten) diente dabei nur als Bühne, um auf eine weit gravierendere Problematik hinzuweisen: die Tarifkonflikte.

Der Streit mit der IV eskalierte

Zum einen wäre da der akute Streit mit der Invalidenversicherung (IV), der die Erträge 2017 massgeblich verschlechterte. Die Tarifverhandlungen um einen kostendeckenden Basispreis scheiterten nämlich komplett. «Am Ende lagen unsere Positionen nur noch 50 Franken auseinander, doch die IV schaltete auf stur und liess uns bluten», sagte Fischer. Das Problem:

Da es bei der IV im Gegensatz zum Krankenversicherungsgesetz (KVG) kein geregeltes Verfahren gibt, was bei einem Scheitern der Verhandlungen passiert, wurde der Basispreis einer Behandlung einfach ans nächstgelegene Spital, das Unispital, angepasst. So muss das UKBB nun mit 11 000 Franken pro Fall auskommen. Kostendeckend wären laut Fischer erst 12'000, da Kinderbehandlungen aufwendiger seien.

Verwaltungsratspräsident Manfred Manser drückte es so aus: «Wir haben eine ungünstige Patientenstruktur.» Im Gegensatz zu den Kinderspitälern, die in ein Akutspital integriert seien, etwa jenes im Aargau, könnten Basel, Zürich und St. Gallen die Verluste nicht über Privat- und Halbprivatpatienten der Erwachsenenabteilungen quersubventionieren. «Das Gebaren der IV ist schlicht unverständlich», sagte Fischer. Und leider habe man kein Druckmittel wie etwa die Augenärzte, die schon entschieden, eine gewisse Zeit keinen Grauen Star mehr zu behandeln. «Wir können die Kinder doch nicht einfach heimschicken.»

Der zweite Konflikt betrifft den Tarif für ambulante ärztliche Behandlungen Tarmed: Auch hier können sich schweizweit Spitäler und Krankenversicherer schon länger nicht einigen. Mit dem Eingriff des Bundesrates verschärfte sich die Situation für die Kinderspitäler seit dem 1. Januar 2018 aber nochmals. Der Kostendeckungsgrad im ambulanten Bereich sank im UKBB von 78 auf nur noch 69 Prozent.

CVP-Standesinitiative macht Druck

«Der Tarif-Entscheid des Bundesrates ist für uns eine Katastrophe», sagte Fischer. Das Hauptproblem sei, dass die Grundkonsultation durch den Arzt auf 20 Minuten beschränkt wurde. «Dieses Limit können wir nicht einhalten. Kindermedizin ist keine Schnellstrasse.» Und nur deswegen die Kinder zweimal aufzubieten, sei laut Fischer «qualitativer Schwachsinn». Dass der Bundesrat für Kinder unter sechs Jahren Ausnahmeverlängerungen von 10 Minuten vorsieht, genügt nach Meinung des UKBB nicht. Allein wegen des bundesrätlichen Tarmed-Eingriffs budgetiert das UKBB 2018 einen Verlust von 4,3 Millionen Franken.

Dass die CVP in beiden Basel eine Standesinitiative lanciert hat, die für die Kinderspitäler kostendeckende Tarife im ambulanten und stationären Bereich fordert, ist da Wasser auf die Mühlen des UKBB. «Langsam wächst das Verständnis des Bundesrates», sagte Manser. Doch Fischer redete Klartext: «Es kann vielleicht noch ein bis zwei Jahre so weitergehen, doch wenn wir immer stärker bei unseren zukünftigen Investitionen sparen müssen, wäre das der Todesstoss für die Kindermedizin.» Deshalb deponiere man bei Politik und Krankenkassen Forderungen.

Unter anderem trete man noch dieses Jahr wieder in Verhandlungen mit den Trägerkantonen Basel-Stadt und Baselland, damit diese die Unterfinanzierung im ambulanten Bereich kurzfristig über die gemeinwirtschaftlichen Leistungen decken. Langfristig aber seien Tariferhöhungen zwingend.

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