Bozena Domanska
Fünf Jahre nach Kündigung: Berühmteste Care-Migrantin der Schweiz siegt vor Gericht

Nachdem sie im Fernsehen über ihre Arbeit gesprochen hatte, wurde Bozena Domanska entlassen. Jetzt gibt ihr das Gericht recht.

Jonas Hoskyn
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Die Polin Bozena Domanska arbeitet seit über 25 Jahren in der Alterspflege.

Die Polin Bozena Domanska arbeitet seit über 25 Jahren in der Alterspflege.

Roland Schmid

Vor fünf Jahren wurde die Polin Bozena Domanska schweizweit bekannt. Ein Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens thematisierte die oftmals unwürdigen Arbeitsbedingungen der meist osteuropäischen Care-Migrantinnen in der Langzeitpflege. Die Frauen betreuen hilfebedürftige Senioren in deren Zuhause, oftmals rund um die Uhr. Und das teilweise für einen Lohn von gerade mal 2000 Franken pro Monat.

Der Dokumentarfilm schlug hohe Wellen: Domanska wurde zum politischen Aushängeschild der Care-Migrantinnen. Sie gab Interviews, trat in Talk-Sendungen auf und wurde von der Zeitschrift «Beobachter» für den Prix Courage nominiert. Bei der Gewerkschaft VPOD betreut sie seither das Netzwerk Respekt, eine Plattform zur Unterstützung von ausländischen Betreuerinnen. Dieses wurde vor drei Jahren mit dem Chancengleichheitspreis beider Basel ausgezeichnet.

Die neue Aufmerksamkeit blieb nicht ohne Folgen: Gerade mal acht Tage nach der Ausstrahlung der Fernsehsendung im Sommer 2013 kündigte die Basler Firma Spitex Perspecta AG, für die Domanska seit einem halben Jahr gearbeitet hatte, das Arbeitsverhältnis und stellte sie wenige Tage später frei.

Ex-Arbeitgeber muss zahlen

Über fünf Jahre lief seither ein erbitterter Rechtsstreit. Nun gibt das Basler Appellationsgericht der Betreuerin auf der ganzen Linie recht: Die Kündigung und Freistellung von Bozena Domanska war missbräuchlich, so das Gericht in seinem Urteil. Schon das Zivilgericht hatte vor einem Jahr erstinstanzlich festgehalten, dass der eigentliche Kündigungsgrund die Teilnahme von Domanska an den Fernsehsendungen gewesen sei. Das legen auch Aussagen des Anwalts der Spitex Perspecta nahe. Auch wenn der Name der Firma im Film nicht genannt wurde, sei sie dadurch, dass ihre Kunden gezeigt wurden, mit den schwarzen Schafen der Branche gleichgesetzt worden, hatte er vor Zivilgericht argumentiert.

Den Vorwürfen, dass Domanska ihre Arbeit vernachlässigt und nach der Kündigung versucht habe, Kunden zu einem Wechsel zu bewegen, schenkte auch das Appellationsgericht dagegen keinen Glauben. Tatsächlich konnte der Arbeitgeber keine objektiven Beweismittel für seine Vorwürfe vorlegen. Die Spitex-Firma muss ihrer ehemaligen Arbeitgeberin nun den Lohn und eine Entschädigung nachzahlen plus ihre Anwaltskosten übernehmen, insgesamt über 7500 Franken.

«Wichtiges Signal»

«Als Arbeitnehmerin bin ich mit dem Gerichtsentscheid sehr zufrieden», sagt Domanska. Sie sei froh, dass das Gericht bestätigt hat, dass sie über die Arbeitsbedingungen in ihrem Job sprechen dürfe. «Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit auch über die Schwierigkeiten dieser Tätigkeit informiert wird. Nur so wird nicht nur immer über die Betreuungs- und Pflegekosten, sondern auch über die Arbeitsbedingungen von uns Betreuerinnen geredet», sagt Domanska.

Auch der VPOD ist zufrieden mit dem Urteil: «Der Fall Bozena Domanska zeigt auf, wie wichtig es ist, Transparenz im Bereich der privaten Betreuung zu schaffen», sagt Gewerkschaftssekretärin Eliane Albisser. Wer sich zu den Arbeitsbedingungen in diesem Bereich äussert, werde hart abgestraft. «Das Urteil ist ein wichtiges Signal an alle Arbeitgeber in der privaten Betreuung.»

Alessandro Hunziker, Geschäftsleiter der Spitex Perspecta AG, sieht sich dagegen weiterhin im Recht. «Das Gericht war sehr arbeitnehmerfreundlich. Das Urteil ist nicht nachvollziehbar.» Er habe dieses nur akzeptiert, weil er die Angelegenheit endlich abschliessen will. Hunziker hält an seiner Version fest: «Es gab mehrmals Reklamationen, dass Frau Domanska ihre Arbeit vernachlässigt.» So sei sie unter anderem einmal früher gegangen, um an der 1. Mai-Demo teilzunehmen. Der Dokumentarfilm dagegen sei ihm ziemlich egal und nicht der Kündigungsgrund gewesen.