Polemik
Für Andreas Glarner ist Basel «verlorenes Terrain»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner sieht in türkischstämmigen Basler SP-Politikern ein Problem für die Schweiz.

Jonas Hoskyn
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Die Basler SP und Andreas Glarner werden keine Freunde

Die Basler SP und Andreas Glarner werden keine Freunde

zvg/az

«Wollen wir das wirklich in der ganzen Schweiz?», fragt der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf seiner Facebook-Seite und stellt einen Wahlkampfflyer der Basler SP vom vergangenen Herbst daneben.

Auf dem Flyer sind zwölf türkischstämmige Grossratskandidaten abgebildet, darunter die gewählten Parlamentarier Mustafa Atici, Edibe Gölgeli und Seyit Erdgan. Der Flyer ist eine Zusammenstellung der Grossratskandidaten mit türkisch-kurdischem Migrationshintergrund und war speziell für Wahlwerbung in deren Kreisen vorgesehen. Glarner spielt mit seinem Beitrag auf die bevorstehende Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung junger Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation an.

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Zu Dutzenden liessen die Anhänger Glarners in der Kommentarspalte ihren Gedanken freien Lauf. «Papierlischwiizer» war dabei noch einer der netteren Begriffe. Neben Beschimpfungen wurden auch klare Aufrufe zur Gewalt verfasst. Dies rief die Basler SP-Präsidentin Brigitte Hollinger auf den Plan. Sie suchte das Gespräch mit Glarner. «Es war ein sehr frostiges und nicht zielführendes Telefonat», sagt Hollinger. Auch Glarner bestätigt: «Es wurde schnell ruppig.»

Am Freitag thematisierte er auch das Telefonat auf seiner Facebook-Seite, worauf die Hasstiraden gegen Hollinger starteten.

Er könne nicht alle Kommentare kontrollieren, rechtfertigt sich Glarner. Er habe mit dem Wahlflyer zeigen wollen, wohin die erleichterte Einbürgerung führe. «Als Schweizer ist man bald fremd im eigenen Land. Basel ist verlorenes Terrain», so Glarner.

Pikant: Glarner hatte den Flyer bereits im Herbst auf seine Facebook-Seite gestellt, damals mit dem Kommentar: «Hier ist jede Bemerkung überflüssig und eventuell neuerdings sogar strafbar.» «Er weiss nichts von diesen Personen und verunglimpft sie durchs Band. Das sagt viel über ihn aus», kontert Hollinger. «Politiker wie Glarner sind Brandstifter. Sie vergiften das politische Klima.» Sie sei stolz, dass die SP so viele Kandidierende mit Migrationshintergrund habe, welche sich engagieren und partizipieren wollen. «Als Präsidentin empfinde ich es als meine Pflicht, mich gegen das verleumderische Vorgehen einzusetzen.»