OSZE-Konferenz
«Für Basel ist dieses Treffen eine Riesenchance»

André Metz aus Riehen ist «Liaison-Officer» am OSZE-Kongress - eine Art Führer mit offiziellem Status. Für die bz wirft er einen Blick hinter die Kulissen.

Moritz Kaufmann
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André Metz wohnt in Allschwil. Während der Konferenz schläft er aber im Hotel. In der Volkshaus-Bar erklärt er seinen Job als «Liaison-Officer.»

André Metz wohnt in Allschwil. Während der Konferenz schläft er aber im Hotel. In der Volkshaus-Bar erklärt er seinen Job als «Liaison-Officer.»

Martin Toengi

Er ist einer von vielen, die das Ministerratstreffen in Basel erst möglich machen: André Metz sieht sich als «Mosaiksteinchen», das zum Erfolg in einem grossen Ganzen beiträgt. Der 44-jährige Jurist arbeitet an der OSZE-Konferenz als «Liaison-Offizier» – eine Art Führer mit offiziellem Status. Als Ortskundiger betreut er die isländische Delegation. Metz, der in Riehen aufgewachsen ist und heute in Allschwil wohnt, arbeitet normalerweise im Eidgenössischen Finanzdepartement in Bern. Ursprünglich wollte er selber mal in den Diplomatischen Dienst, hat dann aber der Familie zu liebe auf das viele Reisen und Umziehen verzichtet. Umso mehr freut er sich, in die internationale OSZE-Welt einzutauchen.

Herr Metz, Sie sind ein Schweizer «Liaison-Officer» am OSZE-Kongress. Was ist das genau?

André Metz: Der Grundauftrag ist, den Kontakt zu seiner Delegation herzustellen und dieser für die unterschiedlichsten Fragen und Situationen hilfreich zur Seite zu stehen. Hierzu gehört unter anderem, die ihm zugewiesene Delegation mit den verschiedenen Örtlichkeiten vertraut zu machen, aber auch durch die einzelnen Termine zu führen. Er organisiert also zum Beispiel Konferenzzimmer für bilaterale Gespräche. Er schaut, dass die Leute zur rechten Zeit am rechten Ort sind. So holt er die Leute ab am Bahnhof oder am Flughafen. Die «Head of Delegations» werden speziell auf dem Rollfeld empfangen und zu ihrer Unterkunft begleitet.

Ein «Head of Delegation» ist der Aussenminister?

Zum Beispiel. Es kann aber auch ein Botschafter oder ein Generalsekretär sein, wenn der Aussenminister verhindert ist. Das ist ja ein grosser Gewinn von so einem Treffen. Das Zwischenmenschliche spielt eine wesentliche Rolle. Die Leute freuen sich richtiggehend, sich wieder zu sehen und begrüssen sich sehr herzlich.

Das Treffen findet mitten in der Stadt statt ...

... ja, auch das kann positiv gewertet werden. Ich weiss, es gibt auch andere Meinungen. Aber die Delegationen schätzen das enorm, so weit ich das mitgekriegt habe. Die einzelnen Delegationen haben nur äusserst beschränkt freie Zeit. So ist es aber trotzdem möglich, etwas von unserer schönen Stadt zu sehen. Basel bietet doch enorm viel. Gestern sagten mir die Leute meiner Delegation, wie sehr sie sich freuen, in der Nacht dann noch in die Altstadt zu gehen.

Wie machen sich die Schweizer Gastgeber?

Gerade habe ich gehört, dass sie es sehr gut machen, auch im Vergleich zu anderen Ländern. Es wird geschätzt, dass nicht immer bis zwei Uhr nachts verhandelt wird. Die Schweizer haben den Ruf, sich auf die wesentlichen Punkte zu fokussieren.

Sie betreuen die isländische Delegation. Wie kam es dazu?

Das EDA hat – um genügend Liaison-Offiziere zur Verfügung zu haben – innerhalb der Bundesverwaltung angefragt. So kam ich dazu. Ich habe mich sehr darauf gefreut und war gleichzeitig sehr gespannt, was mich denn so alles erwarten wird. Wir sind 180 Liaison-Offiziere und konnten im Vorfeld Vorlieben zur Betreuung von Staatendelegationen angeben. Das EDA hat dann versucht, dies zu berücksichtigen. Tatsächlich wurde mir dann Island zugewiesen. Ich hatte aber noch andere Staaten auf der Liste, die ich auch sehr interessant fand.

Aber es gibt auch die Sicherheitsvorkehrungen.

Die müssen getroffen werden. Das ist weltweit so. Dass es Gegenveranstaltungen und auch Demonstrationen gibt, ist in einer Demokratie normal.

Glauben Sie, die Basler unterschätzen, was die OSZE-Konferenz bedeutet?

Ich weiss nicht, ob es ein «Unterschätzen» ist. Das eigene Hemd ist einem einfach am nächsten. Man sieht zuerst einmal die Einschränkungen. Es ist klar: Wenn man auf den Bus umsteigen muss, um zur Arbeit zu gelangen, anstatt direkt mit dem Tram zu fahren, oder wenn man als KMU betroffen ist, verstehe ich das sehr gut. Ich weiss nicht, ob das Treffen einen Rückhalt hat in der Bevölkerung. Aber es wird akzeptiert. Es gibt ja durchaus auch einen «Return on Investment».

Die eigentliche Konferenz fängt heute an. Ist das für Sie die intensivste Zeit?

Na ja, es war schon die ganze Woche intensiv. Meine Delegation ist am Montag eingetrudelt. Am Dienstag und Mittwoch fanden dann die vorbereitenden Sitzungen statt. Ab Donnerstag beginnt dann das Ministertreffen mit diversen vorgegebenen Kriterien.

Das braucht enorme Vorbereitung.

Ja, wir haben das im Vorfeld durchgespielt. Das alles hat ja einen sehr kurzen Zeitrahmen. Verspätungen gehen eigentlich nicht. Viele sind es sich nicht bewusst, aber der Aufwand im Hintergrund ist enorm. Das sind zwei Jahre intensivste Vorbereitung. Deshalb ist es für Basel auch so eine Riesenchance, einen Anlass in dieser Grössenordnung durchführen zu dürfen. Das katapultiert die Messestadt Basel in ganz andere Sphären.

Wann ist die Konferenz für Sie ein Erfolg?

Einerseits, wenn sie ohne grosse Zwischenfälle über die Bühne geht. Ein Ereignis würde vieles überschatten. Andererseits, wenn man sich zu gewissen Lösungen durchringen könnte. Vielleicht kann Basel wirklich eine Basis für eine nachhaltige Lösung bieten. Das wäre wie ein Weihnachtsgeschenk.