Bäderbilanz
Für die regionalen Badis ist dieser Sommer gelaufen

Die Gartenbäder der Region ziehen schon jetzt Bilanz – und die ist katastrophal. 20 bis 30 Prozent weniger Eintritte wurden verzeichnet. Doch nicht alle Bäder haben den Sommer 2014 abgeschrieben: Eine grosse Ausnahme gibt es.

Annika Bangerter
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Keine Menschenseele in der Badi. Nur das volle Bassin und die grünen Bäume im Bachgraben erinnern einen daran, dass es kein Wintertag ist.

Keine Menschenseele in der Badi. Nur das volle Bassin und die grünen Bäume im Bachgraben erinnern einen daran, dass es kein Wintertag ist.

Kenneth Nars

Leere Liegestühle, nasser Rasen und nur vereinzelte Schwimmer in den Becken: Die Gartenbäder der Region trotzen zwar dem Regen, doch die Gäste bleiben weitgehend aus. Eine Umfrage der bz zeigt: Nachdem etliche Gartenbäder in der Region im Juni – allen voran an Pfingsten – ihren diesjährigen Besucherrekord verzeichneten, fiel die Badi-Saison im Juli und in den ersten Augustwochen wortwörtlich ins Wasser. «Wir werden wohl zwischen 20 und 30 Prozent weniger Eintritte verzeichnen als in einem guten Jahr», schätzt Eric Hardman, Leiter der Sportanlagen beim Basler Sportamt. In einer schlechten Saison würden die drei Gartenbäder der Stadt Basel um die 400 000 Eintritte registrieren. «Bis jetzt haben wir diese Marke noch nicht geknackt», sagt Hardman.

Dies, obwohl an Pfingsten innert dreier Tage gleich 50 000 Besucher eine Abkühlung in den Basler Badis suchten. Regelrecht überrannt worden seien die Gartenbäder damals. Ein Zustand, der normalerweise in den Sommerferien stattfinde. Doch das wechselhafte und regnerische Wetter verhinderte den Gästeansturm. Auch wenn Schwimmfreudige wegen des Hochwassers im Rhein nicht baden durften, zog es sie nicht in eines der Gartenbäder: «Die Menschen waren nicht in der Stimmung zum Schwimmen», stellt Hardman lapidar fest.

Dem Neuling gehts prächtig

Ein Umstand, der weniger die subventionierten Bäder betrifft, sondern vielmehr die privaten Pächter der Badi-Gastronomie. «Wir sind abhängig von den Badegästen. Vor allem die Sommerferien sind wichtig für unser Hauptgeschäft», sagt Christoph Schaub, gastronomischer Betriebsleiter im Gartenbad St. Jakob. Er kennt das Wetterrisiko – schliesslich arbeitet er seit 14 Jahren im Joggeli: «Es ist schade um die Vorbereitung. An Pfingsten erhielten wir so viel Bestätigung – und jetzt kommt nichts mehr. Es ist eine ganz schwache Saison.» Indem er ganzjährig einen Kiosk im St. Jakob betreibt, kann er dank einer Mischrechnung die Defizite ausgleichen. «Auf diesen ergänzenden Betrieb sind wir angewiesen», hält er fest.

Wie die Mehrheit der befragten Gartenbäder beschäftigt Schaub Angestellte, die auf Abruf arbeiten. Bei dem schlechten Wetter bleibt die Arbeit jedoch aus. «Mir tun die jungen Leute leid, die sich mit einem Sommerjob etwas dazuverdienen wollten», sagt Schaub.

Auch Norbert Zempf vom Schwimmbad Nau in Laufen bestätigt, dass es die Saisonangestellten – vor allem Schüler und Studenten – am stärksten trifft. Doch der Betriebsleiter betont: «Wenn jemand zum Jäten bereit ist, dann setze ich ihn in der Gartenarbeit ein.» Die Festangestellten bereiten hingegen bereits jetzt die nächste Saison vor und übernehmen vermehrt Büroarbeiten. Das Schwimmbad Nau verfügt über ein geheiztes Wasserbecken. Deshalb ist das Wasser um die 23 Grad warm, was immerhin auch an kühlen Tagen um die 50 Badegäste anlockt. «Die treuen Eisbären halten durch», schmunzelt Zempf. Deshalb will er die Öffnungszeiten nicht verkürzen.

Die Zahl der Eintritte in den angefragten Badis liegt deutlich unter dem Durchschnittswert. Gemäss Aldo Battilana, dem Betriebsleiter des Gartenbades in Reinach, verzeichnet seine Badi bis anhin 43 000 Eintritte – eine durchschnittliche Saison bringt jedoch 75 000 Gäste. So wie in Reinach präsentieren sich im Verhältnis alle Eintrittszahlen. Nur das Naturbad in Riehen übertrifft alle Erwartungen. Das im Juni neu eröffnete Bad lockte bereits 35 000 Badegäste an. «Wir rechneten mit 30 000 Eintritten für die gesamte Saison – jetzt sind wir bereits darüber. Für uns ist es sogar überwältigend gut angelaufen», freut sich der Leiter Roger Wyden. Im Gegensatz zu anderen Bädern ziehe es die Besucher auch nach einem verregneten Morgen in das Naturbad. «Es muss nicht über 30 Grad heiss sein», sagt Wyden.

Mehr Regen heisst mehr zu tun

Zurücklehnen kann sich kein Badi-Betreiber, auch wenn die Gästeschar gering ausfällt. «Die Arbeit verlagert sich durch das schlechte Wetter», betont Jörg Schumacher, Betriebsleiter des Schwimmbads Arlesheim. «Ein Badmeister hofft immer, dass seine Wiese gelb ist. Gelb, weil so viele Menschen darauf gelegen haben. Zurzeit könnten die Wiesen nicht grüner sein.» Deshalb halte die Gartenarbeit ihn und sein Team auf Trab. «Bei diesem Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit wächst die Vegetation stärker als sonst.»

Er muss häufiger als bei heissem Wetter mit seinem Rasenmäher ausrücken und die Grünanlage pflegen. Schumacher tröstet sich damit, dass erfahrungsgemäss nach den Schulferien das gute Wetter wieder einkehrt. Wie die anderen Badi-Betreiber hofft er auf ein paar heisse Tage und Wochenenden im August. Die Gartenbäder in der Region sind auf jeden Fall für eine spätsommerliche Hitzewelle gerüstet: Die Glacen liegen in der Kühltruhe und auf dem frisch geschnittenen Rasen warten die Liegestühle nur darauf, aufgeklappt zu werden.