Olympia
Für seinen Traum muss er alles aus der eigenen Tasche bezahlen

Ruderer Simon Niepmann vom Basler Ruder-Club ist so gut wie nie zuvor – von seinem Sport leben kann er aber nur knapp.

Fabio Baranzini
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Überlebt dank Sportförderung, Sporthilfe und Sponsoren: Simon Niepmann vom Basler Ruder-Club. Archiv

Überlebt dank Sportförderung, Sporthilfe und Sponsoren: Simon Niepmann vom Basler Ruder-Club. Archiv

Fabio Baranzini

Die Mehrheit aller Spitzenruderer dieser Welt gewinnen in ihrer gesamten Karriere nicht annähernd so viele wichtige Rennen wie Simon Niepmann in dieser Saison. Der 30-Jährige holte sich im Leichtgewichts-Vierer einen Weltcupsieg, gewann den Gesamtweltcup, den EM-Titel und vor etwas mehr als einer Woche als Krönung noch den WM-Titel.

Auch das Ticket für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat er in der Tasche. «Das war die beste Saison meiner Karriere», freut sich Niepmann. «Es ist weit mehr, als ich zu hoffen gewagt habe.»

Nach der langen und intensiven Saison gönnt sich Simon Niepmann drei Wochen Ferien. Zum Ruder greift er in diesen Tage nicht. «Momentan schlafe ich viel, lagere die Beine hoch und mache einfach das, worauf ich Lust habe», beschreibt der Wahlbasler seinen derzeitigen Tagesplan.

Schliesslich müssen die Batterien wieder aufgeladen werden, denn Niepmann will mit seinen Teamkollegen Lucas Tramèr, Mario Gyr und Simon Schürch auch im kommenden Jahr für Furore sorgen.

Zufällig zum Rudern gefunden

Niepmann, der im rund acht Kilometer von Basel entfernten Grenzach-Wyhlen auf der nördlichen Seite des Rheins aufgewachsen ist, stiess zufällig auf den Rudersport. Sein zwei Jahre älterer Bruder ruderte im dorfeigenen Club und nahm seinen Bruder eines Tages mit ins Training.

Und Simon Niepmann, der zuvor verschiedene Sportarten ausprobierte hatte, jedoch nie einem Verein beigetreten war, fand auf Anhieb gefallen daran. Schnell feierte er erste Erfolge in Deutschland, musste sich jedoch im Alter von 17 Jahren nach einem neuen Partner umsehen, da sein Teamkollege seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste. Fündig wurde der deutsch-schweizerische Doppelbürger beim Basler Ruder-Club, dem er noch heute angehört.

Neben dem Rudersport, wo er sich an der nationalen und später auch an der internationalen Spitze etablieren konnte, widmet sich Simon Niepmann seiner Ausbildung. An der Uni Basel studiert er Geografie und Sport mit dem Ziel, Kantonsschullehrer zu werden. «Bis es soweit ist, muss ich nur noch die Masterarbeit schreiben. Ich hoffe, dass ich diese noch vor den Spielen in Rio abgeben kann», sagt Niepmann.

Keine Preisgelder

An erster Stelle steht beim 30-Jährigen jedoch der Sport. Dank seinen grossen Erfolgen – bereits vor dieser Saison gewann Niepmann die Studenten-WM (2008) und mit Lucas Tramèr im Leichtgewichts-Zweier ohne zwei WM-Titel (2013/14) – kann er seit etwas mehr als zwei Jahren vom Rudersport leben.

Und das, obwohl es keine Preisgelder zu gewinnen gibt und Niepmann auch als mehrfacher Weltmeister selbst für Trainings- und Reisekosten aufkommen muss. «Dank der Spitzensport-Förderung des Kantons Basel-Stadt, der Schweizer Sporthilfe und einigen weiteren Sponsoren kann ich vom Rudern leben», sagt Niepmann.

«Reich werde ich nicht, und wenn ich später als Lehrer arbeite, werde ich deutlich mehr verdienen als jetzt. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass ich ausschliesslich vom Sport leben kann.»

Noch hat Simon Niepmann einige freie Tage vor sich. Bereits in zwei Wochen beginnt aber wieder der harte Trainingsalltag. Dann wird Niepmann, der mittlerweile in der Zentralschweiz wohnt, wieder sechs Tage pro Woche im nationalen Ruderzentrum in Sarnen trainieren.

Bis zu drei Einheiten stehen pro Tag auf dem Programm. 30 Stunden Training pro Woche sind keine Seltenheit. Da ist viel Disziplin gefordert. Ausbildung und Privatleben müssen hinten anstehen.

Diese Strapazen nimmt Simon Niepmann auf sich, um sein grosses Ziel zu erreichen: Er will im nächsten Sommer im Leichtgewichts-Vierer eine Olympische Medaille gewinnen.