Das spannende Fazit offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Auf den ersten kommt die Studie der Credit Suisse (CS) wie ein Fussballspiel daher, bei dem nur Schiedsrichter auf dem Feld stehen: als Sammlung von Fakten wie die starke Bevölkerungskonzentration in der Stadt und im Bezirk Arlesheim, noch extremer die Konzentration der Jobs, Vergleiche der Steuerbelastung für Unternehmen und Private, Spitaldaten, Pendlerströme und so weiter. Fusionsgegner wie -befürworter finden Argumente für ihre Position, Tore fallen aber keine. Eine Kostprobe: «Aus kurzfristiger Sicht wäre eine Fusion sehr kostenintensiv, langfristig bietet sie allerdings Chancen.»

Trotzdem kommen die Schiedsrichter zu einer Aussage: Es kommt darauf an, wie gespielt wird. Im O-Ton: «Entscheidend über Erfolg und Misserfolg einer allfälligen Fusion sind weniger die A-priori-Vor- oder Nachteile als vielmehr deren Umsetzung.» Im Klartext: Es geht nicht darum, die Halbkantone kompromissmässig ausgewogen zusammenzuschustern. Vielmehr müsste der Verfassungsrat neue Ziele setzen. «Diese dürfen durchaus, ja sollen sehr ambitioniert sein», schreibt die CS in der publizierten Studie. Das «Jahrhundertprojekt» könne nur gelingen, wenn «in einem Kraftakt aller Beteiligter ein ‹grosser Wurf› ins Auge gefasst wird.» Eine derartige Vision könnte die Bevölkerung begeistern und sicherstellen, «dass der ‹Schnauf› für dieses langwierige Vorhaben nicht ausgeht».

Als mögliche visionäre Ziele nennt die CS-Forschungsabteilung «eine eindeutige Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden, klare Kompetenzzuordnung innerhalb der Verwaltung und effiziente Leistungserbringung». Zudem könnte der Verfassungsrat Einsparungsziele definieren, bevor er mit dem Ausmerzen der Doppelspurigkeiten beginnt.

Auf jedes Ja folgt ein Aber

Die abwägende Nüchternheit und die Schlussfolgerung, dass es eben auf die Art und Weise und die Ziele einer Fusion ankäme, führt immer wieder zu Sowohl-als-auch-Aussagen. So stellt die Studie beispielsweise fest, dass in einem fusionierten Kanton die Spitalplanung einfacher wäre. «Eine Spezialisierung oder räumliche Konzentration einzelner Leistungen wäre vermutlich mit weniger politischem Widerstand zu erreichen.»

Zudem würde der vor allem im Baselbiet gewichtige, «schwer abschätzbare Kostenblock der ausserkantonalen Spitalkosten» wegfallen, da den Patienten die Leistungen innerhalb des neuen Kantons zur Verfügung stünden. Doch wer dies als Plädoyer für eine Fusion sieht, wird auf den nächsten Zeilen auf den Boden zurückgeholt: «Auch ohne Kantonsfusion kann die überkantonale Zusammenarbeit bei der Spitalplanung intensiviert werden.»

Chancen einer Fusion

Unter anderem zeigt die CS als Chance einer Fusion auf, dass für die Firmenansiedlung ein Kanton Basel Vorteile böte: Ein Unternehmen könnte seine Verwaltung in den Büros der Stadt ansiedeln, Produktion und Logistik hingegen auf dem im Baselbiet noch verfügbaren Bauland, ohne dass eine Firma den bürokratischen Aufwand auf sich nehmen müsste, der sich aus der Verteilung auf zwei Kantone ergibt. Auch die Raumplanung – wo wird gewohnt, wo gearbeitet – könnte durch eine Fusion vereinfacht werden.

Dass schon heute der Wohnraum und die Bevölkerung im Baselbiet stärker wachsen und die Arbeitsplätze sich primär in der Stadt konzentrieren, führt dazu, dass heute vor allem über die Kantonsgrenze gependelt wird. Die für diese Pendlerströme nötigen öV-Investitionen könnten in einem fusionierten Kanton effizienter umgesetzt werden.» Diskussionen wie beim Margarethenstich würden entfallen: «Nutzniesser und Zahler würden von denselben politischen Gremien vertreten, die entsprechende Debatte würde auf parlamentarischem Weg erfolgen.»

In jedem Fall Grenzen abbauen

Doch dann folgt der Hinweis, dass es neben der Fusion für die Kantone auch die Möglichkeit gäbe, «die Grenzen durchlässiger zu machen, indem sie bei überkantonalen Themen kooperieren.» Ein Fusionsprozess wäre nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Ausgangslage bei den Steuern und der Verschuldung sehr komplex. Bezüglich des interkantonalen Finanzausgleichs seien keine Veränderungen zu erwarten: Der neue Kanton würde also den gleichen Betrag überweisen wie die beiden Basel bis anhin. Allerdings würde beim Lastenausgleich ein Nachteil insgesamt 3,9 Millionen Franken entstehen, da das fusionierte Basel weniger extreme Sonderlasten aufweisen würde als das heutige Basel-Stadt.

Auf der anderen Seite dürfte «die beträchtliche Heterogenität des neuen Kantons in einzelnen Politikbereichen die Einigung auf einheitliche Ziele erschweren.» Deshalb die Schlussfolgerung: «Grosses kann nur mit klaren Zielen entstehen.»

Die Reaktionen deuten auf selektive Wahrnehmung hin: Der fusionspositive Verein «ein Basel» sieht sich durch die Studie bestätigt, und die mehrheitlich fusionsnegative Baselbieter Regierung bedankt sich für den «Beitrag zur Meinungsbildung».