Kantonsfusion

Fusions-Abstimmung hat in Basel noch kein Feuer entfacht

Beim Chienbäse in der Baselbieter Hauptstadt brennt das Feuer. Es mag aber nicht auf Fusionsdebatte übergreifen.

Beim Chienbäse in der Baselbieter Hauptstadt brennt das Feuer. Es mag aber nicht auf Fusionsdebatte übergreifen.

Die bevorstehende Abstimmung über die Fusion beider Basel hat in der Stadt Basel bisher nur wenig Emotionen entfacht. Ein Fusionsbefürworter nennt es eine «Eigentlich können wir es auch ganz gut alleine»-Haltung.

Es ist möglicherweise die wichtigste Abstimmung einer ganzen Generation. Staatsrechtler, Historiker, die ganze Schweiz werden hinschauen. Und schon bald muss man sich entscheiden. Sollen Basel-Stadt und Baselland sich wieder zu einem Kanton vereinen, wie es vor langer Zeit einmal war? Oder doch lieber getrennte Wege gehen?

Sicher: Am 28. September wird nicht eigentlich über ein Zusammengehen oder ein Alleinbleiben entschieden. Wer dann Ja einlegt, sagt nicht automatisch Ja zu einem Kanton Basel. Erst mal gehts darum zu entscheiden, ob ein – jahrelang dauernder – Prüfungsprozess in Gang kommen soll. So gesehen ist der Urnengang in fünf Wochen erst die Vorstufe zur wichtigsten Abstimmung einer Generation. Andererseits: Sagt einer der beiden Kantone Nein, ist das Projekt gestorben. Dann wird – wenn überhaupt – in der nächsten Generation wieder darüber diskutiert. Und wer heute schon weiss, dass er oder sie gegen eine sogenannte Kantonsfusion ist, der dürfte am 28. September kaum ein Ja einlegen. Insofern geht es eben doch um alles oder nichts. Nur: Warum bleibt es so still?

Nonchalance oder Desinteresse?

Im Baselbiet gibt es eine laute und entschlossene Gegnerschaft der Fusion, die auch am 28. September für ein Nein wirbt. Dies zum Beispiel am Sonntag im Rahmen des «Freiheitsfests» in Wenslingen, an dem drei der fünf Baselbieter Regierungsräte teilnahmen. Auch gibt es ein sehr engagiertes Pro-Komitee, das während der Sommerferien sämtliche 89 Baselbieter und Basler Gemeinden abwanderte. Doch abgesehen davon lässt die Abstimmung jene Menschen, die nicht gerade persönlich politisch engagiert sind, eigenartig kalt.

Dies gilt besonders für Basel-Stadt. Die Stadt, die besonders fusionsbegeistert sein soll. Die Stadt auch, die laut einem Abstimmungsplakat der Gegner das Land mit einem Zückerchen ködern und in einen Hinterhalt locken will. Doch spricht man in der Stadt die Abstimmung an, löst man damit in erster Linie Schulterzucken aus. Dafür, dagegen... Wie hat der FCB gespielt? Eine Haltung, die man sowohl als sympathische Nonchalance als auch als bewusstes Desinteresse interpretieren kann.

Als Arroganz ausgelegt

Wer diese Beobachtung schon gemacht hat, ist nicht allein. Selbst Hans Rudolf Bachmann, ehemaliger Grossrat und engagierter Fusionsbefürworter, ists aufgefallen: «Es ist so: Die Fusionsabstimmung bewegt in Basel nicht.»

Doch woran liegt es? An der allgemeinen Politikverdrossenheit? Daran, dass erst wenige Plakate hängen? An einer von hypernervösen Alarmismus-Medien verursachten Abstumpfung? Ganz so schlimm kann es nicht sein. Es gibt sie ja immer noch, diese politischen Fragen, über die man mit Wildfremden im Tram zu diskutieren beginnt. Warum also nicht bei dieser so zentralen Frage?

Fusionsbefürworter Bachmann hat dafür seine eigene Erklärung. Er blickt weit in die Geschichte zurück. «1476 bekam Karl der Kühne aufs Dach. Basel sah sich den Franzosen und den Burgundern gegenüber.» Wen unterstützen, war die Frage. «Basel hat sich dann der Schweiz angeschlossen – mangels besserer Alternativen.» Diese «Eigentlich können wir es auch ganz gut alleine»-Haltung sei heute in der Stadt noch spürbar. «Manchmal wird der Stadt dies als Arroganz ausgelegt», fügt Bachmann an.

Es könnte natürlich auch naheliegendere Gründe geben. Die ganze Frage ist doch relativ abstrakt. Neuer Kanton, neue Verfassung? Was heisst das für mich persönlich? Auch der Umstand, dass eine tatsächliche Fusion noch weit in der Zukunft liegt, macht die Sache nicht konkreter.

Nun steht also der Abstimmungskampf bevor. Die ersten Plakate sind schon sichtbar und auch Inserate wurden schon geschaltet. Es wird Podiumsdiskussionen geben und Stände in den Innenstädten. Vielleicht wird doch noch ein Feuer entfacht. Und wenn nicht, dann hat Peter Schai, ehemaliger Grossratspräsident, die wohl plausibelste Erklärung dafür: «Die Abstimmung wird auf dem Land entschieden. Den Basler bleibt gar nichts anderes, als zuzuschauen.»

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