Gewaltprävention
Fussball-Projekt «Zoffstopp» wird auf weitere Sportarten ausgeweitet

Das Fussball-Projekt «Zoffstopp» wurde vor zwei Jahren lanciert. Jetzt hat Sport Basel das Projekt vom Kanton übernommen. Der Dachverband des privatrechtlichen Sports hegt grosse Ausbaupläne.

Valentin Kressler
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Bianca Jasmund ist künftig nicht nur auf Fussballplätzen anzutreffen

Bianca Jasmund ist künftig nicht nur auf Fussballplätzen anzutreffen

Der Basler Regierungsrat Christoph Eymann (LDP) wird nicht nur als Schulreformer in die Politgeschichte eingehen, sondern auch als Sportförderer. 2009 initiierte der Sportminister und ehemalige Handballer das Projekt «Zoffstopp» und sorgte damit für ein grosses Medienecho. Um was geht es? Der Kanton Basel-Stadt finanzierte dem Fussballverband Nordwestschweiz eine Anlaufstelle für Fussballer, Funktionäre und Angehörige mit dem Ziel, der Gewalt auf Fussballplätzen entgegenzuwirken.

Seither wirkt Bianca Jasmund (50) an dieser Stelle. Die frühere Juniorentrainerin war schon zuvor beim Fussballverband tätig. Es sei wichtig, dass man im Kanton eine gute Struktur habe,um Gewalt auf und neben den Fussballplätzen zu bekämpfen, begründete Regierungsrat Eymann die ungewöhnliche Massnahme im September 2009.

«Zoffstopp» ist offenbar ein Erfolg. Das Projekt soll nun nämlich auf weitere Sportarten ausgeweitet werden. Entsprechende Informationen des «Sonntags» bestätigen sowohl Günter Hulliger, Präsident von Sport Basel, als auch Sandro Penta vom Sportamt Basel-Stadt. Offizieller Startschuss ist die Delegiertenversammlung von Sport Basel am 5.März
in der St.Jakobshalle. Dann wird «Zoffstopp» präsentiert und angekündigt, dass sich das Projekt künftig auch um weitere Sportarten kümmern wolle.

Durch Swisslos-Gelder finanziert

Die Delegiertenversammlung von Sport Basel ist ein gut gewählter Zeitpunkt für die offizielle Ankündigung. Seit Anfang Januar dieses Jahres hat Sport Basel, der Dachverband des privatrechtlichen Sports im Kanton Basel-Stadt, «Zoffstopp» vom Kanton übernommen. Finanziert werden die rund 50000 Franken für die 50-Prozent-Stelle mit Swisslos-Sportfonds-Geldern. Der Verband – das Pendant zu Swiss Olympic auf nationaler Ebene – vertritt die Interessen von rund 30000 Aktivsportlern im Stadtkanton.

«Wir freuen uns, unseren Mitgliedern eine weitere Dienstleistung anbieten zu können», sagt Hulliger. Der langjährige Verbandspräsident äussert sich geradezu begeistert über das Projekt «Zoffstopp». Dies sei eine «super Idee» gewesen und sei «sehr gut angelaufen». Es entspreche einem echten Bedürfnis, dass die Fussballvereine bei Gewalt oder sexuellen Übergriffen eine solche Ansprechperson hätten. Da diese Themen aber auch andere Sportarten betreffen würden, sei die geplante Ausweitung durchaus sinnvoll.

Hulliger, der auch Präsident des Kantonalschwimmverbands beider Basel ist, hofft, dass sich «Zoffstopp» bis im kommenden Herbst auch bei anderen Sportarten etablieren könne. Penta, im Sportamt verantwortlich für Leistungssport und Nachwuchsförderung, sagt, man müsse nun zusammen mit den Verantwortlichen der Verbände analysieren, bei welchen anderen Sportarten «Zoffstopp» besonders sinnvoll sei. «Ich denke da zum Beispiel ans Schwimmen, an die Leichtathletik, aber auch an Volleyball und Handball.» Vor allem das Schwimmen erwähnt Penta nicht zufällig: Ende 2011 wurde bekannt, dass ein Schweizer Funktionär mehrere Knaben missbraucht haben soll.

Bilanz soll gezogen werden

Vor einer Ausweitung auf weitere Sportarten will Penta auch eine Bilanz der bisherigen Tätigkeit von «Zoffstopp» beim Fussball ziehen können. «Ich möchte eine Übersicht über die Kontakte und die Fälle.» Er wünscht sich zudem, dass «Zoffstopp» künftig eine noch aktivere Rolle einnimmt und Stelleninhaberin Jasmund noch verstärkt auf die einzelnen Vereine zugeht, etwa mit Informationsveranstaltungen.

Auch Penta ist überzeugt vom Projekt: «Es wird stark in Anspruch genommen», sagt er. Unter den bisherigen Fällen seien seines Wissens auch zwei, drei knifflige Fälle im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen gewesen, bei denen man ein gutes Ende habe finden können. «Wenn man nur schon in einem einzigen solchen Fall eine Lösung findet, hat es sich schon gelohnt.»

Anfragen aus anderen Sportarten

Jasmund freut sich darauf, dass ihr Aufgabengebiet schon demnächst erweitert wird. Obwohl sie bis jetzt eigentlich nur für die Fussballvereine zuständig war, hatte sie bereits Anfragen aus anderen Sportarten erhalten (Eishockey, American Football). Die Anzahl Fälle, mit denen sie seit ihrem Amtsantritt im Oktober 2009 konfrontiert war, hat sie nicht erfasst. Pro Woche seien es im Durchschnitt ein bis zwei Fälle, sagt sie gegenüber dem «Sonntag». Während der Meisterschaft seien es mehr.

Hauptthemen neben der Gewalt sind gemäss Jasmund Rassismus und sexuelle Übergriffe. Wegen des Persönlichkeitsschutzes der Betroffenen will sie sich nicht detaillierter dazu äussern. Als Beispiel nennt sie Vereine, bei denen es Probleme mit auffälligen Spielern gab. Nachdem sie vermittelt und die zuständigen Fachstellen beigezogen habe, hätten die betreffenden Spieler wieder in die Vereine integriert werden kön-nen. «Das sind schöne Erlebnisse», sagt Jasmund. «Das Problem wird doch nur verlagert, wenn man einen Spieler aus einer Mannschaft ausschliesst.»