Fussball-Gewalt
«Fussballfans sollten nicht einfach als Feinde abgestempelt werden»

Auch nach der gewonnenen Meisterschaft des FC Basel schiessen Berner Sicherheitsverantwortliche gegen Basler Auswärtsfans. Doch bei Heimspielen gibt es mit den Basler Fans kaum Probleme. FCB und Kantonspolizei loben den «Basler Ansatz».

Moritz Kaufmann
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FCB-Fans ziehen gemeinsam zum Berner Stade de Suisse

FCB-Fans ziehen gemeinsam zum Berner Stade de Suisse

Keystone

Dürr-Brief eine «Ente»

Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr habe seinem Berner Amtskollegen Hans-Jürg Käser, einen bösen Brief geschrieben, berichtete die «SonntagsZeitung» feixend. Dies, nachdem Käser vor einer Woche drohte, Basel keine Berner Polizisten zur Sicherung von Fussballspielen mehr schicken zu wollen, falls Basel Nein zum Hooligan-Konkordat sagt.

Dürr bestritt die Existenz eines solchen Briefs allerdings umgehend: Diese Meldung sei eine «Ente», schrieb er auf Twitter.

Im bz-Interview von gestern sagte er: «Dass man in Basel politisch nicht willens ist, das Hooligan-Konkordat umzusetzen, ist tatsächlich ein Problem für den Rest der Schweiz.» Der Grund: «Es gibt in der Schweiz relativ wenige rote Spiele. Aber ein Klub ist immer dabei.» Gemeint ist damit natürlich der FCB.

Nur: Bei FCB-Heimspielen - wo ja der von Nause beschuldigte Verein jedes Mal mitspielt - hat es schon lange keine Ausschreitungen mehr gegeben. Andreas Knuchel, Sprecher des Basler Sicherheitsdepartements, bestätigt: «Seit 2009 gab es in Basel keine grösseren Vorkommnisse mehr.»

Woran liegts?

Die Frage ist nun: Liegt das daran, dass sich zumindest ein Teil der FCB-Fans nur auswärts problematisch verhält, oder agiert Basel in Bezug auf Sicherheit bei Fussballspielen geschickter als andere Städte?

Zumindest in Basel ist man überzeugt: Hier macht man vieles richtig. FCB-Kommunikationschef Josef Zindel blickt zurück auf die unrühmlichen Szenen im Mai 2006: «Seit da ist in Basel sehr viel unternommen worden. Man spricht andernorts mittlerweile sogar vom ‹Basler Modell›. Ein entscheidender Punkt ist, dass Bernhard Heusler die Fanthematik zur Chefsache erklärt hat.»

Gästefans als Gäste empfangen

Auch bei der Polizei rühmt man das Basler Modell: «Basel-Stadt begegnet der Gewaltproblematik mit einem multidisziplinären Ansatz. Der enthält präventive und repressive Massnahmen.» Zentral ist: «Deeskalation ist eine grundlegende Strategie bei jedem polizeilichen Handeln.» Auch FCB-Sprecher Zindel betont: «Gästefans muss man als Gäste empfangen - nicht als Kriminelle.»

Und hier klingt ein entscheidender Unterschied zu Bern in der Haltung gegenüber Fans heraus: Im Gegensatz zu Reto Nause werden Anhänger von Fussballklubs nicht grundsätzlich als Feinde gesehen.

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